Gedenken

Offene Kirche als Ort der Klage

Holzkreuze aus der Schreinerei der Justizvollzugsanstalt Hinzistobel sind in der Jodokskirche als Zeichen aufgebaut - Foto: DRS/Waggershauser

Grabkreuze und Tücher, Texte und Lichtakzente laden in der Ravensburger Jodokskirche zum Nachdenken und zum Trauern ein.

Drei Holzkreuze stehen aufrecht im Lichtkegel. Sie erinnern an die Darstellung der Kreuzigung Jesu inmitten der beiden Straftäter. Andere Kreuze liegen wie ein Trümmerhaufen übereinander auf schwarzen Tüchern. Dazwischen Texte, die von Leidsituationen heutiger Strafgefangener berichten. Sie hatten die Kruzifixe, die bei Beerdigungen an den Gräbern aufgerichtet werden, in der Schreinerei der Justizvollzugsanstalt Hinzistobel selbst hergestellt.

In der trüben Jahreszeit mit den Totengedenktagen gestalteten die Verantwortlichen von "Kirche in der Stadt" den Freiraum im nur sporadisch bestuhlten Schiff der Jodokskirche als Ort der Klage, des Leids und der Trauer. Bis zum 23. November sollen die Kreuze stehen bleiben. "Wir laden die Menschen ein, in die Kirche hereinzugehen, eigene Klagen aufzuschreiben und zu den Kreuzen zu legen oder in die Mauersteine zu stecken", erzählt Christine Mauch.

Ansprechende Texte und ansprechbare Menschen

Die Gemeindereferentin beobachtete in den letzten Tagen etliche Menschen, die in der Kirche verweilten, auch wenn sie nichts Schriftliches hinterließen. Sie lasen die Klagepsalmen, die an den Säulen des in Lilafarben ausgeleuchteten Kircheraums hängen. Andere betrachteten die Texte auf der obersten Stufe zum Chorraum, die Künstlerin Lisa Knoll grafisch darstellte.

Freitags zwischen 17 und 18 Uhr können sich Besucherinnen und Besucher nicht nur von den Zeilen auf Papier ansprechen lassen, sondern finden in den Mitarbeitenden von "Orte des Zuhörens" auch ein konkretes Gegenüber zum Reden. Am Ende können Sie aus einer Schale bei den Kreuzen farbige Trostkarten mitnehmen. Neben den Trostkarten flackert eine Kerze in einer Laterne. "Die brennt immer", erklärt Christine Mauch.

Trost und Hoffnung mitnehmen

Wenn dem einen oder der anderen beim Besuch der Kirche ein Licht der Hoffnung aufgeht, freuen sich die Gemeindereferentin und ihr Team. Sie hatten bei diesem Projekt auch die Kontaktstelle Trauerpastoral im Dekanat Allgäu-Oberschwaben einbezogen. Bereits am ersten Freitag sei jemand zum Gespräch gekommen, der erst vor kurzem einen lieben Menschen verloren hatte, berichtet Christine Mauch.

Da habe ich mir gedacht: Allein für diese Person hat sich der Aufwand gelohnt.

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