Gebäude

Spannende Kirche, innovatives Konzept

Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jochen Wiedemann

Die katholische Kirche St. Maria wird ab März umfassend saniert und als Ort für Liturgie, Kultur und Begegnung weiterentwickelt.

Neben baulich notwendigen Maßnahmen greift die Umgestaltung eine Entwicklung auf, die das Gotteshaus bereits heute prägt: St. Maria ist ein offener Ort für Glauben, Kultur und Begegnung. „Die Renovierung übersetzt das, was hier gelebt wird, in eine zeitgemäße bauliche Form“, sagt Christian Hermes, Stuttgarter Stadtdekan und leitender Pfarrer der Südgemeinden. „St. Maria ist und bleibt ein geweihter Ort - und öffnet zugleich einen Raum für die Menschen und Themen dieser Stadt.“ Während der Bauzeit finden die Gottesdienste im Kolpinghaus Stuttgart statt.

St. Maria ist historisch und architektonisch eine der bedeutendsten Kirchen der Stadt. Die Gemeinde im Stuttgarter Süden hat sich in den vergangenen Jahren bewusst geöffnet und ihre neogotische Kirche in der Tübinger Straße unter dem Titel „St. Maria als …“ zu einem besonderen Ort entwickelt, an dem neben Liturgie auch kulturelle Angebote wie Lesungen, Konzerte oder Workshops sowie soziale und gesellschaftliche Veranstaltungen und Diskurse aus der Stadt Raum finden.

„Was in St. Maria passiert, geht weit über den Gottesdienst hinaus“, sagt der Gewählte Vorsitzende der Gemeinde, Domenik Schleicher. „Hier zeigt sich, dass Kirche sich in den Sozialraum hinein öffnen kann.“ Auch der Platz vor der Kirche ist Teil dieses Konzepts. Dank des Foodsharing-Angebots von Harrys Bude ist er längst zu einem Treffpunkt für Menschen unterschiedlichster Hintergründe geworden.

Warum die Renovierung notwendig ist

Anstoß für die nun beginnende Renovierung waren bauliche Mängel, die bereits seit Jahren bekannt sind: Schäden im Tragwerk, statische Probleme mit nachträglich eingebauten Stahlträgern und herabfallender Putz, der immer wieder Sicherungsmaßnahmen nötig machte. „Die Sanierung ist längst überfällig,“ betont Frank Metzger aus der Bauabteilung der Katholischen Kirche Stuttgart. „Wir haben den Zustand über Jahre hinweg beobachtet und gesichert – jetzt gehen wir die Ursachen grundlegend an.“ 

Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf rund 6,6 Millionen Euro.

St. Maria als Vorzeigeprojekt

Im Rahmen der Weiterentwicklung wird der Innenraum grundlegend neu gedacht. Der Boden wird auf ein einheitliches Niveau abgesenkt und mit neuem Holzbelag im Zentrum sowie Stein im Randbereich versehen. Eine Fußbodenheizung soll die Nutzbarkeit im Winter verbessern, ein modernes Lichtkonzept variable Lichtstimmungen ermöglichen. Zudem werden die Sandsteinwände gereinigt und Farbfassungen restauriert. 

„Der Raum wird sich spürbar verändern. Durch das einheitliche Bodenniveau und weitere Maßnahmen entsteht eine ganz neue Offenheit und Flexibilität, die dem Konzept von St. Maria als … entspricht“, sagt Clemens Habermann von HBRM. 2020 konnte das Berliner Architekturbüro den ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entscheiden. „An dem Projekt hat uns zum einen gereizt, dass St. Maria eine architektonisch spannende und sehr schöne Kirche ist“, so Habermann, „zum anderen, dass St. Maria als … ein Vorzeigeprojekt dafür ist, wie Kirche auch in Zukunft relevant bleiben kann.“

Ein zentrales Element der Raumgestaltung wird ein neues Kunstwerk der Düsseldorfer Künstlerin Andrea Knobloch sein, das künftig die Vierung prägen soll: Eine 13 Meter hohe und 120 Kilogramm schwere hängende Skulptur aus Edelstahlgewebe, die die Jury des Kunstwettbewerbs im vergangenen Jahr mit ihrer starken Präsenz und transparenten Leichtigkeit überzeugte. Neu gestaltet werden auch Altar, Ambo und Taufbecken. Eine Kunstkommission entscheidet noch im März über die Entwürfe der liturgischen Orte.

Auch außerhalb der Kirche wird es sichtbare Veränderungen geben. Für Sanitär- und Lagerräume entsteht ein neuer Anbau Richtung Furtbachstraße. Eine neue Bude für Harry ist ebenfalls Teil des Projekts und soll perspektivisch einen Standort auf dem Rupert-Mayer-Platz erhalten. „Anbau und Kiosk werden gestalterisch verwandt sein, wodurch die Verbindung zwischen Bude und Gemeinde sichtbar gestärkt wird“, erklärt Habermann.

Die Renovierung soll im Sommer 2027 abgeschlossen sein

Derzeit wird die Baustelle eingerichtet, anschließend beginnt der Rückbau. Parallel dazu starten Dacharbeiten und statische Maßnahmen. Die Fertigstellung ist für Sommer 2027 geplant.

Auch während der Bauzeit bleibt das Gemeindeleben präsent. Sonntags um 11 Uhr und mittwochs um 18:30 Uhr werden Gottesdienste im Kolpinghaus Stuttgart, Heusteigstraße 66, gefeiert. Die zweitägige Auftaktveranstaltung zum Interimsprogramm von St. Maria als … findet am 25. und 26. April 2026 jeweils um 11 Uhr auf dem Kirchenvorplatz statt.

Ein Ort mit Geschichte und Zukunft

Die 1879 geweihte Kirche gehört zu den bedeutendsten katholischen Bauwerken in Stuttgart. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde sie wieder aufgebaut – nun steht eine weitere prägende Phase bevor. 

Der jetzige Baustart ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Seit 2017 wurden Ideen und Erfahrungen gesammelt. „Oft wird erst gebaut und anschließend der Raum mit Leben gefüllt. Bei uns ist es umgekehrt“, sagt Schleicher. „Wir konnten in den vergangenen Jahren klären, wie wir Kirche im Stuttgarter Süden sein möchten. Wir haben eingeladen, ausprobiert, gesehen, was baulich erforderlich ist. Die Sanierungsüberlegungen sind ausgereift – jetzt ist die Zeit gekommen, die Ideen umzusetzen.“

Spenden

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto spenden:

Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Süd
DE44 6005 0101 0008 6812 49
Baden-Württembergische Bank
Verwendungszweck: St. Maria

Weitere Nachrichten

Bischof
Bischof Dr. Klaus Krämer und Pfarrer Sizar Happe von der Chaldäischen Gemeinde Stuttgart feiern gemeinsam Gottesdienst nach chaldäischem Ritus.
Weiterlesen
Demokratie
Diözesanleitung und Landräte treffen sich im Bischofshaus in Rottenburg zum Gespräch.
Bei einem Treffen von Kirche und Politik im Bischofshaus geht es um den Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“ und um die Situation der Landkreise.
Weiterlesen