Um Gottes Stimme zu hören und wahrzunehmen, was jetzt dran ist, ist es notwendig, innerlich offen zu sein und den Geist weit zu machen. Gottes Geist lässt sich nicht einengen oder begrenzen, sondern will uns weit und offen machen. Das lateinische Wort „Spiritus” weist auf den Atem Gottes hin. Er belebt, erneuert und verbindet – wie ein sanfter Wind, der uns bewegt, stärkt und neue Horizonte eröffnet. Gerade dann, wenn unser Denken und unsere Haltung zu eng und einseitig sind, will der Geist Gottes uns weiten und öffnen.
Denn die Wirklichkeit ist meist vielfältiger und weiter, als ich mir das vorstellen kann, Gottes Schöpfung ist so unendlich groß und weit. Gerade auch in einer offenen Haltung kann Gott wirken und sich Neues, oftmals auch Überraschendes zeigen.
Dabei ist mir der Austausch, der Dialog mit anderen sehr wichtig. Er eröffnet neue Horizonte und neue Perspektiven. Eine offene synodale Haltung zeigt sich nicht zuletzt auch im respektvollen Umgang mit anderen Meinungen.
Bei meinen weltkirchlichen Begegnungen traf ich oft auf Menschen, die authentisch, respektvoll und geistvoll waren – auch wenn sie sich in einem ganz anderen und für mich zunächst ungewohnten kulturellen Kontext bewegten. Doch gemeinsam mit ihnen, die ebenfalls offen auf mich zugingen, begegneten wir uns in einer Tiefe, die uns spüren ließ, wie gegenwärtig Gottes Geist gerade in diesen Begegnungen sein kann.
Offenheit ist kein Verlust von Sicherheit und Klarheit, sondern der Raum, in dem der Heilige Geist wirken und Neues wachsen kann.
Bischof Dr. Klaus Krämer




