Ausstellung

Naturschutz ist ein Glaubenszeugnis

"Laudato si." Karikatur von Thomas Plassmann. Foto: Renovabis/Thomas Plassmann

Was machen wir aus Gottes Schöpfung? Ist unsere Erde überhaupt noch zu retten? Karikaturisten aus Ost- und Westeuropa wollen nachdenklich machen.

Da ist ein weiß gekleideter alter Mann, der in Greenpeace-Manier zwischen zwei Fabrikschornsteinen ein Transparent anbringt, und Umstehende spekulieren darüber, dass es „nicht irgendein Typ mit weißen Klamotten“ sei …  – es ist der Papst. Mit seiner Enzyklika „Laudato sí“ setzt sich Papst Franziskus zwar mit Worten, aber der Leidenschaft eines Aktivisten für die Bewahrung der Schöpfung ein, findet Karikaturist Thomas Plassmann. Seine Zeichnung ist eine von 77 Karikaturen, die derzeit im Heidenheimer Dekanatshaus zu sehen sind. „Mit Volldampf in die Katastrophe?“ heißt die Wanderausstellung, die sich mit Umweltkrise und Klimawandel auseinandersetzt. Diese besondere Karikaturensammlung wurde vom Referat Weltkirche im Erzbistum Bamberg gemeinsam mit Renovabis, dem Osteuropa-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, konzipiert. Dekanatsreferentin Gabriele Kraatz hat sie auf die Ostalb geholt.

Auch ein Teil von Nächstenliebe

„Ein achtsamer, nachhaltiger Umgang mit der Schöpfung oder mit der Natur ist für mich ein Glaubenszeugnis – auch unabhängig davon, dass es Klimaverschärfung und Erderwärmung gibt“, erklärt Gabriele Kraatz. „Wir sagen: die Nächstenliebe ist uns wichtig, aber die Nächstenliebe bedeutet eben auch, dafür zu sorgen, dass alle Menschen neben und nach mir auch gut leben können – und das geht nur, wenn die Umwelt einigermaßen intakt ist.“ Die Ausstellung ist ein Baustein im Rahmen des ökumenischen Projekts „Faire Gemeinde“, das die Katholische Erwachsenenbildung im Kreis Heidenheim und das Dekanat Heidenheim auf Dekanatsebene etabliert haben. Möglichst viele Kirchengemeinden sollen dazu animiert werden, einen achtsamen Lebensstandard und Umgang mit der Natur auch im Gemeindeleben zu verankern.

Künstler in Ost und West geben Antwort

Welche Verantwortung haben wir für die Schöpfung? Wo liegen die konkreten Herausforderungen? Mit diesen Fragen wandten sich die Initiatoren der Ausstellung an europäische Künstlerinnen und Künstler aus Ost und West. Wie sehen sie die Situation in ihrem Land? Herausgekommen ist die bunte und vielfältige Antwort „Mit Volldampf in die Katastrophe?“.

In Sorge um das „gemeinsame Haus“

Ein Schneemann liegt auf der Intensivstation – er schmilzt und tropft (eine Zeichnung von Vasily Alexandov aus Russland zur Erderwärmung); Familienausflug im Smog der Großstadt – müssen bald alle Gasmasken tragen? (eine Arbeit von Alexander Zahariev aus Bulgarien); die Arche Noah legt (erneut) ab, in übel vergiftetem Gewässer – und der Mensch ist diesmal nicht dabei (ins Bild gesetzt von Horst Haitzinger, einem der bekanntesten politischen Karikaturisten im deutschsprachigen Raum). – Die Zeichnungen zeigen die gesellschaftlichen Prägungen und Herausforderungen in den einzelnen Ländern und bilden unterschiedliche Wahrnehmungen und Ausdrucksformen ab. Allen gemeinsam ist ihnen die Sorge um das „gemeinsame Haus“, wie Papst Franziskus die Erde in seiner Enzyklika „Laudato sí“ nennt.

Kirche ist gefordert

Nach Einschätzung von Claudia Gawrich, Renovabis-Bildungsreferentin, bringen die Kirchen „gute Voraussetzungen mit, um die Prinzipien der Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung in die Breite der Gesellschaft zu tragen. Das ist angesichts gesellschaftlicher, aber auch innerkirchlicher Akzeptanzschwierigkeiten und der Existenzsorgen vieler Menschen im Osten Europas nicht leicht. Dennoch entstehen Graswurzel-Aktivitäten, die von Renovabis ebenso gefördert werden wie Umwelt-Bildung oder energieeffizientes Bauen.“

Mit einem Augenzwinkern

„Diese Ausstellung finde ich deshalb so ansprechend, weil sie dieses ernste Thema mit einem Lächeln oder Augenzwinkern aufgreift und den Menschen vielleicht näher bringen kann als moralisierende Abhandlungen“, sagt Dekanatsreferentin Kraatz. Sie möchte auch Schulklassen für die Ausstellung gewinnen und in das Dekanatshaus einladen.

Die Karikaturen sind bis Ende Januar im 2. OG des Dekanatshauses Heidenheim, Schnaitheimer Str. 19, zu sehen - während der Öffnungszeiten der Geschäftsstelle (Montag und Mittwoch von 9 Uhr bis 16 Uhr sowie Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 und 12.30 Uhr) oder nach Absprache unter dekanat.heidenheim@drs.de oder Telefon (07321) 931551.

Ausstellung ausleihen

Die Ausstellung „Mit Volldampf in die Katastrophe?“ kann je nach Verfügbarkeit ausgeliehen werden. Informationen gibt Thomas Hartl: ht(at)renovabis.de.

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