Kirche der Zukunft

Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ – Bilanz zur Beteiligungsphase

Die Projektleitung steht hintereinander auf einer Treppe

Die Projektleitung: Wolfgang Zilk, Stefanie Oeben und Barbara Strifler (von unten nach oben). Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart/Jochen Wiedemann

Nach dem Ende der Online-Umfrage geben Stefanie Oeben, Barbara Strifler und Wolfgang Zilk (Projektleitung) im Interview erste Einblicke

Das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“

Das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ entwickelt Ideen für eine zukunftsfähige Seelsorge und rechtlich mögliche Modelle für neue Strukturen in größeren Raumschaften. Ziel ist es, dadurch die Verwaltung zu entlasten, damit wieder mehr Zeit für seelsorgerische Aufgaben bleibt. Seit Sommer wurden die Überlegungen und möglichen Strukturmodelle in Präsenz- und Onlineveranstaltungen sowie über ein Informationsvideo ausführlich vorgestellt. Die Formate vermittelten das notwendige Hintergrundwissen, um anschließend an einer Online-Umfrage teilnehmen und Rückmeldungen geben zu können.

Sie haben in den vergangenen Monaten viele Menschen über das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ informiert und dazu eingeladen, an der Online-Umfrage teilzunehmen. Gestern endete die Umfrage. Mit welcher Beteiligung haben Sie gerechnet und wie war das tatsächliche Interesse?

Wolfgang Zilk: Wir hatten keine Vergleichswerte und deshalb auch keine konkrete Vorstellung, wie hoch die Beteiligung sein würde. Doch bereits die 15 Online-Veranstaltungen, die wir von Juli bis Oktober durchgeführt haben, haben gezeigt: Das Interesse am Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ ist groß. Es kam mehrmals vor, dass sich Kirchengemeinden zum „Public Viewing“ getroffen haben, um gemeinsam an der Informationsveranstaltung teilzunehmen. Das freut uns sehr. Über 2.800 Personen haben die Umfrage genutzt und mehrere hundert Rückmeldungen sind auf anderen Wegen zu uns gelangt, etwa über E-Mails, im Rahmen von Veranstaltungen oder über Rückmeldekarten. Damit sind wir sehr zufrieden. Viele Interessierte haben uns auch geschrieben, dass sie die Möglichkeit, ihre Einschätzung abgeben zu können, sehr positiv sehen.

Welche Themen beschäftigten die Teilnehmenden am meisten? Und was haben Sie aus den Rückmeldungen mitgenommen?

Barbara Strifler: Von der Umfrage haben wir uns offene Fragen und Themen erhofft, die noch nicht bedacht worden sind, aber auf jeden Fall berücksichtigt werden müssen. Diese Hoffnung wurde erfüllt. Die so gefundenen Fragen und Themen wurden und werden kontinuierlich in Thementeams bearbeitet. Manche Fragen haben auch gleich zu einem konkreten Ergebnis geführt: So wurde die Frage aufgeworfen, ob bei einer Vereinigung durch Union nicht auch der Name der neuen Raumschaft geändert werden könnte. Diese Frage hat uns zu weiteren Klärungen veranlasst. Unser Bischof hat sich mit der BO-Sitzung beraten und nun soll bei einer Vereinigung durch Union eine Veränderung des bisherigen Namens der aufnehmenden Pfarrei und Kirchengemeinde grundsätzlich möglich sein. In vielen Rückmeldungen wurde für mich spürbar, wie sehr den Menschen das Leben ihrer Gemeinde am Ort am Herzen liegt; das ist für den vor uns liegenden Veränderungsprozess eine unglaublich wertvolle Kraftquelle. Gleichzeitig verbindet sich damit für viele verständlicherweise die Sorge, dass das je Eigene einer Gemeinde in Zukunft in einer größeren Raumschaft untergehen könnte, dass die eigene gewachsene Identität in einer großen Anonymität versinkt. Diese Sorge gilt es ernst zu nehmen. Über das aktuell diskutierte Modell der „Kirchortausschüsse“, das nach unserer Kirchengemeindeordnung ja gut möglich ist, wollen wir dem entgegenwirken. Menschen können und sollen sich auch in größeren Raumschaften weiterhin an ihrem Ort und in dem für sie wichtigen Thema engagieren können und so zu einem lebendigen Netzwerk einer Kirche an vielen Orten beitragen.

In einer Rückmeldung hieß es wörtlich: „Was bringen die Rückmeldungen, oder ist längst nicht alles entschieden, wie es werden soll?". Was entgegnen Sie dieser Sorge oder – anders gefragt – welche Rolle spielen die Rückmeldungen und Ergebnisse der Online-Umfrage für die weiteren Schritte?

Stefanie Oeben: Wenn alles schon entschieden wäre, hätten wir uns viel Arbeit sparen können (lacht). Aber ernsthaft: Wir arbeiten uns alle sehr intensiv Schritt für Schritt durch dieses Projekt: Wir als Projektleitung, natürlich die Diözesanleitung und die rund 80 haupt- und ehrenamtlich Engagierten in den Thementeams. Es ist klar, dass wir nicht jedem und jeder die Sorgen und Vorurteile nehmen können, aber viele haben durch die zahlreichen Veranstaltungen und im direkten Gespräch mit uns oder den vielen beteiligten Kolleginnen und Kollegen und Ehrenamtlichen die Erfahrung gemacht, dass alle in großer Offenheit nach möglichen Lösungen suchen. Und diese Suche ist komplex. Unsere Aufgabe als Projektleitung ist es, Informationen aus allen Richtungen zusammenzutragen, zum Beispiel auch aus anderen Diözesen, die schon weiter sind. Was wir herausfinden und erfahren, bringen wir den zuständigen Gremien, wie dem Steuerungskreis, der Sitzung des Bischöflichen Ordinariats und dem Diözesanrat, zur Kenntnis. Auch das Stimmungsbild, das aus der Umfrage hervorgeht, ist eine Erkenntnis und als solche fließt sie in die Vorlage ein, die dem Diözesanrat Ende November vorgelegt wird. In diese Vorlage fließen zudem pastorale Kriterien ein, aber auch juristische Einschätzungen und Erkenntnisse, die ein finanzielles Gutachten erbracht hat. All diese Informationen zusammen werden den Rätinnen und Räten helfen, ihr Votum auf einer soliden Informationsgrundlage abgeben zu können.

Welche Schritte stehen nach der Entscheidung des Diözesanrats an und wie werden die Kirchengemeinden eingebunden?

Wolfgang Zilk: Im nächsten Jahr starten wir im Projekt mit der Umsetzungsphase. Das bedeutet zunächst, dass in den Dekanaten überlegt wird, welche Kirchengemeinden und Seelsorgeeinheiten sich zusammenschließen und zukünftig eine neue Raumschaft bilden können. Bei diesen Überlegungen werden die Gemeinden und Seelsorgeeinheiten intensiv beteiligt. Über die verschiedenen Kommunikationskanäle - Newsletter, Website, Social Media, Veranstaltungen - werden wir fortlaufend über den aktuellen Stand informieren. Im ersten Halbjahr 2026 stehen für die Kirchengemeinden außerdem sieben Regionalkonferenzen mit Bischof Dr. Krämer an. Und für die Mitarbeitenden werden im Sommer wieder Informations- und Begegnungsveranstaltungen im Zelt beim Bischofshaus angeboten.

Ergebnisse der Online-Umfrage

Eine detailliertere Auswertung der Umfrage-Ergebnisse finden Sie auf der Projektwebsite unter seelsorge-neue-strukturen.drs.de

Zu den Personen

Wolfgang Zilk ist seit Oktober 2000 in verschiedenen Funktionen innerhalb der Diözesanverwaltung tätig. Zuletzt war er über 12 Jahre Referent für Gremienarbeit und Berichtswesen im Büro des Generalvikars und wechselte im Jahr 2024 in die Stabsstelle Entwicklung, wo er die stellvertretende Stabsstellenleitung wahrnimmt und als Referent für Organisationsentwicklung und Beschwerdemanagement wirkt.

Barbara Strifler ist Pastoralreferentin und war viele Jahre als Dekanatsreferentin in Stuttgart und Esslingen/Nürtingen tätig. Seit März 2022 ist sie Diözesanreferentin in der Hauptabteilung IV des Bischöflichen Ordinariats (Pastorale Konzeption) und dort u.a. für die Mittlere Ebene und die Unterstützungssysteme zuständig. Sie ist ausgebildete Organisationsberaterin und systemischer Coach.

Stefanie Oeben (M.A.) arbeitet seit 2013 in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie war sechs Jahre im Stiftungsbereich und sechs Jahre in der Hauptabteilung XI im Bischöflichen Ordinariat (Kirche und Gesellschaft) als Referentin im Fachbereich Führungskräfte tätig. Zuletzt war sie dort in der Projektleitung des Organisationsentwicklungsprojekts „Wirksamkeit für Morgen“.

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