Auf dem Weg zur Klimaneutralität in ihrem Zuständigkeitsbereich bis ins Jahr 2040 setzt die Diözese Rottenburg-Stuttgart unter anderem auf den Ausbau von Photovoltaik (PV). Eine Schlüsselrolle kommt dabei der im April 2024 gegründeten „DRS regenerative Energie GmbH“ (DRS-E) mit Sitz im Bischöflichen Ordinariat in Rottenburg zu. Sie soll den Solar-Ausbau auf kirchlichen Gebäuden vorantreiben und bis Ende 2028 – so ein erstes Etappenziel – 199 PV-Anlagen neu installieren.
Zwei Jahre Arbeit
Nach rund zwei Jahren Arbeit ziehen Stefan Edele und Bernd Schorpp, die beiden Geschäftsführer der DRS-E, eine gemischte Halbzeitbilanz: So seien PV-Anlagen ein wirksames Instrument auf dem Weg zur Klimaneutralität – allerdings zeige es sich, dass ihre Planung und Errichtung mehr Zeit beansprucht als ursprünglich erwartet, stimmen Edele und Schorpp überein. Dennoch halten es die beiden Geschäftsführer für realistisch, das anvisierte Etappenziel bis Ende 2028 zu erreichen, sofern sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht zu Lasten des Geschäftsmodells verändern. Demnach beauftragte die DRS E in den vergangenen 24 Monaten den Bau von 25 PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1.319,77 kWp, was einer Einsparung von 7.706 Tonnen CO-2 entspricht. Errichtet wurden die Anlagen auf einem Familienzentrum, einem Freizeitheim, auf drei Gemeindehäusern, vier Kindergärten, 15 Kirchen und auf einem Pfarrhaus. „Diese 25 Anlagen bilden jedoch nur einen Bruchteil der bisher geleisteten Arbeit ab, denn insgesamt gibt es diözesanweit rund 165 projektierte PV-Anlagen“, sagt Schorpp.
In so gut wie allen Dekanaten
Bei der Umsetzung vor Ort in den Kirchengemeinden arbeitet die DRS-E Hand in Hand zusammen mit Armin Biesinger, dem diözesanen Photovoltaik-Koordinator und Klimaschutzmanager beim Bischöflichen Bauamt. „In so gut wie allen unseren 25 Dekanaten gibt es mittlerweile PV-Projekte“, stellt er erfreut fest und sieht darin bloß einen Anfang: „Das Thema Photovoltaik kommt verstärkt auf uns zu“, ist sich Biesinger sicher. Denn selbst wenn sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen verändern und die Stromeinspeisung ins Netz künftig nicht mehr vergütet werden sollte, sei die Errichtung einer PV-Anlage zum Eigenverbrauch des erzeugten Stroms, beim Betrieb einer Wärmepumpe oder in Kombination mit E-Mobilität aus seiner Perspektive wirtschaftlich und strategisch weiterhin zu empfehlen und ökologisch ohnehin sinnvoll.
Geltende Gesetzespflicht
Hinzu komme das diözesane Programm „Räume für eine Kirche der Zukunft“ mit dem Ziel, den beheizten, nicht-sakralen und kirchensteuerfinanzierten Gebäudebestand der Kirchengemeinden um 30 Prozent zu reduzieren. Dadurch soll der verbleibende Gebäudebestand bis 2040 klimaneutral saniert werden können und auch vor diesem Hintergrund gebe es in immer mehr Kirchengemeinden Überlegungen für den Bau einer PV-Anlage auf den zu erhaltenden Gebäuden, sagt Biesinger. „Und dann gibt es in Baden-Württemberg noch die geltende Gesetzespflicht zur Installation einer Photovoltaik-Anlage bei Neubauten oder einer grundlegenden Dachsanierung. Das gilt auch für die Sakralbauten in der Diözese“, betont Biesinger.
Entscheidung sehr leichtgefallen
Mit Unterstützung der DRS-E wurde so beispielsweise eine PV-Anlage auf dem Dach der Kirche St. Petrus in Tamm im Dekanat Ludwigsburg errichtet. Wolfgang Ernst, Gewählter Vorsitzender des Kirchengemeinderats St. Petrus, erinnert sich, dass die DRS-E mit ihrem Angebot „offene Türen“ in der Kirchengemeinde eingerannt hat und erläutert, warum das so war: Vor mehr als zehn Jahren, sagt er, habe es nach einer Sanierung des Kirchenflachdachs schon einmal die Überlegung in Tamm gegeben, eine PV-Anlage zu installieren – damals noch in Eigenorganisation und genau darin bestand letztlich das Hindernis. „Denn das Kümmern um den Betrieb der PV-Anlage für die ganzen 20 Jahre Vertragslaufzeit, das war uns einfach zu viel“, erinnert er sich. Nach Gründung der DRS-E, die den Kirchengemeinden sämtliche administrativen und operativen Aufgaben im Zusammenhang mit dem Betrieb der Solarkollektoren abnimmt, sei die Entscheidung für eine PV-Anlage dann jedoch sehr leichtgefallen, hält Ernst fest, der gleichzeitig auch Aufsichtsrat der DRS-E ist. Deren Geschäftsführer Edele erinnert in dem Zusammenhang: „Unser Geschäftsmodell erlaubt es, PV-Anlagen in den Kirchengemeinden zu bauen und gleichzeitig vor Ort den Aufwand für Haupt- und Ehrenamtliche zu minimieren. So kann sich jede Kirchengemeinde am Erreichen der Klimaneutralität beteiligen, es wird aber niemand vor Ort belastet.“
Fachlich sehr gut
Das bestätigt auch Franz Hipp, Kirchenpfleger in der Gemeinde St. Johannes Evangelist Warthausen im Dekanat Biberach. Ähnlich wie in Tamm fiel auch dort die Entscheidung für eine PV-Anlage auf dem Dach der denkmalgeschützten Kirche, nachdem die DRS-E vor rund zwei Jahren ihre Tätigkeit aufgenommen hatte. Auch in Warthausen sei es der Gemeinde bei dem Projekt „am allerwichtigsten gewesen“, einen verlässlichen Ansprechpartner zu haben, der sich, während der 20 Jahre Vertragslaufzeit darum kümmert, dass alles reibungslos funktioniert. „Wir geben unser Kirchendach für die PV-Anlage und haben dann keine Arbeit mehr damit“, bringt Hipp die Überlegungen auf den Punkt. Was die Optik des historischen Kirchengebäudes betrifft, auf dessen Dach die PV-Anlage zwischenzeitlich Strom produziert, sei in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt „alles fachlich sehr gut durch Photovoltaik-Koordinator Armin Biesinger gelöst“ worden und die Stromausbeute heute sei ebenfalls sehr gut, freut es den Kirchenpfleger. In Tamm wiederum wird aufgrund der guten Erfahrungen mit der DRS-E darüber nachgedacht, eine weitere PV-Anlage auf einem Gemeindehaus zu installieren, berichtet Ernst.






