Geschichte

Schlösser und Kirchen des Deutschen Ordens

Porträtbild von Dr. Joachim Hennze, aufgenommen im Heilbronner Deutschhof

Dr. Joachim Hennze im Heilbronner Deutschhof, der einstigen Niederlassung des Deutschen Ordens. Foto: DRS/Guzy

Der Deutsche Orden hat im Heilbronner Raum viele Bauwerke hinterlassen. Der frühere Denkmalschützer Dr. Joachim Hennze erklärt, was sie auszeichnet.

Die Deutschordenspfarrei Sankt Peter und Paul Heilbronn erinnert mit dem Festjahr „800 Jahre Deutscher Orden in Heilbronn“ an ihre historischen Wurzeln. Doch nicht nur in der Stadt finden sich mit Deutschhof und Deutschordensmünster Zeugnisse der Ordensgeschichte. An mehreren Stellen im Heilbronner Raum prägen Bauwerke, die auf den Orden zurückgehen, das Landschafts- und Ortsbild. Dr. Joachim Hennze kennt sie alle. Im Interview erläutert der pensionierte Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde Heilbronn, was dieses spezielle, kulturgeschichtliche Erbe so besonders macht.

Herr Dr. Hennze, neben dem Deutschhof in Heilbronn gibt es in der Region noch zahlreiche weitere Bauwerke, die der Deutsche Orden hinterlassen hat. Was ist für Sie das schönste?

Schön sind sie alle. Sehr schön zum Beispiel ist die Burg Horneck bei Gundelsheim, obwohl sie sehr verändert worden ist, oder das Schloss Heuchlingen, das im unteren Jagsttal malerisch auf einem Berg liegt, oder auch die Kirche des Ordens in Neckarsulm, die Dionysius-Kirche. Sie wurde im Krieg zerstört und hat heute wieder ihre alte Fassade. Innen ist sie aber mit anderen Objekten ausgestaltet worden. Man könnte meinen die Kirche ist komplett aus dem frühen 18. Jahrhundert, sie ist aber sozusagen barock „nachgerüstet“.

Wie viele Deutschordens-Bauwerke lassen sich in der Region um Heilbronn aufzählen?

Lässt man die Kleindenkmale weg, sind es bereits 47 Stück – Kleinkapellen sind dabei mitgezählt. Mit den Bildstöcken, Feldkreuzen und Marterln, die nachweislich aus der Ordenszeit stammen, sind es über siebzig.

Wovon erzählen diese Bauten uns heute?

Erstens war es damals ein Zusammenleben von wenigen Ordenspriestern und -rittern und sehr viel Personal. Nehmen wir die Horneck: Im 17. Jahrhundert gab es dort fünf offizielle Deutschordensmitglieder, aber 40 andere Personen, die dort ihre Arbeitsplätze hatten. Zweitens spielt die religiöse Volkskunst eine Rolle. An der waren die damaligen Komture des Ordens sehr interessiert. Nepomuk war der berühmte Heilige des 18. Jahrhunderts. In Gundelsheim wurde eine wunderschöne Nepomuk-Figurengruppe vom damaligen Hauskomtur des Ordens, Johann Christoph von Buseck, gebaut. Und dann sind die kleinen Pfarrhäuser und die Spitäler zu erwähnen. Wenn jemand krank wurde, hatte er Glück, wenn es ein Spital des Deutschen Ordens in seinem Ort gab.

Haben die Bauten einen einheitlichen Stil?

Nein, den gibt es nicht. Im Mittelalter wurde sparsam und praktisch gebaut. In der Renaissance und nach der Reformation wurde vieles erneuert oder erweitert. Und dann kam der Dreißigjährige Krieg: Sehr viel Bausubstanz wurde zerstört. Danach hat sich der Zeitgeschmack geändert. Es kamen Baumeister und Stuckatoren aus dem Süden und dem Osten Europas, die hier im deutschen Südwesten Fuß fassten. Sie und ihre Kollegen aus der Region haben hier solide barock gebaut – durchgängig von 1700 bis 1775.

Gibt es dann wenigstens ein Wiedererkennungsmerkmal?

Ein Beispiel sind die achteckigen Türme mit der Kuppelhaube drauf. Man sieht das zum Beispiel bei St. Dionysius in Neckarsulm oder St. Martinus in Erlenbach. Solche Dinge waren damals in Mode. Zur Innenausstattung kann man sagen: Meistens verrät sich eine Deutschordenskirche daran, dass die Statuen der Heiligen Elisabeth, Georg und Maria – die Patrone des Deutschen Ordens – zusammen zu sehen sind.

In welchem Zeitraum war die Bautätigkeit des Deutschen Ordens in der Region am stärksten?

Es fing kurz nach 1700 an und endete um 1775 – da wurde das Geld ein bisschen knapp. Also dauerte die Hochphase ein Dreivierteljahrhundert.

Wie wirkte sich das auf die Region aus?

Es bedeutete, dass es Bedarf an Arbeitskräften gab. Wenn man die alten Akten durchgeht, waren die Bauherren angehalten, Arbeitskräfte aus der Gegend zu nehmen – außer es ging um irgendwelche überregional bekannten Kunstmaler. Gebraucht wurden Zimmerleute, Schreiner, Glaser, Stuckateure. Es gibt eine Ausnahme: Für das Deutschordensmünster in Heilbronn wurde ein Spezialstuckateur aus Münnerstadt geholt, weil es hier in Heilbronn keinen gab. Die Arbeit muss sehr aufwendig und sehr teuer gewesen sein. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Preise für Handwerker im 18. Jahrhundert in Relation zu Brot, Bier, Lebensmitteln günstiger als heute waren.

Gibt es noch andere Regionen, in denen der Deutsche Orden vergleichbar aktiv war?

Der Bodenseeraum zwischen Altshausen und Mainau, einige Ecken in Bayerisch-Schwaben und Niederbayern sowie Tirol, vor allem aber Franken.

Buchneuauflage zum Jubiläum

Wer in der Region auf den Spuren des Deutschen Ordens auf Entdeckungstour gehen will, kann das Buch „800 Jahre Geschichte und Baukultur des Deutschen Ordens im Stadt- und Landkreis Heilbronn“ als Übersicht gut nutzen. Der Bildband von Bernhard J. Lattner und Joachim J. Hennze ist anlässlich des Jubiläums der Heilbronner Deutschordensgemeinde neu aufgelegt worden. Er kann über das Pfarramt von St. Peter und Paul Heilbronn bezogen werden.

Beispiele für frühere Burgen, Schlösser und Kirchen des Deutschen Ordens im Raum Heilbronn

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