Deutsche Bischofskonferenz (DBK) veröffentlicht die neuen Zahlen zu Frauen in Führungspositionen vor dem Weltfrauentag.
Was viele nicht wissen: Kirche ist nicht männlich. Nicht nur. Denn kirchliches Leben ist ohne die Arbeit von Frauen undenkbar. Damit sind nicht nur die vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen in allen kirchlichen Handlungsfeldern gemeint. Auch die Zahl der Frauen in kirchlichen Leitungspositionen in den Ordinariaten nimmt jährlich zu. Unterstützt wird dieser Prozess von der DBK.
Führung in der Kirche ist auch weiblich
Dr. Melanie-Katharina Kraus, Leitende Rechtsdirektorin im Kirchendienst sowie Leiterin der Hauptabteilung Personal, bestätigt diese Tendenz: „Als Mitglied der Sitzung des Bischöflichen Ordinariats, des höchsten Leitungsgremiums der Diözese, bin ich ein lebendiges Zeichen dafür, dass Führung in der Kirche bereits durchaus auch weiblich ist. Durch meine Position kann ich nämlich tatsächlich und wirklich mitwirken an und auf dem Weg, den die Kirche in unserer Diözese geht. Führung heißt in meinem Fall auch, verantwortungsvoll für mein 130-köpfiges Team zu sorgen, damit auch dieses sich - wie ich selbst - ganz in den Dienst der Kirche - in den Dienst am und für den Menschen - stellen kann.“
Viel mehr als nur eine Frauenquote
2013 veröffentlichte die DBK eine Ersterhebung zur Anzahl von Frauen in Leitungspositionen in deutschen Ordinariaten und Generalvikariaten – zunächst mit unbefriedigendem Ergebnis. Seitdem arbeiten viele deutsche Bistümer daran, den Frauenanteil in Führungspositionen ständig zu erhöhen. Das gelingt nicht nur durch Vereinbarungen zu internen Frauenquoten, sondern vor allem durch gezielte Personalförderung, Fortbildungen und Coaching von Leistungsträgerinnen, geschlechterspezifische Personalakquise und -förderung, institutionalisierte Gleichstellungsarbeit sowie durch neue Führungsmodelle zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie, Sorgetätigkeiten und Führungsposition.
Die Eignung einer Person hat Vorrang
Bereits im Zeitraum von 2014 bis 2016 wurde in der Diözese Rottenburg-Stuttgart eine Gleichstellungsanalyse im Rahmen des Projekts Frauen in Führungspositionen FiF erstellt. Daraus wurden Maßnahmen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen abgeleitet sowie eine Zielvorgabe zur Erhöhung des Frauenanteils in Führung von 30% pro Budgetbereich festgelegt. Andrea Langenbacher ist Gleichstellungsbeauftragte der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie erklärt, wie die Zielvorgabe in der Diözese durchgesetzt werden konnte: „Eine Quotenregelung als solche besteht in der Diözese nicht. Im Stellenbesetzungsverfahren hat die Eignung einer Person für eine Stelle Vorrang. Seit 2017 werden die bestehenden Maßnahmen in Stellenbesetzungsverfahren umgesetzt, zum Beispiel das Modell Top-Sharing auf Leitungsstellen und vollzeitnahe Führung weiterhin gefördert. Die Zielvorgabe von 30% Frauenanteil in Leitungspositionen pro Budgetbereich wurde im Jahr 2021 erneuert und auf 33,3 % erhöht, zeitnah zur Zielvorgabe der Deutschen Bischofskonferenz DBK für „ein Drittel und mehr“ Frauen in Leitungspositionen in den Ordinariaten der deutschen (Erz-) Bistümer.“
Die Tendenz ist steigend
Im Gegensatz zu den Kriterien der Erhebung der Deutschen Bischofskonferenz umfasste, laut Andrea Langenbacher, die Gleichstellungsanalyse in der Diözese Rottenburg-Stuttgart weit mehr Leitungsstellen, sowohl kurial wie auch diözesan, bis hin zu leitenden Aufgaben in den Gemeinden und Einrichtungen, wie z.B. Leitungen von Kindergärten und Gewählte Vorsitzende in den Kirchengemeinden. Im Jahr 2016 wurde dieser Bericht veröffentlicht. Die Analyse des Frauenanteils bei Führungsstellen in den Budgetbereichen der Diözesankurie wurde fortgeschrieben und umfasst alle Leitungsstellen, die mit Budget- und Personalverantwortung ausgestattet sind und einem Budgetbereich der Kurie zugeordnet sind. Im Jahr 2016 lag der Durchschnitt bei 27,8% und im Jahr 2021 bereits bei 36,65%. Seit Erstellung der Gleichstellungsanalyse und der Umsetzung von förderlichen Maßnahmen zu Erhöhung des Frauenanteils ist die Tendenz steigend.
Leitungspositionen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Die aktuelle DBK-Erhebung 2023 fokussiert sich, wie bereits im Jahr 2013 und 2018, ausschließlich auf die Leitungspositionen in den Ordinariaten und Generalvikariaten in Deutschland. Diese Entscheidung dient der Vergleichbarkeit der Zahlen an einem beispielhaften und zentralen Ort, an dem in Einrichtungen der katholischen Kirche in Deutschland Leitung wahrgenommen wird. Als „Leitungsposition“ werden Positionen mit inhaltlicher, personeller und finanzieller Verantwortung verstanden. Die obere Leitungsebene entspricht der Ebene unmittelbar „unterhalb“ des Ortsordinarius und seines Stellvertreters. Das sind z.B. die Positionen: Finanzdirektor:in, Personaldezernent:in, Seelsorgeamtsleiter:in und andere. Die mittlere Leitungsebene entspricht der Ebene unterhalb der oberen Leitungsebene.
Dieser Vorgabe zufolge wurde Stand August 2023 wie folgt Angaben für die Diözese Rottenburg-Stuttgart gemacht:
In der Oberen Ebene hatten von insgesamt 17 Stellen, fünf Laien-Frauen und zwei Laien-Männer eine Führungsposition inne, sowie sieben Ordinierte.
Auf der Mittleren Ebene hatten von den insgesamt 21 Stellen, 12 Laien-Frauen und neun Laien-Männer eine Führungsposition inne – und kein Ordinierter.
Ein großer politischer Wille der Leitung
Andrea Langenbacher, Gleichstellungsbeauftragte der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ist zufrieden: „Das Bischöfliche Ordinariat Rottenburg-Stuttgart hat seit vielen Jahren Frauen auf der Ebene der Hauptabteilungsleitungen und seit 2017 praktische Erfahrungen mit Topsharing-Tandems als Abteilungsleitung, als Stellvertretende Abteilungsleitung und auf Diözesanebene langjährig Erfahrung mit der Leitung einer Dekanatsgeschäftsstelle. Aus Gleichstellungssicht kann ich der Bistumsleitung folgendes attestieren: ein großer politischer Wille der Leitung, eine hohe Sensibilität der Beteiligten in Personalauswahlverfahren von hoher Qualität, die Förderung von Führungsmodellen in Teilzeit oder vollzeitnaher Führung und die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Viele der Forderungen und Empfehlungen, die im Bericht der DBK -Erhebung 2023 genannt sind, werden bei uns seit vielen Jahren erfolgreich beachtet und umgesetzt.
Viele Bereiche müssen nicht von Klerikern geleitet werden
Die Entwicklung setzt sich weiter fort und die Zahl der Frauen in Führungspositionen ist 2025 erneut gewachsen. Ordinariatsrätin Regina Seneca, Hauptabteilungsleiterin HA V im Tandem, sagt zur Rolle der Frauen in den Bistümern: „Auf der Leitungsebene eines jeden Bistum gibt es viele Bereiche, die nicht genuin von Klerikern geleitet werden müssen. Streng genommen ist eher so, dass es nur wenige Positionen gibt, für die eine Priesterweihe zwingend erforderlich ist: das sind natürlich der Bischof und der Generalvikar, ebenso der Offizial, und auch der Regens des Priesterseminars, sowie die Weihbischöfe und Bischofsvikare. Alle anderen Leitungsfunktionen auf diözesaner Ebene - bei uns heißt diese Ebene "Hauptabteilungsleitung", in anderen Diözesen spricht man von Ressorts, Dezernaten oder Referaten - können von nicht geweihten Personen geleitet werden. Momentan sind wir fünf Frauen, die eine der fünfzehn Hauptabteilung leiten.“
Kirchliches Handeln profitiert von der Vielfalt
Neben den fünf Hauptabteilungsleiterinnen sind zehn von 20 Abteilungen in der Leitung von Frauen. In der mittleren Ebene sind acht von zwölf Führungskräfte Frauen. Auch die Kommission sexueller Missbrauch, die Unabhängige Aufarbeitungskommission, sowie die Stabstellen Steuerrecht, Prävention/ Kinder- und Jugendschutz, Fundraising, Entwicklung, Datenschutz und die Stabstelle Mediale Kommunikation – hier als Doppelspitze mit einem männlichen Kollegen, sind in Frauenhand. Auch die Geschäftsführung des Diözesan- und Priesterrats hat eine Frau inne.
Regina Seneca betont die wichtige Rolle von Frauen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart: „Persönlich habe ich überwiegend positive Erfahrungen gemacht und entsprechende Rück-meldungen erhalten. Ich bin der Überzeugung: So wie es für eine gelingende Seelsorge vor Ort eine Mischung der Lebenserfahrungen, Kompetenzen und Berufungen in den multiprofessionellen Pastoralteams braucht, sollte sich das auch auf der Leitungsebene unter den Verantwortungstragenden widerspiegeln. Kirchliches Handeln profitiert von der Vielfalt der Menschen und Professionen.“
Für den Willen unseres Herrn
Dr. Melanie-Katharina Kraus bestätigt diese Überzeugung auch aus persönlicher Sicht: „Ich bringe mich und meine Fähigkeiten sehr gerne an dieser Stelle ein, denn ich kann sehen und erleben, dass ich als Frau etwas in der Kirche bewirken und erreichen kann: nicht nur für meinen Dienstgeber als Organisationseinheit, sondern für die Kirche als Ganzes und den Willen unseres HERRN.“





