Seelsorge

Seelsorge mitten im modernen Wohn- und Wissensort

Gerhard Rauscher von der Bischof-Moser-Stiftung, Pfarrer Roland Rossnagel (katholische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn), Anja Grunwald von der Evangelischen Stiftung Lichtenstern und Michael Dieterle („Kirche in und um das Stadtquartier Neckarbogen“) stehen gemeinsam im Stadtquartier Neckarbogen

Gemeinsam für die Menschen im Stadtquartier Neckarbogen: Gerhard Rauscher von der Bischof-Moser-Stiftung, Pfarrer Roland Rossnagel (katholische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn), Anja Grunwald von der Evangelischen Stiftung Lichtenstern und Michael Dieterle („Kirche in und um das Stadtquartier Neckarbogen“) Foto: DRS/Guzy

Im Neckarbogen wächst ein innovatives Quartier heran. Die katholische Gesamtkirchengemeinde will die Entwicklung ebenso zukunftsweisend begleiten.

Auf einer einstigen Brache entsteht in Heilbronn Bauabschnitt für Bauabschnitt das neue Stadtquartier Neckarbogen. Hier sollen am Ende mehr als 3000 Menschen in einem modernen Umfeld wohnen. „Da müssen wir was machen“, formuliert Pfarrer Roland Rossnagel die Überzeugung, dass auch die Kirche die Entwicklung des neuen Wohn- und Lebensorts mitgestalten und die Menschen begleiten muss. Daher hat die katholische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn das Projekt „Kirche in und um das Stadtquartier Neckarbogen“ gestartet.

„Als Kirche müssen wir für die Menschen und ihre Anliegen da sein“, sagt Michael Dieterle. Kirche müsse anschlussfähig werden und an Orten präsent sein, an denen die Menschen leben und arbeiten. Dieterle hat vor Kurzem die Projektstelle „Kirche in und um das Stadtquartier Neckarbogen“ übernommen. Bei einem Pressegespräch erläutern er und die weiteren Beteiligten, was es damit auf sich hat.

Bundesgartenschau liefert die Idee

Den Ausgangspunkt bildete die Bundesgartenschau (Buga) und das damalige Hochgefühl, wie Rossnagel erklärt. Die Buga 2019 weckte nicht nur eine positive und motivierende Stimmung in der Heilbronner Stadtgesellschaft, sondern präsentierte mit den ersten bezogenen Gebäuden die ersten Konturen des Stadtquartiers Neckarbogen.

Für dessen Bewohnerinnen und Bewohner ist Dieterle nun als Ansprechpartner da. Für ihn sei es erst einmal wichtig, zu hören, welche Bedarfe die Menschen haben, skizziert er sein Verständnis von der seelsorgerlichen Quartiersarbeit. So hat Dieterle bereits das Gespräch mit einzelnen Menschen gesucht, um zu erfahren, wie es sich im Neckarbogen lebt. Außerdem ist er in die digitale Kommunikation der Bewohnerinnen und Bewohner untereinander eingebunden.

Aufbau eines Netzwerks

Wie Dieterle weiter ausführt, möchte er ein Netzwerk zu den verschiedenen Einrichtungen im Quartier aufbauen: Eine städtische Kindertagesstätte und eine private Schule finden sich beispielsweise im Neckarbogen. Demnächst kommt ein Wohnprojekt für Senior:innen dazu.

Bereits etabliert ist der Kontakt und die Zusammenarbeit mit Anja Grunwald von der Evangelischen Stiftung Lichtenstern, die im Neckarbogen ein inklusives Café betreibt und Wohnen für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung anbietet.  Und so findet das Pressegespräch auch im Quartiersraum der Stiftung statt, wo Grunwald als Projektleitung Netzwerkaufbau Neckarbogen ihr Büro hat.

Kontakte ins Quartiersumfeld

Ganz konkret planen Dieterle und Grunwald zum Beispiel eine gemeinsame Nikolausaktion im Quartier und denken an ökumenische Gottesdienstangebote. „Es ist klasse, dass das Projekt von Anfang an ökumenisch gedacht ist“, sagt Pfarrerin Sybille Leiß, Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Stiftung Lichtenstern.

Dieterle hebt hervor, dass es im Projekttitel nicht nur Kirche „in“, sondern auch „um“ das Stadtquartier Neckarbogen heißt. Daher hat er zusätzlich die Wissens- und Innovationseinrichtungen im Blick, die in der Nähe des neuen Quartiers liegen. An erster Stelle nennt er den Bildungscampus. Denn neben seiner 50-Prozent-Stelle im Neckarbogen ist Dieterle mit weiteren 50 Prozent in der Heilbronner Hochschulseelsorge beschäftigt – für ihn bilden die beiden Stellen zwei sich ergänzende Teile.

Förderung durch die Bischof-Moser-Stiftung

Die Programmierschule 42 mit ihrem speziellen Lernmodell, bei dem es auf die Zusammenarbeit unter den Studierenden ankommt, gehört ebenfalls zum Neckarbogen-Umfeld. Dieterle will die Weltethos-Ausstellung in den sogenannten „Open Space“ – einen offenen, öffentlich zugänglichen Bereich – der Programmierschule holen. Verbindungen hat Dieterle außerdem zu den IPAI-Spaces geknüpft, dem ersten Ableger des künftigen Innovationsparks für Künstliche Intelligenz, der in Heilbronn entsteht.

Die Gesamtkirchengemeinde habe die Veränderungen in der Stadt und die Herausforderungen für die Seelsorge aufgegriffen, sagt Gerhard Rauscher. Das Vorstandsmitglied der Bischof-Moser-Stiftung der Diözese Rottenburg-Stuttgart spricht von neuen Formaten und Orten, die es in der Seelsorge brauche. „Die katholische Kirche in Heilbronn bewegt sich und wird noch offener für gesellschaftliche Herausforderungen und Neuerungen“, würdigt Rauscher das Projekt „Kirche in und um das Stadtquartier Neckarbogen“. Es ist für ihn ein Beispiel, wie durch Kreativität und Engagement an der Zukunft der Kirche gebaut werden kann. Daher fördert die Bischof-Moser-Stiftung das Projekt für drei Jahre mit insgesamt bis zu 65.000 Euro.

Für dieses sei eine Haltung der Offenheit die Grundlage, stellt Rauscher fest. Mit Offenheit für die Menschen im Neckarbogen und den weiteren Ausbau des Stadtquartiers geht Dieterle seine Aufgabe an: Wie er erklärt, will er keine fertigen Angebote aufzwingen, sondern zunächst erspüren, was im Quartier an Begleitung gebraucht wird und was sich in dem neuen Lebens-, Wohn- und Arbeitsumfeld mitgestalten lässt.

Zur Person

Michael Dieterle ist ausgebildeter Pastoralreferent. Er war zuletzt zehn Jahre lang Dekanatsreferent für das Dekanat Heilbronn-Neckarsulm. Mit seinem Wechsel zurück in die Seelsorge übernahm der 62-Jährige zeitgleich zur Projektstelle „Kirche in und um das Stadtquartier Neckarbogen“ Aufgaben in der Heilbronner Hochschulseelsorge. Da er für seine Arbeit im Neckarbogen noch nach einem passenden Büroraum sucht, ist er derzeit auch für die Quartiersarbeit in seinem Büro am Bildungscampus zu erreichen.

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