Kirchenjahr

Sehnsucht nach Frieden im neuen Jahr

„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“ - Zum Jahreswechsel und für das neue Jahr 2026 wünscht sich Organistin Daniela Sauer, „dass dieser Engel uns daran erinnert, wieviel Kraft in einem einzigen Wort liegt“: Frieden. Bild: DRS / Annika Werner

Von ihrer Sehnsucht nach einer Welt, in der sich Menschen mit Respekt begegnen, spricht Daniela Sauer. Daran erinnert sie der Engel über der Krippe.

„Hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor“, lautet eine Textzeile im berühmten Weihnachtslied, das der Priester und Pädagoge Christoph von Schmid um 1808 gedichtet hat. In der Weihnachtskrippe auf dem Schönenberg blicken die Engel vom Rahmen der Himmelskulisse auf das weihnachtliche Geschehen in Bethlehem herab; einer von ihnen trägt ein Banner mit der Aufschrift „Gloria in excelsis Deo“ – und ist die Lieblingsfigur von Daniela Sauer. „Es waren die Engel, die als erste die Geburt Jesu verkündet haben – mit einem ganz wundervollen Gesang, der endlich Frieden in die Welt bringen sollte“, sagt die dreifache Mutter, die seit ihrer eigenen Kindheit in der Gemeinde verwurzelt ist. Seit über 25 Jahren spielt sie hier Orgel und ist mit einem Team auch bei der Vorbereitung des Krippenspiels der Erstkommunionkinder und des Kinderchors Eigenzell engagiert. „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“: Wenn die Kinder „wie die Engel in der Heiligen Nacht“ diesen Satz singen, vermögen sie damit bestimmt viele Menschen zu berühren, ist sie überzeugt.

Der Engel passt zum Jahreswechsel: wenn Menschen an Silvester Bilanz ziehen nach einem vielfach so unfriedlichen Jahr; und wenn sie vielleicht einen Vorsatz fassen, im neuen Jahr selbst ein bisschen mehr zum Frieden beizutragen. „Das Wort Frieden weckt eine Sehnsucht in mir“, sagt Daniela Sauer, „die Sehnsucht nach einer Welt, in der sich Menschen mit Respekt begegnen und wo es ein Miteinander ohne Streit gibt“.

59. Welttag des Friedens

Die katholische Weltkirche beginnt das neue Jahr mit einem Hochfest, das der Gottesmutter Maria und dem Frieden gewidmet ist; jedes Jahr veröffentlicht der Papst eine Botschaft. Den 59. Welttag des Friedens hat Papst Leo XIV. unter das Motto „Der Friede sei mit euch allen: hin zu einem ‚unbewaffneten und entwaffnenden‘ Frieden“ gestellt. „Der Friede sei mit euch allen“, das waren auch seine ersten Worte als neu gewählter Papst, die er der auf dem Petersplatz versammelte Menschenmenge zurief.

Es sei wichtig, diesen „unbewaffneten und entwaffnenden“ Frieden nicht für fern und unmöglich zu halten. Mehr als ein Ziel sei der Friede etwas Gegenwärtiges und ein Weg: ein Grundsatz, der unsere Entscheidungen leite und bestimme. Friede müsse gelebte Wirklichkeit sein, ansonsten entstehe eine „Logik der Gegensätzlichkeit“. Die Wahrnehmung von Bedrohungen werde dazu genutzt, vieles zu rechtfertigen: so etwa kontinuierlich steigende Militärausgaben und den militärischen Einsatz von KI, angetrieben durch private Wirtschafts- und Finanzinteressen.

Die Gläubigen ruft der Papst dazu auf, dass „wir gemeinsam zu einem entwaffnenden Frieden beitragen“, und hebt die Tugend der Güte hervor. Denn: „Die Güte ist entwaffnend. Vielleicht ist Gott deshalb Kind geworden.“ Nichts vermöge uns so sehr zu verwandeln wie ein Kind.

Lieber zuhören als Brücken abbrechen

Leo XIV. erinnert an den heiligen Augustinus, den Gründer des Ordens, dem er angehört, der dazu aufrief, „keine Brücken abzubrechen und nicht auf Vorwürfen zu beharren, sondern lieber zuzuhören und sich, soweit möglich, mit den Argumenten anderer auseinanderzusetzen“. An seine Gemeinde schrieb der Kirchenlehrer: „Wenn ihr andere zum Frieden führen wollt, möget ihr ihn erst selbst in euch haben und in ihm gefestigt sein. Um andere zu entflammen, muss sein Licht in euch brennen.“ – Ganz ähnlich drückt es Daniela Sauer auf dem Schönenberg aus: Der Engel über der Krippe erinnere sie daran, „dass der Frieden in mir anfangen darf, und ich diesen Frieden mit einem stärkenden Wort an meinen Nächsten weitergeben kann“.

In unserer Reihe über die Krippe in der Wallfahrtskirche Schönenberg stellen Gemeindemitglieder über den Advent bis zum Dreikönigstag ihre Lieblingsfigur(en) vor.

Weitere Nachrichten

Politik
Politik auf 13 Quadratmetern macht Station beim Begegnungsraum in Stuttgart-Mitte.
Mitten in Stuttgart erprobt die Diözese ein neues Dialogformat, das für Solidarität und Teilhabe steht, und trifft damit auf großes Interesse.
Weiterlesen
Weltkirche
ein Junge repariert mit einem Mann ein elektrisches Gerät
Léon Yanda berichtet im Rahmen der Misereor-Fastenaktion davon, wie arbeitslosen Jugendlichen in Douala, Kamerun, zu einer Ausbildung verholfen wird.
Weiterlesen