Bauprojekt

„Plan B“ mit „1A“-Ergebnis

Zukunftsorientierte, multifunktionelle Räumlichkeiten sind in dem neuen Gemeindehaus in Aalen-Fachsenfeld entstanden. Hubert Schneider, gewählter Kirchengemeinderatsvorsitzender (links), und Alexander Vogel, Vorsitzender im Bauausschuss, freuen sich über das gelungene Projekt. Foto: drs/Jerabek

Offen, einladend, multifunktional – und fit für eine Kirche der Zukunft ist das Gemeindehaus von „Herz Jesu“ in Fachsenfeld. Ein Modellprojekt.

„Es ist wichtig, dass sich die Leute mitgenommen fühlen“, sagt Alexander Vogel. Als Vorsitzender im Bauausschuss des Kirchengemeinderats von Herz Jesu in Fachsenfeld hat er „bestimmt 30-mal“ in die Tasten gegriffen – Infos verfasst, Links geteilt oder einfach Bilder online gestellt. „Man muss die Leute teilhaben lassen: wo stehen wir? was ist der nächste Schritt? – Auch wenn’s natürlich extra Arbeit ist“, ergänzt er. Arbeit gab es reichlich, aber der Erfolg des Bauprojekts Gemeindehaus und die damit verbundene Anerkennung – auch seitens derer, die es erst anders wollten – gibt ihm Recht.

Geplant – und genehmigt – war ursprünglich eine Generalsanierung des bisherigen Gemeindezentrums. Der Gebäudekomplex, dessen Baugeschichte bis ins Jahr 1934 zurückreicht, wurde für seine wechselnden Nutzungen vor allem in den 1960er und 70er-Jahren verschiedentlich erweitert und teilsaniert. Aufgrund gravierender bauphysikalischer und funktionaler Mängel und mit Blick auf strengere Vorgaben bei Brandschutz und Barrierefreiheit konnte zuletzt nicht einmal die Hälfte der 940 Quadratmeter „theoretischer Nutzfläche“ tatsächlich genutzt werden.

„Plan B“ initiiert neuen Denkprozess

Drei Kirchengemeinderatsmitglieder, die bei der Wahl 2015 frisch ins Gremium gekommen waren, setzten ein neues Nachdenken über die Zukunft des Gemeindezentrums in Gang. „Wir haben uns ‚Plan B‘ genannt – Dieter Oschwald, Hubert Schneider und ich –, als wir zu der Einschätzung kamen, dass es keinen Sinn macht, auf ein altes Gebäude ein halbseitig neues unisoliertes Dach zu setzen“, erinnert sich Vogel. Die Drei analysierten nochmals den Ist-Bestand der Gebäude und formulierten ein aktuelles Anforderungsprofil für das Gemeindezentrum. „Das war ja nicht von heute auf morgen, sondern ein Prozess, bis wir soweit waren zu sagen: wir bauen neu“, erinnert sich Hubert Schneider, gewählter Vorsitzender des KGR in Fachsenfeld. Würde es gelingen, den gesamten Kirchengemeinderat und die Gemeinde von dem neuen Konzept zu überzeugen?

Alexander Vogel erinnert an ein Zitat – es wird Antoine de Saint-Exupéry zugeschrieben –, dass, wer ein Schiff baue, nicht damit beginnen solle, Material vorzubereiten und Arbeit zu verteilen, sondern in den Herzen der Menschen die Sehnsucht nach der Ferne zu wecken. Es gelang. „Multifunktional“ sei das erste Wort gewesen, dass beim Anforderungsprofil des künftigen Gemeindezentrums aufgeschrieben wurde. Eine energetisch wirtschaftliche und behindertengerechte Bauweise – wichtigster Baustoff wurde Holz – und die Aussicht auf künftig wesentlich geringere Betriebskosten standen bei der Abwägung den höheren Baukosten des Neubaus gegenüber.

Attraktiv und variabel

Das neue Gemeindehaus ist wesentlich kleiner, aber mit seinem variablen Zuschnitt der Gruppenräume überaus durchdacht, und bietet mit einer attraktiven Gartenfläche ganz neue Möglichkeiten für Festivitäten. „Im Sommer ist das traumhaft“, schwärmt Alexander Vogel. Der Gemeindesaal ist auch als Gottesdienstraum nutzbar. Gruppen – auch von außerhalb der Kirchengemeinde –, denen das alte Gemeindehaus wegen der funktionalen Mängel ungemütlich geworden war, sind gerne wieder zurückgekehrt.

„Ihr habt’s richtig gemacht“ – dieses Kompliment von Gemeindemitgliedern, die sehr an dem alten Gebäude hingen, freut Vogel heute besonders. „Es ist immer auch ein Lernprozess, für den man auch den Blick von außen braucht“, ist er überzeugt. Und eben eine gute Informationspolitik. Seit der Einweihung 2020 seien schon Vertreter zahlreicher Kirchengemeinden zu Besuch gewesen, um sich das neue Gemeindehaus anzuschauen. Das Prädikat „Modellprojekt“ hat man sich in Fachsenfeld redlich verdient.

Weitere Informationen zum Projekt "Räume für eine Kirche der Zukunft" finden Sie hier.

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