Kirchenjahr

Nikolaus - und jede Menge Jubiläen

Nikoläuse, Ruprecht und Pfarrer ziehen vom Turm der Kirche über das Straßenpflaster zum Haupteingang.

Nikoläuse und Knecht Ruprecht ziehen zusammen mit Dekan Bernd Herbinger in die Friedrichshafener Nikolauskirche ein - Foto: DRS/Waggershauser

Warum die Nikolausgilde in Friedrichshafen 40 Jahre nach ihrer Gründung in der Nikolauskirche feiert und weiterhin Fachkräfte sucht.

Der Nikolaus war der Geschenkeonkel und sein Knecht Ruprecht holte die Rute aus dem Sack - und brachte sie auch zum Einsatz. Mitte des letzten Jahrhunderts war dieses ungleiche Paar oft ohne kirchlichen Hintergrund unterwegs und jagte den Kindern trotz der kleinen Geschenke Angst ein. An vielen Orten schlossen sich deshalb Männer zusammen, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten und den heiligen Bischof und Wohltäter aus der heutigen Türkei in den Mittelpunkt zu rücken. 1985 gründete eine Gruppe um Berthold Erich Schwarz die Nikolausgilde in Friedrichshafen am Bodensee. „Bei uns ist der Ruprecht schon eher der tadelnde Part, aber nicht der Böse“, erklärt Michael Huber. „Er macht in der Familie die Begrüßung und stellt den Nikolaus vor“, ergänzt der Bischofsdarsteller.

Dass es mit „seinem“ Ruprecht ein gutes Miteinander wird, das die Kinderaugen strahlen lässt, davon ist Huber überzeugt. Auch wenn Martin Meßmer dieses Jahr zum ersten Mal in das braune Gewand mit Kapuze und schwarzem Rauschebart schlüpft, kennen sich die beiden schon über 20 Jahre. Letztes Jahr kamen sie bei einer privaten Feier am späteren Nikolausabend auf den Fachkräftemangel in der Gilde zu sprechen. Und Meßmer sagte zu. „Ich bin gespannt, was diese Woche auf mich zukommt“, freut er sich schon. Die meisten Nikoläuse starteten in dieser Rolle. „Ich bin bei Erich Schwarz drei Jahre als Ruprecht durch die harte Schule gegangen“, erinnert sich Otto Wagner. Er war bereits bei der Gründung dabei und anfangs sehr aufgeregt. Obwohl er seit 2024 im Nikolaus-Ruhestand weilt, legt er zum 40-Jahr-Jubiläum der Gilde noch einmal das Bischofsgewand und den weißen Bart an.

Spenden für soziale Einrichtungen in der Stadt

Den künstlichen Bart hat Bernd Eberle nach fünf Jahren nun erstmals im Schrank gelassen. „Ich möchte mit dem echten Bart laufen“, nahm er sich vor und ließ diesen seit Februar sprießen. Bisher sei das sehr gut angekommen, erzählt er. Der Besuch der Nikoläuse in Familien, Vereinen, Kindergärten und Schulen sowie in Selbsthilfegruppen ist grundsätzlich kostenlos. Mit den Spenden - im Jahr 2024 waren es 3.750 Euro - unterstützen sie soziale Einrichtungen wie dieses Mal die Obdachlosenunterkunft „Herberge“ und den Kinderhospizdienst in Friedrichshafen. Dieses Engagement brachte den jüngsten Zugang  zur Gilde. Marcel Lehmann war nach Corona auf der Suche nach einer neuen ehrenamtlichen Tätigkeit und nahm Kontakt zu den Nikoläusen auf. „Die haben mich so herzlich aufgenommen“, schwärmt der Nikolausdarsteller noch heute in seiner zweiten Saison.

Die Fäden der Gilde laufen inzwischen bei Erich Wölk zusammen - seit 25 Jahren Mitglied. Zuvor sammelte er in der Rolle des heiligen Bischofs bereits andernorts Erfahrungen. Wölk organisiert zwei- bis dreimal im Jahr ein Treffen der Gruppe, besorgt Schokolade zum Verteilen und knüpft die Kontakte zu den Spendenempfängern und zur Presse. Für den traditionellen Segen und die Aussendung hat er sich mit der Gruppe im Jubiläumsjahr einen Gottesdienst in der Stadtmitte ausgesucht. Warum? Die Kirche dort ist dem Heiligen Nikolaus geweiht und wurde 1325 erstmals urkundlich erwähnt. Dekan Bernd Herbinger setzte bei den Jubiläen noch eins drauf. Bischof Nikolaus habe vermutlich auch am Konzil von Nicäa vor 1.700 Jahren teilgenommen. Dieses legte das ökumenische Glaubensbekenntnis fest. Papst Leo XIV. besuchte den Ort in der heutigen Türkei erst letzte Woche.

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