Pilgern

Pilgernde beten im Gehen

Vor der Gruppe Oehler mit Pilgerstab und ein Kreuzträger, im Hintergrund das Münster Heiligkreuztal

Egon Oehler (mit Hut und Tasche) geht den Josefspilgern voran und zeigt den Weg - Foto: DRS/Waggershauser

Am Festtag des Heiligen Josef machen sich 200 Menschen aus ganz Oberschwaben auf den Weg vom Münster Heiligkreuztal zum Zwiefaltener Münster.

"Du Beschirmer frommer Seelen, die ihr Heil dir anbefehlen", singen etwa 200 Stimmen im Münster Heiligkreuztal, "du, der Kirche Schutzpatron, fleh für uns an Gottes Thron." Gemeint ist der Heilige Josef, dessen Fest am 19. März früher sogar ein gesetzlicher Feiertag war. Den Bräutigam Marias, der den Jesusknaben auf dem Arm trägt, haben die Pilger:innen beim morgendlichen Impuls als fast lebensgroße Holzfigur vor sich, während Michael Holl eine Brücke vom Heiligen in die Gegenwart schlägt. Josef sei der, der für andere etwas tut, der Jesus annimmt und sein Herz für ihn offen hält, als er eigene Wege geht, deutet er Pastoralreferent drei ausgewählte Josefsbilder.

Michael Holl ist Vorsitzender der Frommen Josefs Vereinigung mit Sitz in Heiligkreuztal. Diese geht auf den vor zwei Jahren verstorbenen Rottenburger Domkapitular Peter Schmid zurück. Als Ergänzung zur Marienverehrung suchte der Geistliche eine Identifikationsfigur für männliche Spiritualität und entdeckte sie in Josef. "Peter Schmid hat mit einem Schreiner von hier Männertage entwickelt, bei denen ein handwerklicher Teil dabei war", erinnert sich Holl, der ihm als Erster Vorstand folgte. "Und sein Lebenselixier war das betend Gehen", ergänzt der Theologe. Die Gedanken Kind Gottes zu sein und das Herz für Gott und andere offen zu halten, gibt Holl den Josefspilger:innen an diesem Tag zum Meditieren mit auf den Weg.

Mit allerlei Anliegen und Gottes Segen unterwegs

Monsignore Heinrich Maria Burkard, Pfarrer und Leiter des Geistlichen Zentrums Kloster Heiligkreuztal, bittet um Gottes Segen für diesen Weg. Zuvor begleitet er bereits die Lieder mit der Gitarre. Und am Ziel im Münster von Zwiefalten wird er abends mit der Gruppe die Eucharistie feiern. Der Verein der Freunde und Förderer Oberschwäbischer Pilgerweg hat den Tag vorbereitet. Egon Oehler gibt nun noch letzte Hinweise. "Mein Herz schlägt Purzelbäume vor Freude", kommentiert der Diözesanrat die jährlich steigende Zahl der Teilnehmenden und das Einzugsgebiet vom Allgäu bis zur Schwäbischen Alb. "In Gottes Namen, Amen", ruft er auf dem Münsterplatz. Dann geht es los Richtung Pflummern, der ersten Raststation.

Mit gut 18 Jahren dürfte Johannes Paul Weiß aus Weingarten der jüngste Teilnehmer sein. Da er wegen einer beruflichen Neuorientierung Zeit hat, begleitet er heute seine Mutter Silvia, die bereits auf dem Oberschwäbischen Pilgerweg unterwegs war. Irmgard Arnold aus Tannheim hat an Weihnachten ihren Mann Josef verloren. "Solche Impulse tun mir einfach gut", erzählt sie. Ihre pilgererfahrene Bekannte Elisabeth Zinser hat sie überredet mitzugehen. Auf seinen Zweitnamen legt Lothar Josef Steinhauser aus Ringschnait Wert. Am Namenstag nimmt er seine Enkel und ihre Zukunft als Anliegen mit auf den Weg. Diese und andere Menschen, die sich an diesem sonnigen, kühlen Morgen aufmachen, sind heute die "frommen Seelen" aus dem Josefslied.

Die "Fromme Josefs Vereinigung" und die Castro-Ausstellung

Gegründet vom früheren Rottenburg-Stuttgarter Domkapitular Monsignore Peter Schmid macht der in Heiligkreuztal ansässige eingetragene Verein die Bedeutung des Heiligen Josef bei der Menschwerdung Gottes bewusst. Laut Schmids Nachfolger als Erster Vorstand, Pastoralreferent Michael Holl, lässt sich am Beispiel dieses Heiligen gut deutlich machen, wie Glauben geht. Anschaulich wird dies in Figuren Raul Castro, den Schmid von seiner Aufgabe im Kloster Heiligenbronn kannte. Er holte den peruanischen Künstler mit seiner Familie nach Oberschwaben, wo dieser parallel zu den 14 Kreuzwegstationen am Ende des Lebens Jesu dessen Kindheit aus der Perspektive des Heiligen Josef in 14 Stationen darstellte.

Am kommenden Sonntag, 22. März, eröffnet die Fromme Josefs Vereinigung das Wallfahrtsjahr mit einem Festgottesdienst um 9 Uhr im Münster St. Anna in Heiligkreuztal. Anschließend um 10.30 Uhr führt Michael Holl durch die Ausstellung mit den Tonfiguren von Raul Castro im Kornhaus. Bis zum 25. Oktober ist diese dann sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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