Pastorale Prioritäten: „Zeichen setzen in der Zeit“ 2003

Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 1 „Zeichen setzen in der Zeit“ Pastorale Prioritäten der Diözese Rotte n burg - Stuttgart Der Weg der Kirche steht unter einer Verheißung. Diese Verheißung hat ihren Grund in der Zusage Gottes in Jesus Christus, die besiegelt ist durch die Erstlingsgabe des G eistes. Gottes Geist ist schon am Werk – in der Kirche, in allen Menschen, die glauben, hoffen und lieben. Dies ermutigt zu der Hoffnung, dass Gottes Wort auch in unserer Zeit seinen Lauf nimmt (vgl. Pastorale Perspektiven). Die Verkündigung der Frohen Bot schaft vom Reich Gottes, das nahe gekommen ist, die Feier von Tod und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus und die tätige Liebe sind deshalb grundlegender Auftrag der Kirche. Dies als Gabe und Aufgabe zu sehen, fordert die Kirche ständig heraus, wenn sie auf der Höhe der Zeit und nahe am Leben sein will. Die hier vorgelegten Pastoralen Prioritäten stellen sich dieser Herausforderung. Ihnen liegt die Wahrnehmung gegenwärtiger „Zeit - Zeichen“ zu Grunde. Diese sind im Horizont des Evangeliums zu deuten und zu bewerten. Kirchliches Handeln fordert also eine Analyse der Situation von Kirche und G e sellschaft in Geschic h te und Gegenwart. Bei allem Bemühen steht das Handeln der Kirche aber immer unter der zuvo r kommenden Gnade Gottes und kann letztlich nur zeichenhaft ble i ben. Die Pastoralen Prioritäten haben nicht den Anspruch, ein vollständiger Pastoralplan zu sein. Sie geben aber Orientierung für die künftige Ausric h tung der Pastoral auf der Grundlage der Beschlüsse der Diözesansynode (1985/1986) und der verbindlichen pastoralen Konzepte der Diözese, wie z.B. „Pastorale Perspektiven“ (1992) und „Gemeindeleitung im Umbruch“ (19 97). Die vier Pastor a len Prioritäten · Geistliches Leben stärken · Den Glauben der Kirche erschließen · Anderen begegnen – Gemeinschaft und Solidarität stärken · Aufstehen für das Leben wurden entwickelt, um die vo r handenen Kräfte zu bündeln und die notwe n dig en Ressourcen effektiv ei n zusetzen.

Die Reihenfolge der Darstellung der Pastoralen Prioritäten stellt keine Gewichtung dar. Geltungsbereich der Pastoralen Prioritäten Der Bischof als Hirte und Lehrer gibt mit den Prioritäten Grundlinien für die Pastoral auf dem Territorium der Diözese Rottenburg - Stuttgart vor. Sie gelten für die pastoralen Ebenen Diözese, Dekanat, und Gemeinde sowie für alle Einrichtungen und Rechtspersonen, die unter der Leitung oder Aufsicht des Bischofs stehen.

Die Umsetzung der Prior itäten erfolgt unter Wahrung der Eigenständigkeit der Ebenen und Einrichtungen und folgt dem Prinzip der Subsid i arität. Stellenwert der Prioritäten Die Pastoralen Prioritäten sind vo r rangige und verbindliche Aufgaben für die Pa s toral der Diözese in der n ächsten Zeit. I h nen kommt im pastoralen Handeln zukünftig die Hauptaufmerksamkeit zu. Für sie sind die erforderlichen Ressourcen zu ermitteln und vorrangig zur Verfügung zu stellen. Allerdings besteht nicht automatisch ein Zusa m menhang zwischen Priorität u nd finanzieller Ressource.

Was für die Zukunft wichtig ist, beginnt zuerst in den Köpfen. Es erfordert nicht immer einen großen finanziellen Aufwand, sondern vielmehr ein zielgerichtetes Denken und Handeln. Neben den Prioritäten gibt es im pastoralen Allt ag Normalitäten, also Aufgaben, die im wesentlichen weitergeführt werden. Aufgaben, denen in Zukunft nicht mehr die bisherige Aufmerksamkeit zugestanden wird oder die aufgegeben werden, heißen Posterioritäten. Normalitäten und Posterioritäten werden im fol genden nicht benannt. Posterioritäten sind auf dem Hintergrund der Prioritäten erst in einem weiteren Schritt zu en t scheiden. Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 2 Die nachfolgenden Pri o ritäten und Handlungsziele können nicht in gleicher Weise für alle pastoralen Bereiche gelten. In der Prax is der Pastoral ist eine weitergehende Differenzierung und Konkretisierung erforderlich.

Es geht darum, die Prioritäten vor Ort situationsgerecht und kreativ umzuse t zen. Schritte zur Erarbeitung der Pastoralen Prior i täten In einem ersten Schritt wurden L eitende Perspektiven für die Prioritätenbildung formuliert. Diese wurden vom Diözesanrat am 18. Oktober 2002 verabschiedet. Auf der Basis der Leitenden Perspektiven wurden Pastorale Prioritäten und Kriterien entwickelt. Die Kriterien waren Hilfen zur Ent wicklung und dienen nun der Umsetzung der Prioritäten (siehe Anhang). Die Prioritäten wurden dann in Form von Handlungsfeldern - jetzt Handlungsziele - entfaltet.

In einem umfangreichen Konsultationsprozess wurden die verschied e nen Räte und Gremien gehört. Die Rückmeldungen der Konsultation wurden ausgewertet und signifikante Ergebnisse in das vorliegende Papier ei n gearbeitet. Evangelisierung als Grunddimension der Pa s toralen Prioritäten Das Evangelium Jesu Christi, se i ne Botschaft und sein Handeln, sind Grundlage christlichen Gla u bens. Christinnen und Christen glauben, dass das Reich Gottes durch Jesus Christus in di e ser Welt angebrochen ist. Das ist der Kern der frohen Botschaft und Grund der Dankbarkeit und Hoffnung, die sie umtreibt. Auf die Vollendung dieses Reiches warten sie und arbeiten daran mit, i ndem sie ihre persönliche Berufung leben und so die frohe Botschaf t von Gottes Heil weiter geben.

Den Pastoralen Prioritäten liegt das umfassende Verständnis von Evangelisierung zugrunde, das in der Enz y klika „Evangelii nuntiandi“ entfaltet ist: Der erste Weg der Evangelisierung ist das Zeugnis eines christlichen Leben s in der Liebe zu Gott und dem Nächsten. Menschen, in denen das Evangelium lebt , lassen in ihrer Gemeinschaft, in der Feier der Liturgie, im Umgang mit Gottes Wort , in der tätigen Nächstenliebe und auf vielfältige andere Weise die Botschaft de s Evangeliums Gestalt werden . So wirkt das Evangelium in die Gesellschaft und Kultur hinein. Evangelisieren in diesem Sinn kann eine Kirche und eine Gemeinschaft der Gläubigen nur, wenn sie selbst überzeugt ist, wenn sie überzeugend aus dem Evangelium lebt und sich diesem immer wieder neu öffnet. Evangelisi e rung ereignet sich in konkreten menschlichen Lebensfeldern. Lebensfeld er der Gegenwart Familie, Gemeinde und Gesellschaft sind wesentliche Lebensfelder von Menschen.

Das erste Lebensfeld des Menschen ist die Familie. Auch im Verlauf des Lebens bleibt sie – in wechselnder Gestalt – von zentraler Bedeutung. Ki r che engagiert s ich für Ehe und Familie. Sie kann aber nicht übersehen, dass Familie und Partnerbeziehung heute in vielfältigen Formen gelebt wird. Viele Beispiele geglückter Beziehung stehen neben der Erfahrung des Scheiterns. Diese bleibt eine nicht auszuschließende Mög lichkeit jeder menschl i chen Lebensform. Ehe und Familie stehen unter wachsenden gesel l schaftlichen Anforderungen und zunehmendem wirtschaftliche m Druck. Diese Realitäten sind Herausforderung für die Pastoral.

Christinnen und Christen leben in Gemeinden und Vereinigungen der Kirche. Auch diese sind in einem durch Mobilität und Individuali sierung geprägten Zeitalter rasanten Veränderungen unterworfen. Das kirchliche Prinzip der territorialen Zugehörigkeit etwa verliert an Bedeutung. Unübersehbar ist auch der Trend, sich nur von bestimmten Ang e boten ansprechen zu lassen, ohne eine intensiver e oder längerfristige Bindung einzugehen. Für viele Menschen ist kirchliche Gemeinschaft nur an existenziellen Wendepunkten oder in Pro b lemlagen von Bedeutung. Andere r seits sind kirchliche Gemeinden und Gruppierungen oft zu sehr in sich a b geschlossen, um e inladend zu wirken. Evangelisierung will anstiften und einladen zu verlässlichem Miteinander.

Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 3 Alles menschliche Handeln ereignet sich in gesellschaftlichem Ko n text. Unsere Gesellschaft ist durch Pluralität, aber auch durch Segmentierung und Individu a lisierung geprägt. Dennoch ist klar, dass kirchliches und christliches Handeln immer in die Gesellschaft und ihre Milieus hineinwirken muss im Sinne des biblischen Wortes vom „Salz der E r de“ . Christliches Handeln weiß sich missionarisch in e iner Umgebung, die sich scheinbar immer weniger auf Religion einlassen will. Kirche in der Mediengesellschaft Kirchliches Handeln ereignet sich in einer Welt, die wesentlich geprägt wird vo n den Informat i ons - und Kommunikationsmedien. Wiewohl Glaubenskommunikation in erster Linie durch personale Kommunikation stattfindet, wird die Wirklichkeit nur zum Teil unmittelbar und direkt wahrgenommen.

Zu einem guten Teil werden die menschliche Wahrne hmung und das Weltbild durch die modernen Kommunikationsmedien geprägt, die zunehmend den Alltag beherrschen. In dem Maße, in dem Menschen ihre Zeit mit M e dien verbringen, verringert sich die Zeit für direkte Erfahrungen. Das hat auch Fo l gen für die Kirc he: Das Bild, das Erwachsene heute von der Kirche haben, wird in erster L i nie von ihren Kindheitserfahrungen mit der Kirche bestimmt. An zweiter Stelle sind es die Medien, die dieses Kirchenbild prägen. Erst an dritter Stelle steht der direkte Kontakt zur Ki r che in den Gemeinden vor Ort. Evangelisierung vollzieht sich somit in der Spannung zwischen der unmi t telbaren Erfahrung eines Menschen und den durch die Medien vermittelten Erfahrungswe l ten. Die Kirche muss diesen gesellschaftlichen Gegebenheiten immer wieder aufs neue g e recht werden.

Sie muss sich kritisch mit der Mediengesellschaft auseinandersetzen, indem sie die Bedingungen überdenkt, wie sich Ki n der, Jugendliche und Erwachsene heute ihre Welt aneignen, und indem sie schließlich die modernen Kommunik ationsmedien nutzt, um das Evangelium zu verkünden. Die modernen Kommunikationsmedien, deren A n wendung sowie die Bedingungen unserer M e diengesellschaft sind daher als ein Querschnittsthema mitz u denken, das sich auf alle vier Prioritäten e r streckt. Deshalb sollte bei den einzelnen Prior i täten und Handlungszielen der Medienbezug mit bedacht werden. Er wird nicht jeweils g e sondert erwähnt. Aufbau des Textes und das Schaubild Ausgehend von der Grunddimension der Evangelisierung werden die vier Prioritäten mit Blick auf die Zeichen der Zeit formuliert. Die Prioritäten sind aufeinander bezogen und durchdringen sich gegenseitig – wie die drei Grunddienste der Kirche Liturgie, Verkündigung und Diakonie.

Die Kreisform des Schaubildes symbolisiert dieses Ineinander. Alle vier Prioritäten sind gleichwertig: die Reihenfolge ihrer Nennung bedeutet keine Rangfolge. Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 4 Im Folgenden werde n die vier Prioritäten b e schrieben und dann jeweils in Han d lungsziele entfaltet. Den Handlungszielen folgen Konkretionen, die freilich für jede Rechtsperson oder Einrichtung auf die Situation vor Ort noch zu interpretieren sind. Im Anhang werden schli eßlich Kriterien für die Umsetzung der Prioritäten in die Praxis genannt. Sie dienen als Hilfestellung für die Arbeit der Verant wortlichen vor Ort. Pastorale Priorität „Geistliches L e ben stärken“ Beschreibung Viele erfahren heute ihre Lebenswelt al s komplex, verworren und schwer deutbar.

Die beschleunigte Gesellschaft lässt kaum Zeit, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Ganzen zu finden. Weil aber die Seh n sucht nach dem ganzen, nach dem wahren, ja dem ewigen Leben nach wie vor in vielen Men schen lebendig ist, entsteht in ihnen ein starkes Bedürfnis nach Spiritualität. Viele Me n schen suchen heute nach einer ihr Leben tr a genden Spiritualität. Christliche Spiritualität mit ihren reichen Schätzen aus Vergangenheit und Gegenwart kann und muss den heutigen Me n schen hier erre i chen. Geistliches Leben weiß sich der Gnade Gottes verdankt und orie n tiert sich an Jesus Christus. Es ist Hören und Antwort geben auf den Ruf de s Herrn. Es schöpft aus der Heiligen Schrift und aus der reichen spirituellen Tradition. C h ristinnen und Christen leben aus dem Geist, den Jesus als Beistand verheißen hat und der ihnen i n Taufe und Firmung g e schenkt ist.

Der Geist führt sie ein in die Wahrheit des Wortes Gottes und des Evang e liums, das Jesu Weisung und seine Verkünd i gung vom Anbruch des uns nahe gekomm e nen Reiches Gottes überliefert. Christliche Spiritualität ist deshalb wesentlich auch bibl i sche Sp i ritualität. Das geistliche Leben von Christinnen und Christen findet in der Liturgie der Kirche g e meinsamen Ausdruck. Die Vielfalt des Lebens erfordert eine Vielfalt liturgischer Feiern und Formen, wobei der Feier der Euchari stie eine besondere Bedeutung zukommt. Um die Liturgie als gemeinsamen Ausdruck des christlichen Lebensvollzuges zu erschli e ßen, bedarf es eines christlich geprägten spir i tuellen Grundverständnisses des Lebens, einer guten Hinführung zu den liturgischen Formen und einer Stärkung der Kultur der L i turgie. Sie wird in verschiedenen Formen in den Familien, in den Kircheng e meinden und in den vielfältigen Gottesdiens t formen gelebt. Ein Grundsatz lautet: „Das Leben in die Litu r gie und die Liturgie ins Leben hol en“.

Wenn sich bei Christen geistliches Leben, Gotte s dienst und geisterfülltes Tun g e genseitig durchdringen, sind bzw. werden sie zum „Salz der E r de“. Handlungsziele Als Getaufte leben und die eigene Berufung entdecken Menschen darin stärken, ihre eigen e Berufung zu entd e cken und sich zu ihr zu bekennen durch ihr geistliches Leben und ihr Handeln im Alltag. Konkretionen: Die persönliche Berufung, öffentlich als Christin und Christ zu leben, unterstützen und fördern. Die Kinder und Jugendlichen, die Frauen und Männer, die sich zu einem ehrenamtlichen Dienst in der Kirche bereit erklären, schätzen und fördern. Sie darin unterstützen, ihr Charisma glaubwürdig zu l e ben . Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 5 Darum besorgt sein, dass es in den G e meinden und Gemeinschaften eine Atm o sphäre gibt, die geistliche Berufungen ane r kennt und wachsen lässt. Die Bereitschaft fördern, einen sozial - karitativen Beruf zu ergreifen.

In besond erem Maße diejenigen vorbereiten und begleiten, die sich für den Dienst als Priester, für einen anderen pastoralen Dienst oder für einen Dienst in den geistlichen Gemeinschaften und O r den berufen sehen. Die pastoralen Ämter und Dienste stärker befähigen , ein geistliches Leben zu führen und andere geistlich zu begleiten. Grundhaltungen geistlichen Lebens vermi t teln und einüben Die Bibel als Quelle des christlichen Lebens erschließen und um die geistliche Durchdringung aller L e bensbereiche b e sorgt sein. Konkr etionen: Alltagsfrömmigkeit wie religiöse Alltagskultur, Alltagsrituale und Feste , besonders in den Familien , fö r dern. Die Zeiten des Kirchenja h res feiern. Die geistliche Kultur des Sonntags fördern. Das Gebet beleben. Die leiblichen und geistigen Werk e der Barmherzigkeit pflegen.

Liturgie feiern Das Bewusstsein der Gemeinden fördern, dass Christus die Mitte der Liturgie ist und dass der Gemeinde zusammen mit den für die Liturgie besonders Verantwor t lichen die Ge s taltung obliegt. Konkretionen: Dafür Sorge tragen, dass der besondere Stellenwert der Feier der Eucharistie auch in der Qualität ihrer Gestaltung deutlich wird und die unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten genutzt werden. Das Angebot unterschiedlicher Formen von Gottesdienste n verstärken und sowohl gestufte Zugänge zur Litu r gie als auch kinder - , jugend - und familienfreundliche Gottesdienste und Feiern e r möglichen. Die Tagzeitenliturgie im Leben der Einze l nen, der Gemeinschaften und der Gemei n de erschließen, verankern und fö r dern. Die liturgischen Dienste qualifizi e ren. Die Kirchenmusik in ihren unterschiedlichen Ausprägungen fördern. Begegnungen ermöglichen, geistliche Räume und Zeiten anbieten Das Bewusstsein stärken, dass geistli ches Leben gepflegt werden muss, Begegnungen, Orte und Zeiten braucht. Konkretionen: Geistliche Zentren und Orte der Stille und des Gebetes fördern. Ordensgemeinschaften fördern und sich von ihrer geistlichen Kraft anstecken und bereichern lassen.

Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 6 Wa llfahrten für Gruppen , kirchliche Vereinigungen und Gemeinden intensivieren und als geistliches Ereignis begehen. Exerzitien, Besinnungstage und andere Formen der geistlichen Erneuerung zielgruppengerecht a n bieten. Pastorale Priorität „Den Gla uben der Kirche erschließen“ Beschreibung Mit den ebenso vielfältigen wie komplexen Veränderungen der gegenwärtigen Epoche verändern sich Wahrnehmungsmuster, Erfa h rungshorizonte, Wertesysteme, Verständni s weisen und Lebensstrategien. Die kulturell gewac hsenen Orte und Anlässe der Gla u benserschließung entsprechen oft nicht mehr den gewandelten Lebensgewohnheiten, De u tungsmustern und Alltagsrhythmen. Deshalb steht die Vermittlung zwischen den konkreten Erfahrungen, Fragen und Erfordernissen des alltägliche n Lebens und dem überliefe r ten Glauben der Kirche im Mittelpunkt dieser Priorität. Die Frage nach den bedeutenden Orten und Zeiten sowie den geeigneten Anknüpfungspunkten für die Glaubenserschließung ist neu zu bede n ken.

Der Blick richtet sich auf Kinder, J u gendliche und Erwachsene. Mehr denn je ist der Blick in besonderer Weise auf die Familie zu richten, wobei klar ist, dass Familie sich heute in vielfältigen Formen darstellt. Die religiöse „Sprachlosigkeit“ in vi e len Familien - auch in Familien, die a m kirchl i chen Leben teilnehmen - ist alarmierend. Das Glaubenswissen nimmt rapide ab. Frühere Formen, um den Alltag religiös zu deuten und den Glaube der Kirche zu erschließen, sind in Vergessenheit geraten oder entsprechen heute nicht mehr dem Lebensverst ändnis der Famil i en. Das familiäre Zusammenleben und die Erzi e hung sind für die Erfahrung des Glaubens u n verzichtbare Dimensionen. Sie legen wichtige Fundamente für die religiöse Entwicklung der Kinder. Das Zusammenleben einer Familie hat eine eigene gei stliche Qualität. Hier ist religiöse Erfahrung auf vielfältige Weise möglich. So kann die Familie zum ersten Lernort des Glaubens werden. Das Evangelium kann bei Krisensituationen und Brüchen in Familien hilfreich und entlastend wirken. Im Blick stehen bes onders die famili ä ren Beziehungen: die Partnerbeziehung, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, Großeltern und Enkelkindern, aber auch die Beziehu n gen ins soziale Umfeld.

Den Eltern und Erzi e henden in Kindertagesstätten, Vorschule n, Schulen, Heimen etc. kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu, zu der sie befähigt und bei der sie unterstützt werden müssen. Kindern und Jugendlichen soll dort, wo sie leben, im Miteinander der Glaube erschlossen werden. Sie sollen erfa h ren und le rnen wie es ist, in einer Gemei n schaft der Glaubenden zu leben. Die Sakramente sind uns von Gott zu unserem Heil geschenkt. Die lebendige Feier der Sakramente gehört daher zum Wesen der Kirche. Diese Priorität führt in besonderer Weise das Anliegen der Diözesansynode „Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation“ (1985/1986) weiter. Sie versucht sie auf die zeitgemäßen Erfordernisse hin zu konkretisi e ren und auch den wachsenden Bedarf an Glaubenserschließung für Erwachsene au f zugre i fen. Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 7 Handlun gsziele

Die Familie als Lernort des Glaubens stärken In der Familie als erstem Lernort des Glaubens die Sensibilität für die religiöse Dimension des Lebens fördern. Konkretionen: Entwickeln und Deuten von Alltagsritualen, Feiern von Festen in den Familie n und bewusstes Erleben des Kirchenjahres. Familien befähigen, Konflikte im christlichen Miteinander auszutragen. Im Familienalltag Schuld erkennen und Vergebung erfahren. Mit Kindern den Glauben leben und entdecken Kinder und Erwachsene sollen gemeins am Zeiten und Wege erl e ben, wo Glaubensfragen aufbrechen und Erfahrungen im Glauben möglich werden. Konkretionen: Die Katechese für und mit Kindern als Katechese für und mit Eltern bzw. Erziehenden verstehen und entwerfen. Eltern und Erziehende zur gei stlich - religiösen Begleitung der Kinder befähigen und sie dabei unterstützen. Die religiöse Erziehung in katholischen Kindertagesstätten, kirchlichen Einrichtungen und im Religionsunterricht fördern. Mit den kommunalen Kind ertagesstätten den Dialog suchen mit dem Ziel, die religiöse Dimension stärker in den Blick zu nehmen. Jugendl i chen Zugänge zum Glauben eröffnen Jugendlichen Inhalte und Ausdrucksformen des Glaubens vermitteln. Sie dabei mit ihrer eigenen Spiritualität u nd Religiosität als Subjekte der Glaubenserschließung wahr - und ernst nehmen. Konkretionen: Jugendliche bei neuen Formen von Spiritualität begleiten.

Jugendarbeit verstärkt als Angebot für Lernerfahrungen in der Gemei n schaft der Glaubenden konzipieren. Junge Christinnen und Christen befähigen und ermutigen , ihren Auftrag zur Mitgestaltung von Gesellschaft und Kirche wahrzunehmen. Jungen Menschen Möglichkeiten zur Begegnung bieten. Den Religionsunterr icht in allen Schularten stärken und weiterentwickeln und die Verbindung zur Katechese der Eltern und der Gemeinden unterstützen . Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 8 Erwac h sene im Glauben bilden E r wachsene befähigen, sich mit Lebensfragen und Lebensaufgaben aus der Pe r spektive des Glaubens auseinander zu setzen. Erwachsene für ihre Vo r bildfunktion und ihre Erziehungsaufgabe im Glauben qualif i zieren.

Konkretionen: In der Bildungsarbeit die aktuellen Alltagsfr a gen und Themen in christlicher Perspektive aufgreifen und zu geistige r Auseinande r setzung bef ä higen. Menschen an die diakonische Dimension des Glaubens heranführen und sie in ihrem diakonischen Handeln unterstützen . Durch Bildungsarbeit in besonderem Maße ehrenamtliche Mita r beiterinnen und Mitarbeiter qualifizieren. E rwachsene , besonders auch ältere Menschen , zur Kommunikation ihres Glaubens untereinander ermut i gen und sie befähigen, Kinder und Jugendl i che an ihren Lebens - und Glaubenserfa h rungen teilhaben zu lassen. Durch profilierte Erwachsenenarbeit den Glauben erschließen und ihn für den Alltag und das L e ben der Menschen fruchtbar machen. Die Sakramente lebendig feiern Die Feier der sieben Sakramente zeitgemäß vorbereiten und gestalten, damit ihre B edeutung und ihr Bezug zum Leben sichtbar und erfahrbar werden. Konkretionen: Den Glaubensweg der Kinder und Jugendlichen als einheitlichen Initiationsprozess gestalten. Die Sakramente Taufe, Versöhnung, Eucharistie und Firmung als Knotenpunkte auf diese m Weg erfahrbar machen.

Die Zeiten zwischen den Initiationssakramenten als fruchtbare Zeiten für den Glaubensweg nutzen. Das Erwachsenenkatechumenat als Lebensweg neu entwe r fen und vermitteln. Dieses der wachsenden Zahl von Menschen, die nicht getauft si nd, immer wieder anbieten. Paare auf die Ehe vorbereiten und das Ehesakrament deuten als gemeinsames Leben aus Gottes Kraft . Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 9 Pastorale Priorität „Anderen begegnen - Gemeinschaft und Solidarität stärken“ Beschreibung In der Kirche, in ihren Gemeind en und Vereinigungen , finden sich Menschen zusammen, die jeweils aus unterschiedlichen Kontexten ko m men.

Verschiedene Lebenswelten und Anschauungen vom Leben treffen ebenso aufeinander wie unterschiedliche B e gabungen und Interessen, Erfahrung en und Prägungen, Berufe, Lebensstile und Kulturen. Diese Verschiedenheit gilt es wahrzunehmen und zu respektieren, denn sie macht Reichtum und Vielfalt von Kirche aus. Sie bietet Anknüpfungspunkte für Bege g nung, gegenseitige Bereicherung und Hilfe. Geli ngen kann dies durch eine Kultur des Di a logs, die gekennzeichnet ist durch hohe Sensibilität, Aufgeschlossenheit für Neues und eine angemessene Sprache. Diese Kultur kann sich dort entfalten, wo Me n schen einander an ihrem Leben und an ihrem Glauben, an ihr em Leiden, Scheitern und S u chen, aber auch an ihrer Freude und Hoffnung Anteil geben und aneinander Anteil nehmen. So wird der einzelne in seiner Identität gestärkt und erfährt sich als Teil einer Gemeinschaft.

Diese Gemeinschaft macht gerade in ihrer Vi el gestaltigkeit die Einheit sichtbar, in der Menschen verschi e denster Herkunft miteinander verbunden sind. Einheit gründet im Heilsdialog des dreifaltigen Gottes, der in Jesus Christus von sich aus Gemeinschaft mit allen Menschen gestiftet hat. Als Zeich en und Werkzeug dieser Einheit Gottes mit allen Me n schen wird Kirche dort erfahrbar, wo es ihr gelingt, das alle menschliche Beziehungen durchwirkende Geheimnis Gottes zu deuten und ihre eigenen Grenzen auf die größere Gemeinschaft aller Menschen hin zu üb e r schreiten. So wird L e benskultur im kirchlichen Raum geprägt und kann von dort aus in die Gesellschaft hineinwi r ken.

Zu den unverzichtbaren Lebensvollzügen der Kirche gehört deshalb die Begegnung mit Fremden, der Dialog mit Menschen, die and e ren Kulturen und Religionen angehören, sowie die Weggemeinschaft mit allen, die auf der Suche nach Orientierung in ihrem Leben sind. Schließlich will die Kirche die Zeichen der Zeit deuten und den Menschen in ihren jeweil i gen Lebenskontexten nahe sein. Hand lungsziele Lebenssituationen wahrnehmen, Begegnung suchen Kirchliche Praxis so weiter entwickeln, dass sie auch angesichts der Vielfalt heut i gen Lebens und Zusammenlebens g e meinschaft s stiftend wirkt. Konkretionen: Offene und vorurteilsüberwindende Bege g n ungen mit Menschen aus anderen L e benszusammenhängen und Kulturen e r möglichen. Bereit sein, von ihnen zu lernen und ihnen uns e ren Glauben zu erschließen.

Menschen in unterschiedlichen Lebensformen wahrnehmen, ihnen begegnen und sich mit ihnen auseinanderse tzen. Besondere Aufmerksamkeit legen auf die Begegnung mit Menschen, die an existe n ziellen Punkten ihres Lebens stehen und sie angemessen b e gleiten. Auch der Kirche Fernstehende wahrnehmen, auf ihre Anliegen eingehen und den Dialog mit ihnen au f nehmen. Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 10 Gemei n schafts - und Solidaritätsformen entwickeln und erneuern Kirche als Ort verschiedener Gemeinscha f ten verstehen , diese Gemeinschaften fördern und deren Kommunikation stärken. Konkretionen: Das Zusammenleben der Kirc hengemeinden in den Seelsorgeeinheiten, insbesondere auch mit den G e meinden für Katholiken anderer Mutte r sprache, als gemeinsames Anliegen wahrnehmen und aktiv gestalten. Zusammenwirken von G e meinde – und Kategorialseelsorge verstärken.

Begegnungen zwisch en den Generationen initiieren und fördern. Ehrenamtliche in ihrem Engagement wü r digen, stärken und begleiten und Eige n veran t wortung ermöglichen. Formen der Partizipation und Mitwirkung fördern . Weltkirchliche Kontakte ausbauen Die katholische Kirche als Weltkirche wahrnehmen und erleben. Konkretionen: Partnerschaftliche Formen der Zusa m menarbeit mit Ortskirchen in aller Welt fördern und weiter entwickeln. Wechselseitige Kontakte und persönliche Begegnungen auf allen Ebenen pflegen und vertiefen. S pirituelle und pastorale Erfahrungen au s tauschen. Impulse aufgreifen und für den jeweils eigenen Lebenskontext erschließen. Ökumene leben Die Vielfalt der weltweiten Christenheit als Bereicherung erfahren. Die geistliche Gemeinschaft, das geschwi s terlich e Verhältnis, die Zusamme n arbeit und gegenseitige Hilfe zwischen den Ki r chen fö r dern.

Konkretionen: Bei der Sorge um die Einheit der Christen die bereits vorhandenen Gemeinsamkeiten wah r nehmen und vertiefen. Die noch vorhandenen Unterschiede wahrnehmen u nd Trennendes nach Krä f ten überwinden. Die Situation konfessionsverbindender Ehen als pastorale Herausforderung aufgreifen. In unserer säkularen Gesellschaft ein g e meinsames Zeugnis christlichen Glaubens geben und den christlichen Auftrag im ö f fentlichen Leben g e meinsam vertreten. Den interreligiösen Dialog suchen Im Dialog mit Menschen anderer Religion die Verbundenheit in der Suche nach dem letzten Grund und Sinn des Lebens erkennen. Konkretionen: Sich auf grundlegende Werte verständigen und das Bemü hen um eine menschenwürd i ge Gestaltung des Lebens ve r stärken. Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 11

Am jeweiligen Ort und unter den Bedingu n gen, die dort möglich sind, den Dialog zw i schen den Religionen führen und in ko n kreten Initiativen e r proben. Den interreligiösen Dialog so gestalten, d ass er als Beitrag zum Frieden in unserer Gesellschaft und zwischen den Völkern dient. Pastorale Priorität „Aufstehen für das Leben“ Beschreibung Das Leben des Menschen in seiner einzigartigen Würde ist der menschlichen Verfügungsmacht entzogen. Dies e Grundüberzeugung wird heute besonders in Bezug auf Beginn und Ende des Lebens immer wieder in Frage gestellt.

Es geht darum zu klären, was der Mensch darf und was nicht. Auch in anderer Hinsicht sind Menschen lebensfeindlichen Entwicklungen und Einflüssen ausgesetzt: durch Armut, Arbeitslosigkeit, Aus grenzung, und Gewalt. Kinderreiche Familien genießen wenig gesellschaftliche Wertschätzung und tragen ein hohes Armutsrisiko. Der christlich - jüdische Glaube bezeugt, dass Gott das Leben schenkt. Der Mensch lebt nicht aus sich selbst und nicht für sich selbst. Er verdankt Gott sein Dasein. Gott ist der Schöpfer der Welt und der Herr des Lebens. Die Menschen sind beauftragt, die Ge s taltung des Lebens auf ihn auszurichten und die Schö pfung zu hegen und zu pflegen. Christliche Überzeugung verlangt daher das Aufst e hen für einen menschenwürdigen und gotte s fürchtigen Umgang mit dem Leben und der gesamten Schöpfung. Christen und Christinnen haben Ehrfurcht und Respekt vor dem geschenkten Le ben. Heute ist dieser Respekt insbesondere auf Lebensanfang und Lebensende hin zu bedenken und zu bezeugen.

Nicht nur am Anfang ist dieses Leben auf vielfältige Weise eingeschränkt und bedroht. Im Glauben an Jesus Christus, der der Freund des Lebens ist, treten Christinnen und Christen für die Menschenwürde in allen Phasen des Lebens ein. Christliche Solidarität gilt allen Menschen, insbesondere den Bedrohten und Leidenden. Aufstehen für das Leben heißt auch Verantwortung wahrzunehmen für die Schöpfung. Die Verantwortung für Mensch und Schö p fung lässt Christinnen und Christen zurückschauen in die Geschic h te, in die kulturelle und religiöse Tradit i on, um dort Kraft zu schöpfen. Sie schauen aber auch voraus und suchen verlässliche Lebensmö g lichkeiten für d ie, die nach ihnen leben. Handlungsziele Für die unantastbare Würde des Menschen eintreten. Anwaltschaftlich einstehen für das Leben des Menschen von Anfang an. Durch öffentliches, gesellschaftliches Engag e ment, durch Beratung, Begle itung und U n terstützung a l ler Art aufstehen für das Leben.

Konkretionen: Christliche Grundüberzeugungen in die bioethische Debatte einbringen. Eintreten für das Lebensrecht der Ungeborenen. Frauen und Männer bei der Entscheidung für das Leben auch in Konfliktsituationen beraten und begleiten. Die öffentliche Debatte durch Bildungsarbeit mitgestalten. Sich an politischen Willensbildungsprozessen beteiligen. Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 12 In Ethikkommissionen und entsprechenden Arbeitskreisen mitarbeiten . Sich mit Entwicklung en in Medizin und Gesundheitswesen auseinandersetzen. Für Pflegeberufe werben und sich für deren höhere gesellschaftliche Anerkennung einsetzen. Kranke und Pflegebedürftige seelsorgerlich begleiten. Pflegende Familienangehörige fördern und unterstützen. Eintreten für eine Stärkung des Palliativgedankens und des Ausbaus der Palliativm edizin in kirchlichen, privaten und öffentlichen Krankenhäusern. Sterbende in ihrer Würde wahrnehmen und sie begleiten. Gruppen und Einrichtungen der Sterbebegleitung (z. B. Hospiz) fördern.

Trauernde begleiten. Für Menschen mit Behinderung und au sgegrenzte Menschen eintreten Menschen mit Behinderung, psychisch kranke und ausgegrenzte Menschen als Subjekte ihres Lebens wahrnehmen und achten, ihre Anliegen aufgreifen. Sie in ihren je eigenen Situati o nen unterstützen, in ihren spezifischen F ä higkeite n fördern und sie bei ihrer Partizipation am Leben der Kirche und der Gesellschaft unterstützen. Behindertenarbeit auf allen Ebenen unterstützen und in die Pastoral integrieren. Konkretionen: Sich durch die Begegnung mit Menschen mit Behinderung bereicher n lassen und von ihnen lernen. Ihren Angehörigen besond e re Aufmerksamkeit und Hilfe g e ben. Menschen am Rande der Gesellschaft wahrnehmen und für sie eintr e ten . Ehe und Familie stärken Ehe und Famil ie als Keimzelle und Lernort gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens stärken.

Konkretionen: In Kirche, Gesellschaft und Politik darauf hinwirken, dass die Familien sich und ihre Kräfte besser entfalten und zur Geltung bringen kö n nen. Von der Politik entschieden eine stärkere Förderung von Ehe und Familie einfordern. Freude an Kindern in Gesellschaft und Kirche, in Ehe und Familie fördern, familienfreundliche Strukturen weiterentwickeln. Sich für kinderreiche Fa milien einsetzen und ihren Beitrag für die Zukunft der Gesellschaft wertschätzen. Familien bei Bedarf helfend und beratend begleiten, insbesondere an Lebenswenden und in schwierigen Situationen. In den Gemeinden und kirchlichen Vereinigungen die wiederve rheirateten Geschiedenen zur Gemeinschaft und Mitarbeit einladen.

Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 13 Sich für die Würde der menschlichen Arbeit einsetzen Die gegenwärtigen Entwicklungstendenzen in der Arbeitswelt und deren Konseque n zen für die familiären und sozialen Bezi e hungen wahrnehm en und darauf reagieren. Konkretionen: Christinnen und Christen darin stärken, die Berufs - und Arbeitswelt nach den Prinzipien der christlichen Soziallehre mitzugestalten. Das Bewusstsein dafür schärfen, dass Arbeit mehr ist als Erwerbsarbeit und sich f ür eine Aufwertung von nicht vergüteter Arbeit einsetzen (z.B. Familienarbeit, ehrenamtliches Engagement). Die Seelsorge in der Arbeitswelt als D ienst einer zeitgemäßen Pastoral unterstützen und auch als gemeindliche Aufgabe wahrnehmen.

Kontakte zu Bet rieben und Betriebsangehörigen suchen. Zur Mitwirkung in Betriebs - und Personalräten motivieren. Unternehmer und Unternehmen bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortung begleiten. Solidarisch sein mit Arbeitssuchenden, die gegen ihren Willen vom Arbeitsmar kt ausgegrenzt werden. Sich für sie auch politisch einsetzen. Anwaltschaft übernehmen für die Verlierer der Entwicklungsprozesse in der Arbeit s welt. Sich für Arbeits - und Ausbildungsplätze einsetzen und als Kirche verstärkt ausbilden. Kirchliche Umstr ukturierungsprozesse mit sozialem Verantwortungsbewusstsein, Phantasie und Flexibilität gestalten. Solidarität in globalem Horizont üben – Option für die Armen Soziale Verantwortung im lokalen und im globalen Horizont wah r nehmen . Konkretionen: Sich dafür einsetzen, dass Menschen unter menschenwürdigen Bedingungen und in g e rechten Strukturen leben können. Anwaltschaft üben für jene, die keine Stimme haben gegenüber den Mächtigen. Sic h für eine gerechte internationale Rechts - und Wirtschaftsordnung einsetzen. Sich für die Lebenschancen der künft i gen Gener a tionen einsetzen. Für Frieden und Gerechtigkeit eintreten, insbesondere in Spannungsgebieten. Der Praxis der Gewalt durch eine K ultur der Gewaltlosigkeit begegnen. Sich für Versöhnung einsetzen. Zum Wohl der Schöpfung ha n deln Nachhaltiges Handeln im persönlichen Lebensbereich sowie in Kirche und Gesellschaft stärken. Konkretionen: Verbrauch von Energien und natürlichen Ressourcen reduzieren.

Die Erzeugung und Nutzung regenerativer Energien fördern . Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 14 Nachhaltige Landwirtschaft und Erzeugung gesunder Lebensmittel einfordern. Teilnahme von Geme inden und kirchliche n Vereinigungen am Programm „Kirchliches Umwelt - und Nachhaltigkeits management“. Soziales Leben mitgestalten An der Gestaltung einer Gesellschaft mitwirken, die human, sozial, wahrhaftig, lebensfördernd, sinnstiftend un d hof f nungsgebend ist. Konkretionen: Das Wächteramt wahrnehmen in den gegenwärtigen dynamischen Umgestaltungsprozessen der Welt. Anwaltschaft ausüben, dass das soziale Leben in der Gesellschaft geprägt bleibt von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Kultur mitgestalten

Die Bedeutung der Kultur als Lebensäußerung einer Gesellschaft begreifen, sie wertschätzen und von einem christlichen Standpunkt her mitgestalten. Konkretionen: Kunst und Kultur als Ausdruck heutigen Lebensgefühls und der Lebenspersp ektiven unserer Gesellschaft erkennen. Sich von Kunst, Musik und Literatur für eine lebendige Aneignung und Weitergabe unserer Tradition herausfordern und inspirieren lassen. Rottenburg, den Dr. Gebhard Fürst Bischof Zeichen setzen in der Zeit – Pastorale Prioritäten der Diözese Rottenburg - Stuttgart 15 Anhang Kriterien für die Umset zung der Pastoralen Prioritäten Für die Umsetzung der Prioritäten ist es wichtig, dass alle Verantwortlichen in der Diözese ihre Entscheidungen an den nachfolgenden Kriterien ausrichten. Sie sollen Grundlage der Planung und Reflexion sein und zu einem Pr ozess der Selbstvergewisserung beitragen.

Inhaltliche Kriterien · Wir beachten die Evangelisierung als grundlegende und alle Pastoral durchzi e hende Perspektive. · Wir wollen die Lebenssituationen der Menschen heute wahr - und ernstnehmen und fragen, wie Gott sich darin mitteilt. · Wir fördern Beziehungen und ermöglichen Begegnungen, in denen das Evangelium zum Tragen kommt. · Wir wollen unserem Handeln in Kirche und Gesellschaft ein geistlich stärkeres Profil verleihen. · Wir entdecken Stärken und Potenziale ei nzelner Christinnen und Christen und fördern ausdrücklich deren Eigenkräfte. · Wir wollen das ehrenamtliche Engagement der Christinnen und Christen in den Gemeinden und Einrichtungen fördern und ihnen Raum zur eigenverantwortlichen Gestaltung geben. · Wir b eachten die Prinzipien der kathol i schen Soziallehre, insbesondere das Subsidiarität s prinzip. Strukturelle Kriterien · Wir streben „qualitative Präsenz“ an. Wir fragen, wo die Kirche ein flächendeckendes Angebot machen muss und wo sie mit exemplarischen Ang eboten ihrem Auftrag eher entsprechen kann. · Wir müssen die Relation von Aufwand und Ergebnis (Effizienz) neu bedenken, ohne in einen Machbarkeitswahn zu verfallen. · Wir hinterfragen Doppelstru k turen mit dem Ziel, sie abzubauen. Wir suchen Kooperationspart ner in und außerhalb der Kirche. · Wir fördern Nachhaltigkeit und achten besonders auf das, was auch langfristig wirkt. · Wir streben eine effiziente und effektive Ve r waltung an, die der Pastoral dient.