Aktion Hoffnung

Outdoorschuhe für die Ukraine

Vom 22. bis 24. November 2023 fuhr Anton Vaas, Vorstand der kirchlichen Hilfsorganisation Aktion Hoffnung der Diözese Rottenburg-Stuttgart, mit einem Sprinter nach Drohobych in die Westukraine. Diesmal hatte er den Wagen randvoll mit nagelneuen Outdoorschuhen geladen, gespendet von einer Schuhfirma aus dem Bodenseekreis. Partner der Caritas Drohobych: Michaela Nowatschek (Schwester von Anton Vaas), Anton Vaas (Vorstand der kirchlichen Hilfsorganisation Aktion Hoffnung der Diözese Rottenburg-Stuttgart), eine Ärztin des Gesundheitszentrums der Caritas Drohobych, Anna Kilas (Projektkoordinatorin Caritas Drohobych) Bild: Aktion Hoffnung

Hilfe im zweiten Kriegswinter: Anton Vaas, Vorstand der Aktion Hoffnung, brachte im November einen Transporter mit Schuhen in die Ukraine.

Vom 22. bis 24. November 2023 fuhr Anton Vaas, Vorstand der kirchlichen HilfsorganisationAktion Hoffnung der Diözese Rottenburg-Stuttgart, mit einem Sprinter nach Drohobych in die Westukraine. Diesmal hatte er den Wagen randvoll mit nagelneuen Outdoorschuhen geladen, gespendet von einer Schuhfirma aus dem Bodenseekreis, die ungenannt bleiben möchte. Begleitet wurde Vaas von seiner Schwester Michaela Nowatschek.

Genau zwei Wochen nach Kriegsausbruch in der Ukraine fand Anfang März 2022 der erste Transport von Hilfsgütern der Aktion Hoffnung statt. Bisher kamen vier Hilfsgüterlieferungen in die Ukraine zustande. Weitere vier Lieferungen wurden über Speditionen oder Partner aus der Diözese abgewickelt. Geliefert wurden Lebensmittel, Hygieneartikel, Verbandsmaterialien, Spielsachen, Textilien, Medikamente, medizinische Geräte – und diesmal Schuhe. 

„Man leistet Hilfe ein Stück weit immer auch für sich selbst.“

Wie bereits in der Vergangenheit, hatte Aktion Hoffnung-Vorstand Anton Vaas versucht, Speditionen mit dem Versand der Hilfsgüter zu beauftragen. Zum wiederholten Mal war der Transport aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Anton Vaas: „Mal sind es die hohen Kosten, mal unkalkulierbare Wartezeiten an den Grenzübergängen. Weil ich unsere Hilfstransporte in der Vergangenheit schon ein paar Mal begleitet hatte und den Ablauf sowie eventuelle Hürden vor allem an der Grenze kenne, habe ich mich bereit erklärt, den Transport diesmal wieder selbst durchzuführen.“ Vaas ergänzt schmunzelnd: „Meine Schwester wollte ihren kleinen Bruder nicht alleine fahren lassen und hat mich bei der Fahrt begleitet.“

Anton Vaas begründet seine Initiative pragmatisch: „Ich habe im Laufe der Zeit gemerkt, dass man Hilfe immer auch für sich selbst leistet. In der lähmenden Anfangsphase des Ukrainekrieges war es für mich mehr als heilsam, dem Schrecken nicht tatenlos zuschauen zu müssen, sondern selbst aktiv zu werden und Menschen helfen zu können.“ Natürlich, so Vaas, komme mit den Folgetransporten eine gewisse Routine rein und doch bleibe jede Fahrt für ihn ein „Motivationsbooster“ für seine tägliche Arbeit. Anton Vaas: “Es wird einem wieder in Erinnerung gerufen, warum es sich lohnt, für eine kirchliche Hilfsorganisation zu arbeiten.“

48 Stunden für eine gute Sache

Der Ablauf ist immer ähnlich: In den Tagen vor der Abfahrt wurde auch diesmal das Fahrzeug beladen. Am 22. November gegen 18 Uhr folgte die Abfahrt im vollgepackten Sprinter in Füssen, wo Anton Vaas mit seiner Familie lebt. Nach einer Nachtfahrt durch Österreich, die Slowakei und Polen kamen Vaas und Nowatschek am 23. November morgens an der ukrainischen Grenze an. An die vielen Stunden der Kontrollen, Zollabwicklung und Wartezeiten bis zu ihrer Ankunft am frühen Nachmittag in der westukrainischen Stadt Drohobych hat sich das Geschwisterduo gewöhnt.

„Dort haben wir die Hilfsgüter ausgeladen und uns bei einem gemeinsamen Essen im Caritaszentrum mit den Partnern zu deren Bedarf vor Ort ausgetauscht. Am frühen Abend ging es wieder in Richtung Grenze, wo wir nach rund drei Stunden erneuter Kontrollen gegen 21 Uhr in Polen waren.“  Die zweite Nacht verbrachten sie in einem Hotel in den Karparten, um am nächsten Morgen um 4:30 Uhr weiterzufahren und um 18 Uhr schließlich wieder zu Hause in Deutschland anzukommen.

Engagierte Partnerschaften von Anfang an

Durch die Vermittlung der Hauptabteilung Weltkirche im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart kam 2022 die Zusammenarbeit mit der Caritas Drohobych sowie der Diözese Sambir-Drohobych zustande. Wenige Tage nach Kriegsausbruch erklärten verschiedene Stiftungen und Privatpersonen aus der Diözese der Aktion Hoffnung sowie Textilhersteller, wie etwa der Hemdenhersteller Olymp und die Unterwäschefirma Nina von C., ihre Bereitschaft, Kleidung zur Verfügung zu stellen.

Anton Vaas: „Voraussetzung war, wir haben Partner in der Ukraine zur bedarfsorientierten Verteilung.“ Innerhalb einer knappen Woche organisierte die Aktion Hoffnung ihren ersten Hilfstransport. Vorstand Vaas hatte zunächst an zwei Sprinter gedacht. Die Idee zog jedoch immer weitere Kreise nach sich und löste eine enorme Spendenbereitschaft aus, sodass der Konvoi bis zum Start auf 13 Fahrzeuge anwuchs. Noch heute ist Vaas von der grenzenlosen Solidarität der Menschen beeindruckt: „Das war eines meiner beruflichen Highlights.“ 

Hilfe, wo Hilfe dringend gebraucht wird

Empfänger der Hilfsgüter sind Menschen, die von der Caritas in Drohobych betreut werden, vorwiegend Ukrainer:innen, die vor den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine in die sicheren Landesteile im Westen geflüchtet sind, aber auch Menschen, die schon vor Ausbruch des Krieges auf die Unterstützung durch die Caritas angewiesen waren.

Die gelieferte medizinische Ausrüstung wird in dem Gesundheitszentrum in Drohobych eingesetzt, wo auch die Medikamente verteilt werden. Lebensmittel werden in Suppenküchen verwendet, Spielsachen in den Betreuungszentren für Kinder eingesetzt. Anton Vaas versichert: „Wir wissen, dass unsere Hilfsgüter direkt und unmittelbar zur Linderung der notleidenden ukrainischen Bevölkerung eingesetzt werden.“

Der Krieg ist inzwischen Alltag geworden – fast

„Weder meine Schwester noch ich sind Abenteurer, die den Adrenalinkick suchen oder spannende Geschichten erzählen möchten. Das gefährlichste an der Fahrt ist die Tatsache, dass man knapp 3.000 Kilometer im Straßenverkehr mit all seinen Gefahren unterwegs ist,“ sagt Vaas bescheiden. Was ihn nachdenklich macht, sind die Gespräche mit der Projektpartnerin vor Ort. Vaas: „Beim Essen hat sie uns erzählt, dass ihr Bruder und ihr Ehemann an der Front kämpfen. Sie ist mit ihrer 14-jährigen Tochter alleine zuhause. Und trotz der Tatsache, dass „ihre beiden Männer“ in der Ostukraine kämpfen, sagt sie, dass sie manchmal vergisst, dass Krieg ist und sich die Menschen langsam, aber sicher, an den Krieg gewöhnen.

Die Rückkehr zum Alltag sei auf der einen Seite überlebenswichtig. Auf der anderen Seite werde es für sie und unzählige andere Menschen keinen Alltag geben können, solange sie tagtäglich um das Leben ihrer Männer an der Front bangen müssen. Die Berichterstattung über den Krieg nimmt auch in den ukrainischen Medien und damit in der Gesellschaft weniger Platz ein, als zu Beginn des Krieges.

Mit Blick auf den Winter berichtet Anton Vaas von seinem eigenen Eindruck vor Ort: „Als wir im Sommer in der Ukraine waren, habe ich das Leben dort insgesamt als leichter empfunden. Vergangene Woche, als wir bei Minusgraden und einem eiskalten Wind an der Grenze standen und dann in Drohobych unterwegs waren, hatte ich den Eindruck, dass die Kälte, die Dunkelheit und die graue Umgebung den Menschen mehr Kraft kostet. Mein persönlicher Wunsch ist ganz einfach und hoffentlich nicht nur eine Illusion: Ein Ende des Krieges.“

Zum Hintergrund

Die Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart ist eine kirchliche Hilfsorganisation der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die bereits seit Anfang der 1960er Jahre gebrauchte Kleidung und Schuhe sammelt, um mit den Erlösen aus den Sammlungen nachhaltige Sozialprojekte ihrer katholischen Mitgliedsverbände und von Partnern weltweit zu finanzieren. Mit den Sammlungen leistet sie einen wertvollen Beitrag zur Ressourcenschonung sowie zur Linderung von Notsituationen weltweit.

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