Auch wenn manches Stück des Genres Neues Geistliches Lied (NGL) mittlerweile zu einem altbekannten Klassiker geworden ist, ist die Szene aktiv. Nach wie vor entstehen Lieder und erweitern das Repertoire. „Das NGL ist lebendiger, als es auf den ersten Blick scheint“, sagt Christoph Seeger. Der Düsseldorfer Kirchenmusiker gehört zu den aktuell bekanntesten und profiliertesten Komponisten der NGL-Szene.
„Dreh- und Angelpunkt sind die Texte“, erklärt Seeger. In einem guten Text liege die Musik schon drin, meint der Komponist. Er nimmt derzeit wahr, dass die NGL-Texte besser werden, weil gute Theologen am Start seien, die die Inhalte in Worte fassen könnten. Im Gemeindehaus neben der Kirche Christus König in Brackenheim erklärt Seeger den Zuhörerinnen und Zuhörern, was ein NGL-Stück ausmacht. Es müsse das Evangelium neu übersetzen. Die Texte müssten heutig sei. Sie hätten oft einen anderen Blick. Als Beispiel nennt Seeger den Versuch, Maria anders zu beleuchten. Das NGL spreche außerdem Zweifel oder Fragen aus. Neue Thematiken spiegeln sich in dem Genre ebenfalls wider. Der Komponist erwähnt Corona.
Ein persönliches Musikstück
Seeger, der 1968 in Ratingen geboren wurde, hat 2004 zunächst ein NGL-Morgenlied geschrieben, weil das gefehlt habe, wie er berichtet. Mittlerweile kommt er eigenen Angaben nach auf etwa 50 Kompositionen. Als seine persönlichste bezeichnet er „Ich schreibe meine Sorgen in den Wind“, die nach dem Krebstod einer guten Freundin entstanden ist.
Einige der NGL-Werke, die Seeger vertont hat, konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer vor dem Austausch beim Evensong erleben. Diese spezielle abendliche Liturgie, die ihre Ursprünge in der anglikanischen Kirche hat, gestaltete Seeger zusammen mit Carla Lülsdorf und Paul Sendt musikalisch. Zwischen den Liedern setzten Pfarrer Oliver Westerhold und Gemeindereferentin Laura Sünder mit Impulsen zu Psalmen, Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament und Gebeten gesprochene liturgische Akzente.
Start für Orgel-Projekt
Die NGL-Stücke und die konzentrierte Gottesdienstform fügten sich gut in die Kirche Christus König mit ihrer linearen, schlichten Architektur einer Hallenkirche der 1950er Jahre. Die farbliche Beleuchtung des Chorraums unterstrich die abendlich-spirituelle Atmosphäre.
Die Veranstaltung markierte zugleich den Start der Initiative „Neue Orgel für Christus König“. Denn die Kirche hat keine Pfeifenorgel. Eine E-Orgel dient schon länger als Provisorium, wie Pfarrer Westerhold auf Nachfrage erklärt. Daher sammelt die Kirchengemeinde St. Michael, Wächter des Zabergäus Spenden. Sie will eine Orgel auf dem Gebrauchtmarkt kaufen. Laut Westerhold wird mit mindestens 75.000 Euro Anschaffungskosten gerechnet.





