Unter dem Motto „Mit dem Bischof im Gespräch über die Kirche der Zukunft“ startete im Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil eine Reihe von insgesamt sieben Regionalkonferenzen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Vor dem Hintergrund des laufenden Entwicklungsprozesses „Kirche der Zukunft“ in der Diözese sollen dabei Fragen, Anregungen und Rückmeldungen der Katholikinnen und Katholiken in Württemberg aufgenommen und diskutiert werden.
Keine vorgefertigten Ergebnisse
Bischof Dr. Klaus Krämer hob gleich zu Beginn der Konferenz in Rottweil die Bedeutung des synodalen Miteinanders als Grundlage aller bevorstehenden Entscheidungen hervor. Es gehe darum, einander zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, sagte Dr. Krämer und betonte, dass dies in einem fortlaufenden, lebendigen Verfahren geschieht, für das es keinen Masterplan oder vorgefertigte Antworten und Ergebnisse gibt. „Ich glaube, dass dies der bestmögliche Weg ist“, sagte der Bischof.
Feedbackboxen im Münster
Eingeladen zu der Regionalkonferenz in das voll besetzte Rottweiler Münster waren von ihren Kirchengemeinden und Einrichtungen entsandte Vertreter:innen aus den Dekanaten Balingen, Tuttlingen-Spaichingen, Freudenstadt und Rottweil. Meinungen, Gedanken, Gefühle und Wünsche zur „Kirche der Zukunft“ waren gefragt und wurden auf mehreren Wegen für die Konferenz gesammelt: Bereits im Vorfeld konnten die Kirchenmitglieder aus den vier Dekanaten so schon ihre Fragen einreichen, wovon rege Gebrauch gemacht wurde: Über 170 Fragen waren so im Vorfeld der Veranstaltung bei der Prozessleitung eingegangen. Diese wurden nach Häufigkeit sortiert und während eines Interviews mit dem Bischof im Rottweiler Münster beantwortet. Ein wesentlicher Teil der Konferenz bestand zudem in einem etwa dreiviertelstündigen offenen Austausch, bei dem mittels Mikrofonen im Mittelgang des Münsters weitere Fragen gesammelt und dann durch den Bischof sowie durch Expertinnen und Experten aus den Programmen beantwortet wurden. Um auch darüber hinaus aufzunehmen, was die Kirchenmitglieder beschäftigt, wurden Feedbackboxen im Münster für schriftliche Mitteilungen aufgestellt, die an die Teams der zum Prozess gehörenden Programme „Räume für eine Kirche der Zukunft“, „Seelsorge in neuen Strukturen“, „Verwaltung in neuen Strukturen“, „Zentrales Prozessmanagement“ und „Digitalstrategie“ zur Bearbeitung weitergegeben werden.
Schwerpunkt auf "Seelsorge in neuen Strukturen“
Der inhaltliche Schwerpunkt der Regionalkonferenz lag dabei auf dem Programm „Seelsorge in neuen Strukturen“, bei dem sich die Zahl der Kirchengemeinden diözesanweit von derzeit 1.020 bis zum Jahr 2030 auf 50 bis 80 neue Kirchengemeinden reduzieren soll. Dabei betonte Bischof Dr. Krämer, dass die anstehenden Veränderungen die Gemeinden von Verwaltungs- und Leitungsaufgaben entlasten sollen. So solle mehr Raum für die Seelsorge entstehen und größere Freiheit vor Ort möglich werden. Ziel sei, dass bis zum Mai erste Vorschläge und bis zum Herbst endgültige Voten der Kirchengemeinden für die künftigen Zusammenschlüsse vorliegen. Auf dieser Grundlage soll es nach einer fachlichen Prüfung sowie weiteren Beratungen im Priester- und Diözesanrat bis Ende 2026 eine Entscheidung durch Bischof Dr. Krämer zur künftigen Landkarte der Diözese Rottenburg-Stuttgart geben. Im Januar 2027 könne dann die Phase zur Bildung der neuen Kirchengemeinden beginnen, in der die beteiligten Gemeinden gleichberechtigt und gemeinsam eine so genannte Gründungsvereinbarung erstellen und beschließen sollen.
Kein Selbstzweck
Komme es bei der Umschreibung der neuen Kirchengemeinden im Einzelfall zu Schwierigkeiten, werde es Unterstützung geben, versicherte der Bischof und betonte: „Wichtig ist, dass wir am Ende eine gute, passende Konstellation haben.“ Die Organisations- und Verwaltungsstrukturen der Diözese seien kein Selbstzweck, sondern dienten allesamt dem Ziel, den seelsorglichen Auftrag der Kirche bestmöglich zu erfüllen, und dabei müssten die bestmöglichen Antworten gemeinsam vor Ort entwickelt werden.
Konsolidierung unumgänglich
Zu Beginn der Konferenz hatte Diözesanreferentin Barbara Strifler vom Prozess-Programm-Leitungsteam die Anwesenden nochmals über die Herausforderungen informiert, vor denen die katholische Kirche in Württemberg steht und die eine Verschlankung der Organisationsstrukturen sowie eine finanzielle Konsolidierung unumgänglich machen. Hierbei nannte Strifler den bis zum Jahr 2040 prognostizierten Mitgliederverlust von bis zu 32 Prozent, den damit einhergehenden Rückgang der Kirchensteuerkraft um bis zu 36 Prozent sowie eine erwartete Halbierung des Personals in allen pastoralen Berufsgruppen. Der Zeitplan des laufenden Entwicklungsprozesses sei vor diesem Hintergrund so gewählt, dass die sich im Januar 2030 neu konstituierenden Kirchengemeinderäte ihre Arbeit bereits in den dann neu bestehenden Strukturen aufnehmen können.





