Weltkirche

Projekte, die in die Zukunft tragen

Begrüßung und erstes Zusammentreffen mit der katholischen Gemeinde in Mekelle und Bischof Tesfay Medhin. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Angelika Sönnichsen

Im Rahmen der weltkirchlichen Zusammenarbeit besucht eine Delegation der Diözese Rottenburg-Stuttgart das Krisengebiet rund um das Bistum Adigrat.

Die aufgehende Sonne taucht den Himmel in apricotfarbenes Licht. Addis Adeba erwacht. Frische Morgenluft empfängt die Reisenden, die aus allen Ländern der Welt auf dem internationalen Flughafen landen. Darunter auch eine kleine Reisegruppe aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart: Bischof Dr. Klaus Krämer, Domkapitular Heinz Detlef Stäps, Leiter der Hauptabteilung Weltkirche, Juliane Hernandez, Referentin in der Abteilung Weltkirche und seit 15 Jahren zuständig für die Kontakte nach Äthiopien sowie Angelika Sönnichsen, Öffentlichkeitsarbeit. Noch sind sie nicht am Ziel des Reisetages angekommen. Dieses befindet sich im Norden Äthiopiens, rund eineinhalb Stunden Flugreise von der Hauptstadt Addis Adeba entfernt in Mekelle und anschließend in Adigrat, Bistum Adigrat/Provinz Tigray. Mit dem Auto von Addis nach Mekelle zu reisen, ist aktuell unmöglich. Zu gefährlich ist die Fahrt über Land – nur rund 60 Kilometer von Mekelle herrscht Krieg. In Mekelle jedoch ist aktuell alles friedlich – so auch in Adigrat.

Ein ermutigender Besuch und Zeichen der Solidarität

Wie wichtig der Besuch der Rottenburger Delegation in der Epachie Adigrat darum auch gerade unter den herrschenden Bedingungen ist, zeigt die Herzlichkeit des Empfangs und die große Freude über den Besuch von Bischof Dr. Krämer, Heinz Detlef Stäps und Juliane Hernandez durch das Empfangskommitee am Flughafen in Mekelle. Bischof Tesfaselassie Medhin, eine Abordnung der Daughters of Charity, der Ursuline Sisters der Salesianer sowie Dr. Atsbaha Ghebre-Selassie, Projektkordinator der Diözese Adigrat für Hilfsprojekte und langjähriger Misereor-Mitarbeiter, waren aus Adigrat und Mekelle zur Begrüßung angereist.

Für die Katholikinnen und Katholiken vor Ort ist der Besuch ein wichtiges Zeichen der Solidarität, der Liebe und vor allem der Hoffnung. Seit 2000 hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Bistum Adigrat in rund 20 Projekten unterstützt: in sozialen Programmen, Bildungsarbeit, Armenspeisung, Mütterprogramme, Wasserversorgung, Gesundheitsprogrammen, Stromversorgung und im Priesterseminar. Wie wichtig die Unterstützung ist, verdeutlicht Schwester Medhin Tesefay von den Sisters of Charity: Rund 1.2 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben in rund 140 Notunterkünften in der Region. „Nach wie vor sterben die Menschen. Es mangelt an Essen, an medizinischer Versorgung – an allem. Es geht um Leben und Tod. Frauen leiden unter den Folgen von Vergewaltigung, Menschen leben auf der Straße in unvorstellbarer Armut und unter schwierigsten Verhältnissen“.

Hintergrund

Der Bürgerkrieg

Anfang November 2020 begann der Krieg zwischen der Tigray People’s Liberation Front (TPLF) und der äthiopischen Zentralregierung im Norden Äthiopiens.

Bis 2018 war die TPLF die führende politische Kraft in der Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker (EPRDF). Immer häufiger protestierten Teile der Bevölkerung gegen die EPRDF Herrschaft. Im April 2018 wurde Abiy Ahmed (erhielt 2019 den Friedensnobelpreis für seine Aussöhnungspolitik mit Eritrea) zum Regierungschef ernannt. Er sollte für einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Volksgruppen sorgen. Nach der Übernahme begann ein Machtkampf zwischen Abiy Ahmet und der TPLF. Nachdem die 2020 geplante Parlamentswahl wegen der Corona-Pandemie verschoben wurde, bezeichnete die TPLF das Vorgehen als illegal und Tigray führte ohne Zustimmung der Regierung von Addis Abeba (Hauptstadt Äthiopiens, Regierungssitz) Regionalwahlen durch, die wiederrum Addis Abeba als illegal bezeichnete. Die TPLF erklärte sich zum Sieger der Kommunalwahl und entzog der Bundesregierung die rechtliche Zuständigkeit für Tigray woraufhin Abiy finanzielle Mittel umleiten ließ. Anfang November eskalierte der Konflikt und es begann eine bewaffnete Auseinandersetzung.

Nach Verhandlungen in Südafrika, in welchen die Afrikanische Union als Vermittler auftrat, konnte nach fast zwei Jahren Bürgerkrieg zwischen der äthiopischen Regierung und der TPLF 2022 ein formeller Frieden und Waffenstillstand vereinbart werden.

Rund 4,3 Millionen Menschen, darunter rund 23.000 Katholikinnen und Katholiken leben im Bistum Adigrat, das die gesamte Region Tigray sowie Teile der Region Afar im Norden Äthiopiens an der Grenze zu Eritrea umfasst. Von November 2020 bis November 2022 brach in der Region ein Bürgerkrieg aus, dessen Folgen bis heute spürbar sind: hunderttausende Menschen starben, mehr als eine Million wurden vertrieben.

Die Situation ist nach wie vor unsicher. „Wir sind durch die Hölle gegangen“, sagt Bischof Tesfaaselassie Medhin.

Der Begegnung mit den Menschen, die Herzlichkeit und der Mut jeden Tag auf das Neue willkommen zu heißen, wird nachhaltig in Erinnerung bleiben.

Weitere Nachrichten

Diözesanrat
Das letzte Treffen des Geschäftsführende Ausschusses des 11. Diözesanrats.
Der Geschäftsführende Ausschuss des 11. Diözesanrats kommt zu seiner abschließenden Sitzung zusammen und Mitglieder ziehen Bilanz.
Weiterlesen
Kirchenjahr
Die Personen stehen in bunten Kostümen auf der Bühne, singen und tanzen.
Was es mit den Rittern der Schwafelrunde auf sich hat und weshalb sie in der Fasnet von Altdorf-Weingarten nicht mehr wegzudenken sind.
Weiterlesen