Schulen

Neuer Stiftungsdirektor Gronover: Das Kind in die Mitte nehmen

Festakt im Spiegelsaal des Klosters Obermarchtal: Diözesanadministrator Dr. Clemens Stroppel (von links) und Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr sowie (von rechts) der Verwaltungs-Vorstand der Stiftung Katholische Freie Schule, Roland Grimmelsmann, und der Stiftungsratsvorsitzende Oliver Karpf gratulieren dem neuen Stiftungsdirektor Prof. Matthias Gronover (Mitte), der den pädagogischen Bereich verantwortet. Foto: drs/Jerabek

Das religiöse Profil der katholischen Schulen neu zu beleben, ist für Matthias Gronover, Pädagogik-Vorstand der Schulstiftung, Chance und Auftrag.

Seine Aufgabe werde es vor allem sein, den Schulen so gut es geht zu ermöglichen, „den uns anvertrauten Kindern eine Schule als Lebensraum zu bieten, in dem sie lachen, lernen und leben können, in dem sie weinen, zweifeln und hadern dürfen“, sagte Prof. Matthias Gronover bei seiner offiziellen Einsetzung als Pädagogischer Vorstand der Stiftung Freie Katholische Schule (SKFS) der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zentral für diese Lebensorte sei der Marchtaler Plan, den es weiterzuentwickeln gelte, und das christliche Menschenbild als sein Fundament. Gronover zufolge ist es „ganz entscheidend, dass das religiöse, katholische Profil unserer Schulen neu belebt wird und Qualitätskriterien für unsere Schulen entwickelt und evaluiert werden“. Derzeit werde an der Überarbeitung des Plans für Realschulen und die Gemeinschaftsschule gearbeitet.

Die Hoffnung, dass es Gott gut mit uns meint

Schule als Lebensraum brauche Pädagoginnen und Pädagogen, „die das Leben kennen und die Hoffnung leben, dass es Gott gut mit uns meint, und die sich nicht entmutigen lassen, wenn einmal wieder Katastrophenszenarien an den Himmel der Bildungspolitik gemalt warden”, so Gronover in seinem Festvortrag in Obermarchtal. „Die Kinder brauchen die Lebens- und Lernorte, die unsere Schulen darstellen, mehr denn je: Räume, die nicht verzweckt sind, Bildungsbiografien, die sich nicht an zahlenorientierten, skalierten Evaluationsrastern messen lassen müssen, Persönlichkeitsentwicklung, die nicht in Uniformiertheit mündet, sondern in die Freiheit führt.“ Das Wahrgenommen werden, das Ernstgenommen- und Mitgenommenwerden auf der Bildungsreise, um das es in der Schule gehen soll, die Einzigartigkeit eines jeden Menschen, wie sie im Buch Jesaja beschrieben ist, veranschaulichte Gronover anhand eines Zitats des Schriftstellers Daniel Pennac, der eindruckvoll schildert, was es dem Kind bedeutet, mit Namen gerufen zu werden. Letztlich gehe es darum, das Kind in die Mitte zu nehmen, so der neue Stiftungsdirektor.

Vielfältige Lehr- und Unterrichtserfahrung

Matthias Gronover hat ein Lehramtsstudium für Gymnasium in den Fächern Biologie, Katholische Religionslehre und NWT absolviert. Begleitend zu seinem Promotionsstudium in Religionspädagogik war er Lehrstuhlassistent bei Prof. Albert Biesinger an der Universität Tübingen. Vielfältige praktische Erfahrungen sammelte er im Unterricht in den verschiedenen Schularten der beruflichen Schule in Tübingen und durch die Mitarbeit am Katholischen Institut für berufsorientierte Religionspädagogik (KIBOR)  der Universität Tübingen, dessen Leitung er 2017 übernahm. 2021 wurde er hauptamtlicher Professor am KIBOR.

Anker finden und Kraft für den Lebensweg

Von Sehnsucht und Hoffnung in einer halt- und bindungslosen, gleichsam „unverankert“ wirkenden Welt, wie sie Judith Hermann in ihren Romanfiguren zeichnet, sprach Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr, Leiterin der Hauptabteilung Schulen im Bischöflichen Ordinariat der Diözese, in ihrem Grußwort. Der christliche Glaube und viele biblische Geschichten zeugten „von der Rettung und Bewahrung des Lebens und von Wegen, die nicht in Gefangenschaft, nicht in Wüsten und Katastrophen enden, auch wenn das Ende schwerer Zeiten beileibe nicht immer absehbar ist“, so die Ordinariatsrätin: „Ich wünsche mir, dass wir sie ihnen erzählen in unseren katholischen Schulen, mit Worten und in unserem Handeln. Und unsere Schülerinnen und Schüler mögen darin die Hoffnung und Zuversicht gewinnen, die Menschen über Tausende von Jahren begleitet und die ihnen geholfen hat, Anker zu finden und Kraft für ihren Lebensweg.“ Trotz großer pädagogischer, strategischer und wirtschaftlicher Herausforderungen, die der Stiftungsratsvorsitzende Oliver Karpf in der Begrüßung skizziert hatte, gebe es „kaum ein sinnvolleres, zukunftsweisendes Feld der Kirche als die Bildung junger Menschen“, sagte Augustyniak-Dürr bei dem von Stefan Neubacher berührend musikalisch begleiteten Festakt.

Anleiten nicht vom „Spielfeldrand" aus

Wie bedeutsam eine christlich begründete Pädagogik ist, wie wichtig es gerade auch im Glauben ist, eingeführt und angeleitet zu warden, entfaltete Diözesanadministrator Dr. Clemens Stroppel zuvor im Festgottesdienst im Münster St. Petrus und Paulus anhand der Tageslesung (Apg 8,26-40): Philippus macht sich auf den Weg, trifft auf einen Äthiopier, „nimmt neben ihm Platz: nicht von oben herab, nicht auf Abstand, nicht vom ‘Spielfeldrand’ aus. Bei ihm, auf der gleichen Bank und auf Tuchfühlung“. „Der Bibelleser bedarf der Einführung durch einen oder eine ‘des Weges Kundige’, eine oder einen Erfahrenen, durch einen, wie Philippus, von der frohen Botschaft und dem Heiligen Geist geführten Menschen, der sich bereits in die Geschichte der Erfüllung der Schrift einbeziehen ließ“, sagte Stroppel.

„Keine leichte Zeit, ein Leitungsamt anzutreten"

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der jüngsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, die ein „Entschwinden“ Gottes zutage fördert und die Empfänglichkeit für „Gott“ demoskopisch nicht mehr greifbar erscheinen lasse, sei es keine leichte Zeit, ein Leitungsamt anzutreten in der Kirche und bei einem kirchlichen Schulträger, sagte Stroppel. Doch trotz der hohen Arbeitsbelastung, über die viele Lehrerinnen und Lehrer klagen, und trotz verschiedener Herausforderungen „geben 77 Prozent der Grundschul- und 67 Prozent der Sekundarschullehrer und -lehrerinnen an, ihren Beruf alles in allem ‘eher gern’ oder ‘sehr gern’ auszuüben“, unterstrich der Diözesanadministrator. Lehrende seien offenbar doch „mit Liebe und Herzblut für ihren Beruf und ihre Schülerinnen und Schüler“. Ihr Engagement und eine „Lebenspädagogik“, wie sie etwa im Osterhymnus und in verschiedenen Paulus-Briefen anklingt, sei vielleicht gerade in diesen Zeiten wertvoll, so Stroppel.

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