Ukraine

„Solange die Spendenbereitschaft anhält, werden wir fahren“

Sascha Groß

Sascha Groß stellt im Gemeindezentrum St. Michael die Sachspenden für den Transport zusammen. Foto: DRS/Guzy

Seit einem Jahr unterstützt Sascha Groß mit seinem Team die Ukraine. Im Interview erzählt er, wie das abläuft und was er vom Krieg mitbekommt.

Seit einem Jahr sieht sich die Ukraine dem russischen Angriffskrieg ausgesetzt. Seit ebenfalls einem Jahr bringt Sascha Groß, Vorsitzender des Caritasausschusses der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus Lauffen, mit seiner Frau und weiteren Freiwilligen regelmäßig Hilfsgüter in die slowakisch-ukrainische Grenzregion. Jeder Konvoi besteht aus dem Bus der Kirchengemeinde und bis zu zwei weiteren Transportfahrzeugen. Diese werden jeweils von unterschiedlicher Seite zur Verfügung gestellt. Für die Wagenbesatzungen gibt es einen Pool an Leuten von der katholischen und evangelischen Gemeinde sowie von Vereinen.

Herr Groß, auf wie viele Kilometer kommen Sie mit ihren Transporten mittlerweile?

Beim letzten Transport, Ende Januar, haben wir die 50.000 Kilometer-Marke geknackt. Es sind pro Hilfstransport 2350 Kilometer. Wir fahren aktuell alle drei Wochen.

Sie haben sich am 4. März 2022 mit dem ersten Transport auf den Weg gemacht, nur wenige Tage nach Beginn des Angriffs auf die Ukraine. Hätten Sie anfangs damit gerechnet, dass Sie ihre Hilfsaktion über eine längere Zeit durchziehen müssen?

Mir war schon bewusst, dass es ein Marathon und kein Sprint wird. Mir war klar, es wird keine kurzfristige Sache sein.

Wie halten Sie das durch?

Dadurch, dass wir den Rhythmus der Hilfsfahrten nun auf drei Wochen gestreckt haben. Wir versuchen immer, jedes Fahrzeug mit möglichst drei Personen zu besetzen. Wir fahren Freitagabend los und kommen in der Nacht zum Sonntag zurück. So haben wir den ganzen Sonntag zum Ausruhen. Bei meinem Arbeitgeber gibt es eine großzügige Gleitzeitregelung, sodass ich die Transporte Freitagmittag gut vorbereiten kann. 

Sind Sie vor einer Fahrt aufgeregt oder ist alles mittlerweile Routine?

Inzwischen läuft vieles recht routiniert ab. Man kennt mit der Zeit die Strecke. Etwas anders ist es, wenn wir in die Ukraine hineinfahren: Wir wissen nie, wie viele Komplikationen uns an der Grenze erwarten, was wir alles bei der Kontrolle auspacken müssen. Einmal waren wir während eines Stromausfalls in der Ukraine unterwegs. Es war unheimlich, nachts durch finstere Orte zu fahren.

Normalerweise bleiben Sie aber auf slowakischer Seite beim Ort Choňkovce und übergeben dort die gespendeten Sachen.

Wir treffen dort die Bürgermeisterin aus dem ukrainischen Ort Dubrynychi mit Fahrer. Gelegentlich fahren wir direkt nach Dubrynychi. Das liegt knapp 15 Kilometer hinter der Grenze.

Was erfahren Sie vom Verlauf des Krieges?

Durch die erwähnten Stromausfälle bekommen wir die Angriffe auf die kritische Infrastruktur mit. Dann gibt es auch kein Internet. Das macht die Kommunikation mit der ukrainischen Seite schwierig, weil sie hauptsächlich über WhatsApp stattfindet.

Was wird auf der ukrainischen Seite gebraucht?

Russland greift die kritische Infrastruktur an. Wir versuchen gegenzuhalten. Wir haben bereits sechs Generatoren geliefert. Vier weitere folgen jetzt. Die Generatoren gehen an öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen. Außerdem bringen wir neben Grundnahrungsmitteln, Hygieneartikeln, Obst und Gemüse auch Verbandsmaterial, Medikamente und medizinische Ausrüstung, wie zum Beispiel beim vorletzten Mal zwölf Rollatoren für Kliniken und Krankenhäuser in der Umgebung. Dubrynychi reicht Hilfsgüter auch weiter, damit diese im ganzen Land verteilt werden. Nach der Befreiung von Cherson sind unsere Lebensmittel auf diese Weise auch dorthin gegangen.

Wie groß ist die Spendenbereitschaft nach einem Jahr noch?

Im Sommer und Herbst hatte sie nachgelassen. Mit Beginn des Advents wurde es wieder mehr. Aktuell können wir uns nicht beschweren.

Sie sind Vorsitzender des Caritasausschusses der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus Lauffen. Wie engagiert sich die Kirchengemeinde abgesehen von den Transporten noch?

In Ilsfeld helfen und unterstützen wir bei der Unterbringung, Versorgung und Betreuung von aktuell knapp 100 ukrainischen Geflüchteten. In Flein brachten wir eine Großfamilie im eigenen Gemeindehaus unter. Unser Pastoralreferent Raimund Probst und FSJlerin Caroline betreuen sie. Auch in Talheim betreut unser Pastoralreferent eine Familie.

Wie lange wollen Sie ihre Hilfsaktion fortsetzen?

Solange die Spendenbereitschaft anhält und es Bedarf gibt, werden wir fahren.

Was lässt Sie weitermachen?

Wir erleben eine überwältigend große Dankbarkeit der Ukrainer:innen, dort in Dubrynychi und hier vor Ort.

Spendenmöglichkeit

Das Interview fand kurz vor dem Start des 23. Hilfstransports (17./18. Februar) statt. Die nächste Fahrt ist für den 10. März geplant. Immer dienstags und donnerstags vor dem jeweiligen Starttermin können von 18 Uhr bis 19.30 Uhr Sachspenden im Gemeindezentrum St. Michael in Ilsfeld abgegeben werden.

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