Kirche

„Sei bei uns Gast“

In der umgebauten Kirche St. Johannes in Riederich.

Barbara Werner und Hermann Pfister freuen sich, dass es heute eine flexible Bestuhlung in der Kirche gibt. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Heute ist der Altar in St. Johannes ebenerdig.

Besonders wichtig war es den Verantwortlichen vor Ort, einen kleineren, ebenerdigen Altar zu schaffen, um die Liturgie näher an die Gemeinde zu bringen. Der ursprüngliche Altar wurde zersägt, um daraus noch eine Stele für den Ambo sowie eine neue Struktur für die Kreuzigungsgruppe in einem einheitlichen Material zu gestalten. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Der neu gestaltete Eingangsbereich von St. Johannes in Riederich

Die neue Friedenstür im Eingangsbereich von St. Johannes. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Neugestaltung der Kirche St. Johannes in Riederich erfolgreich abgeschlossen.

Die katholische Kirche St. Johannes in Riederich, eine Filialkirche von St. Bonifatius in Metzingen, erstrahlt nach umfassenden Renovierungsarbeiten in neuem Glanz. Die Modernisierung, die sowohl bauliche als auch spirituelle Aspekte umfasste, wurde mit großer Beteiligung der Gemeinde umgesetzt. Kirchenpflegerin Barbara Werner und Hermann Pfister, Mitglied des Kirchengemeinderats und aktiv im Bauausschuss tätig, berichten von einem langen, aber lohnenden Prozess.

Bereits 2017 begannen die ersten Überlegungen zur Umgestaltung. Die Heizungsanlage war nicht mehr funktionsfähig, und eine Regulierung war kaum noch möglich. Die Entscheidung fiel schließlich darauf, nicht nur die Heizung für 400.000 Euro zu erneuern, sondern die Kirche auch konzeptionell neu auszurichten. „Wenn wir schon so viel Geld investieren, dann sollte es eine grundlegende Veränderung sein“, bringt es Werner auf den Punkt.

Künstlerin entwirft eine Friedenstüre

Der Umbau begann nach der Profanierung des Altars am 23. Juli 2023. Besonders wichtig war die Idee, einen kleineren, ebenerdigen Altar zu schaffen, um die Liturgie näher an die Gemeinde zu bringen. Der ursprüngliche erhöhte Altar wirkte isoliert, daher entschied sich der Stuttgarter Architekt Florian Heim, ihn in kleinere Teile zu zersägen, um daraus noch eine Stele für den Ambo sowie eine neue Struktur für die Kreuzigungsgruppe zu gestalten.
Neben der baulichen Veränderung wurde das Innere der Kirche aufgehellt: Die vormals dunkle Decke erhielt einen weißen Anstrich, und die schwere, hölzerne Eingangstür wurde durch eine Glastür mit der Aufschrift „Sei bei uns Gast“ ersetzt. Im Eingangsbereich lädt ein Kunstwerk der Künstlerin Christine Hecht aus Assisi auf der als Windfang neu gestalteten Friedenstür die Besucher ein. Damit werde ein neuer, einladender Akzent gesetzt, stimmen Werner und Pfister überein. Und auch die durch den Umbau ermöglichte flexible Nutzung des Innenraums spiele eine entscheidende Rolle für sie: Die schweren Kirchenbänke wurden entfernt, und durch eine flexible Bestuhlung ersetzt, um Platz für verschiedene Veranstaltungen zu schaffen – von Konzerten über Musicals bis hin zu spirituellen Angeboten für Jugendliche. „Unsere Jugendreferentin bringt jährlich ein bis zwei Musicals auf die Bühne, und nun haben wir endlich den Raum dafür“, berichtet Werner.

"Freundlich, einladend und vor allem flexibel"

Die Kirche, ursprünglich eine Fertigbaukirche aus dem Jahr 1967, steht unter Denkmalschutz. Daher wurde eng mit dem Denkmalamt zusammengearbeitet, um die Maßnahmen abzustimmen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach wurde mit ins Konzept integriert. Im Jahr produziert sie 54.000 kWh Sonnenstrom, erläutert Werner. Die dunklen Module fügen sich unauffällig in das Gesamtbild der Kirche ein. Die Einweihung der neugestalteten Kirche fand am 24. November 2024 statt und wurde von der Gemeinde überaus positiv aufgenommen. "Freundlich, einladend und vor allem flexibel" – so beschreibt Werner die neue Atmosphäre. Auch finanziell war die Gemeinde stark involviert: Rund zehn Prozent der Gesamtkosten von 1,2 Millionen Euro mussten und müssen noch durch Eigenleistungen und Spenden aufgebracht werden. Aktionen wie die Stuhlpatenschaft für 250 Euro oder der Verkauf von Kunstdrucken helfen, die Kosten zu stemmen. Zusätzlich wurden die ehemaligen Kirchenbänke an eine Gemeinde in Ghana gespendet. "Das war unsere erste Aktion: Die Bänke auszubauen und innerhalb einer Woche in einen Container zu verladen", berichtet Pfister. Auch die italienische muttersprachliche katholische Gemeinde, die in Riederich aktiv ist, brachte sich ein – etwa mit einer neuen Küche im angebauten Gemeindehaus.

Liveübertragung der Bischofsweihe

Die neuen Gestaltungsmöglichkeiten der Kirche zeigen bereits Wirkung: Am 15. März wird eine Chorwerkstatt mit abschließendem Konzert stattfinden und auch Live-Übertragungen wurden durch den Umbau ermöglicht – eine Premiere gab es bei der Bischofsweihe von Dr. Klaus Krämer. Auch wurde die Orgel im Zug der Arbeiten neu gestimmt und eine innovative Beleuchtung mit speicherbaren Lichtszenarien für verschiedene Anlässe wurde installiert.
Die Neugestaltung von St. Johannes zeige, wie eine Kirche zukunftsfähig werden kann – nicht nur durch bauliche Veränderungen, sondern auch durch eine neue Offenheit für verschiedene Formen der Gemeinschaft und des Glaubenslebens. „Wir wollten einen Raum schaffen, der für viele unterschiedliche spirituelle Angebote genutzt werden kann – und das ist uns gelungen“, resümiert Werner zufrieden.

Spenden:

Für den Umbau der Kirche St. Johannes kann noch an die Katholische Kirchenpflege Metzingen gespendet werden. Das Spendenkonto ist bei der Kreissparkasse und hat die IBAN DE80 6405 0000 0000 9066 78, BIC: SOLADES1REU

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