Inklusion

Tempo machen für ein barrierefreies Land

Ein Fachtag der Diözese Rottenburg-Stuttgart sollte dazu ermutigen, sich für eine inklusive Gesellschaft einzusetzen. Zu den "Themeninseln gelingender Inklusion" gehörte ein Stand über Pilgerangebote für Menschen mit und ohne Sehbehinderungen. Blindenseelsorgerin Monika Schaufler (links) und Gertrud Vaas, Bezirksgruppenleiterin im Sehbehindertenverband Württemberg, informierten über das Projekt. Foto: drs/Jerabek

Bei einem Fachtag haben Engagierte aus Kirche und Gesellschaft Schritte besprochen, wie das Zusammenleben von Menschen in Vielfalt gut gelingen kann.

Notwendiger denn je sind nach den Worten der Landesbehindertenbeauftragten in Baden-Württemberg, Simone Fischer, gute Netzwerke und Kooperationen, die dabei helfen, die Gesellschaft inklusiv zu gestalten. Beim „Fachtag Inklusion“ in der Diözese Rottenburg-Stuttgart rief Fischer dazu auf, all denen, die Inklusion in Frage stellen und insbesondere aus dem Bildungssystem verbannen wollen, etwas entgegenzusetzen. „Das gemeinsame Aufwachsen, Lernen und Arbeiten, das gemeinsame Leben ist ein Grund- und Menschenrecht und trägt auch zur sozialen Bildung aller bei, zu einer offenen und toleranten Gesellschaft“, sagte Fischer in Ulm. „Inklusion bedeutet Zugehörigkeit von Anfang an; sie bedeutet, dass alle Menschen das Recht haben und die Möglichkeit erhalten, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten oder dabei unterstützt werden, es zu gestalten und auch aktiv an Entscheidungsprozessen mitzuwirken.“

Inklusion kraftvoll voranbringen

Bildungs- und Kulturarbeit könne und müsse einen wichtigen Beitrag leisten, um das Thema Inklusion kraftvoll in Kirche und Gesellschaft voranzubringen. „Inklusive Bildungs- und Kulturarbeit bereichert nicht nur das Leben und Lernen, sondern sie trägt auch zur gesamten Gesellschaft bei“, sagte Fischer in ihrem Impulsvortrag. „Eine inklusive Gesellschaft lebt durch Vielfalt und Akzeptanz; sie schließt alle ein. Lassen Sie uns weiter Tempo machen, damit wir vorankommen, um ein in jeder Hinsicht barrierefreies Land zu sein.“ Die Landesbehindertenbeauftragte würdigte die Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart, mit dem Fachtag eine Plattform für Austausch und Zusammenarbeit zu schaffen und damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung der inklusiven Arbeit in Baden-Württemberg zu leisten.

Menschenbild als Haltung

Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr, Leiterin der Hauptabteilung Schulen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, unterstrich in einem Podiumsgespräch die zentrale und verbindende Bedeutung des christlichen Menschenbildes als Haltung: dass jeder Mensch vor jeder Leistung und jenseits allen Wohlverhaltens, mit seinen Möglichkeiten und Grenzen, die jeder in unterschiedlichster Weise hat, „dass wir genau so wie wir sind, erst einmal gut sind und angenommen sind“. Diese Haltung gelte es so zu verinnerlichen, dass gleichsam „automatisch“ Begegnung auf Augenhöhe mit jedem Menschen und seinen Bedarfen gelingt. Diözesan-Caritasdirektor Matthias Fenger hob die breite gesellschaftspolitische Dimension des Themas Inklusion hervor. Die Frage, wie das Zusammenleben von Menschen in Vielfalt gut gelingen kann, mache nicht Halt an der Frage der Beeinträchtigung oder Behinderung, sondern betreffe auch Fragen der Migration und Flüchtlingshilfe, Armut und Wohnungslosigkeit.

„Da kann ja jede:r kommen“

Breiten Raum bei diesem Fachtag nahmen „Themeninseln gelingender Inklusion“ ein: Unter dem Motto „Da kann ja jede:r kommen“ präsentierten sich an insgesamt elf Infoständen verschiedene Initiativen, etwa die „Inklusive Jugendarbeit im RAZ“, dem Regionalen Ausbildungszentrum Ulm, das Gastgeber der Veranstaltung war, Mitglieder des „HarVeeh-Ensembles“ aus Ludwigsburg und des gleichnamigen Fördervereins, der das gemeinsame Musizieren von Schülerinnen und Schüler mit und ohne Förderbedarf geistiger Entwicklung unterstützt, das Schorndorfer „Bündnis für Inklusion und Teilhabe“ sowie kirchliche Projekte wie „Sternsingeraktion inklusiv“ aus Schwäbisch Gmünd, die „Seelsorge bei Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung“ mit einem Pilgerangebot auf dem Jakobsweg sowie die Initiative „Zusammen im Glauben“, ein inklusives Begegnungsangebot in der Quartiersarbeit St. Anna in Tettnang. Der diözesane Caritasverband, die Arbeitsgemeinschaft katholischer Organisationen und Verbände der Diözese Rottenburg-Stuttgart (ako), der BDKJ sowie weitere mitveranstaltende Institutionen wie die Hauptabteilung Schulen, die Hauptabteilung Pastorale Konzeption, der Katholiken- und Kirchensteuerrat und der Diözesanausschuss Inklusion stellten Bereiche ihrer Arbeit vor.

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