Jasmin Beerhalter ist in der Kinderkirche und im Kirchengemeinderat aktiv. Als Mutter von zwei Kindern weiß sie, dass die Adventszeit normalerweise alles andere als perfekt läuft – und hat sich passend dazu zwei Figuren aus der Weihnachtskrippe ausgesucht: Das sind zum einen eine Frau mit Kind – „das hat wahrscheinlich auch ein bisschen mit der Kinderkirche zu tun“, – und zum anderen eine Katze, die gerade einem Händler einen Fisch oder eine Wurst geklaut hat. Die Frau und das Kind, die sich vertraut im Arm halten, „sehen aus, als wollen sie los, sind sich aber noch ein bisschen unsicher. Die wollen aufbrechen“, so beschreibt die 42-Jährige diese Figuren. „So geht’s uns ja allen in der Adventszeit.“ Sich auf den Weg zu machen, auf den Weg zur Krippe, das bedeutet, sich aufzumachen „auf den Weg zur Liebe, zur Hoffnung – besonders zur Hoffnung, in einer Zeit, die von so viel Unsicherheit, Sorgen und Krisen geprägt ist“.
Nicht perfekt, sondern lebendig
Hoffnungsvoll sind auch die neugierigen Fragen der Kinder, die Jasmin Beerhalter in der Kinderkirche und zuhause erlebt, „die Offenheit und Begeisterung für die Geschichten von Jesus“, deren Anfang ja jede Krippe erzählt. Die Krippe in der Pfarr- und Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg tut dies das ganze Jahr über. Auf der Empore hinter dem Hochaltar ist die Menschwerdung Gottes besonders eindrucksvoll zu bestaunen. „Je näher es auf Weihnachten zugeht, sind ganz viele Familien hier oben“, berichtet Pater Anton Wölfl, Pfarrer auf dem Schönenberg. Die großen geschnitzten Figuren aus Oberammergau und insbesondere ihre Gesichter beeindrucken durch große Ausdruckskraft und viel Liebe zum Detail. „Viele Menschen kommen auch wegen Sieger Köder“, sagt Wölfl. Der berühmte Malerpfarrer Sieger Köder (1925–2015), dessen 100. Geburtstag im zu Ende gehenden Jahr gefeiert wird, hat die Krippe 1993 neu gestaltet und mit einem großen Hintergrundgemälde bereichert. Neue szenische Darstellungen tragen die Geburt Jesu in den Alltag der Menschen, wie ihn auch Menschen heute erleben, findet Pater Wölfl. „Es ist wirklich toll.“
Eine dieser liebevollen Szenen ist die mit der Katze, die gerade mit ihrer Beute davonrennt – die zweite Figur, die Jasmin Beerhalter ausgewählt hat. „Diese Szene zeigt mir: Advent und Weihnachten muss nicht immer perfekt und geschleckt sein, sondern ist manchmal chaotisch; es ist lebendig. Die Advents- und Weihnachtszeit ist menschlich – und so ist auch Gott in unsere Welt gekommen.“ In dieser Zugewandtheit, mit der sich Gott von den Menschen in ihren Alltag einladen lassen will, ist die Krippe auf dem Schönenberg nicht nur lebendig, sondern irgendwie auch perfekt.
In unserer Reihe über die Krippe in der Wallfahrtskirche Schönenberg stellen Gemeindemitglieder über den Advent bis zum Dreikönigstag ihre Lieblingsfigur(en) vor.







