Seelsorge

Nicht okay sein ist okay

In einem Kurzfilm macht die Telefonseelsorge darauf aufmerksam, dass sie auch für junge Menschen da ist - auch per Chat oder Mail. Foto: Medienoperative Ulm

Reden hilft. Mit einem Kurzfilm will die Telefonseelsorge jungen Menschen vermitteln, dass es okay ist, wenn man sich bei Problemen Hilfe holt.

„Wir stellen fest, dass sich immer mehr junge Menschen an uns wenden“, sagt Claudia Köpf, Leiterin der Telefonseelsorge Ulm/Neu‑Ulm. „Und wir haben gesagt: Es ist wichtig, dass noch mehr junge Menschen wissen, dass es diesen anonymen und geschützten Raum gibt, in dem sie auch die Themen platzieren können, die sie sich vielleicht im Freundeskreis nicht anzusprechen trauen.“ Denn auch wer gut vernetzt ist und Freunde hat, könne sich in der Situation wiederfinden, in der man sich mit einem Thema allein gelassen oder sehr einsam fühlt oder über das man sich „erstmal mit jemand anderem austauschen möchte, weil es vielleicht schambesetzt ist“, weiß Köpf. Weil die Telefonseelsorge auch für diese Menschen da sein will, „kam uns im Rahmen unserer zweijährigen Projektstelle für junge Erwachsene in der Seelsorge die Idee, dass wir einen Kurzfilm über die Themen der Jugendlichen drehen könnten, um zu zeigen, was sie bewegt - und was sie vielleicht daran hindert, Hilfe zu suchen“.

Bin ich wichtig genug? - Auf jeden Fall!

Oft dächten Jugendliche: 'Ich müsste das doch alleine schaffen' oder 'Bin ich wichtig genug, dass ich mein Thema in den Mittelpunkt stellen darf?' - das war für uns sehr bewegend“, sagt Claudia Köpf. „#NichtOkSeinIstOk“ heißt der elfminütige Film, der zeigen soll, „dass es normal ist, dass das Leben nicht immer nur bunt und schön ist, sondern auch dunkler und herausfordernd sein kann“: eine schlechte Note, Stress zuhause oder Überforderung, aber auch ein ständiges Sich-Vergleichen in den sozialen Medien und der Druck, der daraus erwächst... Der Film will Hemmschwellen senken und darauf aufmerksam machen, „wie gut es tun kann, wenn man mit seinen Sorgen nicht allein bleibt, sondern mit anderen darüber redet.“

Schreiben ist manchmal leichter als reden

Einfühlsam und authentisch, berührend, aber ohne kitschig zu wirken, schildert der Film in drei Episoden solche Situationen - und wie sich junge Leute auf verschiedene Weise bei der Telefonseelsorge Hilfe holen - per Telefon, per Mail und per Chat. Denn obwohl es seit über 25 Jahren auch eine Online-Beratung gibt, sei das „oft gar nicht so bekannt", weiß Köpf aus Erfahrung. „Manchmal ist es für die Jugendlichen wichtig, noch anonymer zu sein als am Telefon, also auch an der Stimme nicht erkannt zu werden.“ Etwas in Worte zu fassen, ohne es sagen zu müssen, mache es manchmal leichter.

Themen, die alle Altersklassen angehen

Verwirklicht wurde das Projekt mit einer Klasse des Wiblinger Albert-Einstein-Gymnasiums und der „Medienoperative Ulm“. Intensive Workshoptage mit Mitgliedern des Film- und Medienvereins und der Leitung der Telefonseelsorge bildeten die Grundlage für das Drehbuch. „Wir haben mit den Schülerinnen und Schülern darüber gesprochen und sie abstimmen lassen, was ihre Themen sind, was sie beschäftigt - und wir haben gemerkt, dass das genau die Themen sind, die bei uns in der Telefonseelsorge allgemein ankommen, die Menschen jeden Alters beschäftigen: Einsamkeit, familiäre Beziehungen, Zukunft, Ausgrenzung, Stress“, so die Leiterin der Telefonseelsorge. Dann wurden die Szenen entwickelt. Zwei Schülerinnen und ein Schüler spielen die Hauptrollen - dank theaterpädagogischer Begleitung durch die Medienoperative übrigens sehr glaubwürdig.

Ein Netzwerk - getragen von den Kirchen

Insgesamt zehn Drehtage nahm der Film in Anspruch, denn was gut werden soll, braucht Zeit, eine professionelle Ausrüstung - und Geld. „Die Stadt Ulm hat sehr schnell eine Förderung über Stiftungen zugesagt; anders hätten wir das nicht machen können", sagt Claudia Köpf. Die Telefonseelsorge insgesamt, die aus einem bundesweiten Netzwerk von mehr als 100 Stellen mit fast 300 festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie über 7700 ausgebildeten Ehrenamtlichen besteht, wird von den beiden großen Kirchen in Deutschland getragen. Das Einzugsgebiet der Ulmer Telefonseelsorge, die katholischerseits unter dem Dach des Dekanats Ehingen-Ulm tätig ist, umfasst die Landkreise Alb-Donau, Neu-Ulm, Ostalb und Heidenheim.

Bereichernd und eindrucksvoll

„Uns ist es wichtig, dass wir immer lernen“, sagt Claudia Köpf, „und in der Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern war es sehr bereichernd zu sehen, welche Tiefe die jungen Leute haben und wie sie an ihre Themen rangehen. Das hat uns sehr beeindruckt.“ Umgekehrt würden auch die Jugendlichen „die Haltung, die wir haben“, schätzen: „Zeit und Raum geben, um Themen mit einer bewertungsfreien Brille anzuschauen: Mich interessiert, wie du denkst, was dein Thema ist.“ - Der Film gibt eindrucksvoll Zeugnis davon.

Der Film #NichtOkSeinIstOk ist auf YouTube zu sehen und kann unter folgendem Link abgerufen werden:
https://www.youtube.com/watch?v=YJKH0feL9jg

TelefonSeelsorge®

Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht erreichbar, auch an Wochenenden und Feiertagen, unter diesen Nummern:

0800-1110111, 0800-1110222 und 116 123

Das Angebot gilt für alle, egal ob alt oder jung, ob Berufstätiger, Hausfrau, Auszubildende oder Rentner, ob evangelisch, katholisch, Angehörige einer anderen Glaubensgemeinschaft oder ohne Kirchenzugehörigkeit, und ist offen für alle Problembereiche und für alle Anrufenden in ihrer jeweiligen Situation.

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