Umwelt

Tiere mit Namen werden nicht gegessen

Exkursion der keb Göppingen mit Besichtigung des Waldeckhofs, eines Projekts der Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung gGmbH. Foto: Rebecca Bärtle keb Göppingen

Veranstaltungsreihe „Hofexkursionen – Nachhaltige Landwirtschaft hautnah“ der keb Göppingen bietet Hofexkursionen für mehr Umweltbewusstsein.

Im Mai 2015 veröffentlichte Papst Franziskus seine Enzyklika „Laudato si'“, in der er die Gläubigen zum Umweltschutz auffordert. Im päpstlichen Erlass wird die Wegwerfkultur und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen kritisiert und eine integrale und solidarische Landwirtschaft gefordert, die unseren ausbeuterischen und zerstörerischen Lebensstil überdenkt. Damit unsere Erde auch für künftige Generationen erhalten bleibt.

Berührungspunkte zwischen Kirche und Landwirtschaft

Berührungspunkte zwischen Kirche und Landwirtschaft gibt es viele. Wer verantwortungsvoll Lebensmittel produziert und Tiere hält, kann viel für die Artenvielfalt und den Klimaschutz tun. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich den Zielen der Enzyklika verschrieben. Jetzt bietet beispielsweise die keb Göppingen eine dreiteilige Reihe mit Hofexkursionen zu nachhaltiger Landwirtschaft in der Region an. Bereits die erste Veranstaltung am vergangenen Freitag war ein großer Erfolg. Zwei weitere Hofexkursionen folgen in dieser und in der nächsten Woche.

Veranstaltungsreihe „Hofexkursionen – Nachhaltige Landwirtschaft hautnah“

Rebecca Bärtle, Leiterin und Geschäftsführerin der katholischen Erwachsenenbildung Kreis Göppingen e.V., erläutert die Hintergründe für die Reihe: „Einer unserer vier Schwerpunktein unserem Programm ist „Umwelt & Nachhaltigkeit“, weil es uns wichtig ist, Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen und wir überzeugt sind: Gemeinsam erreichen wir mehr! Daher machen wir bewusst als katholische Bildungseinrichtung hier Angebote.“ Konkrete, praktische Angebote und „Events“ würden, so Rebecca Bärtle, besser nachgefragt als rein informative Vorträge. Deshalb hat die keb Göppingen sogar ein eigenes Programm mit Führungen und Hofexkursionen auf die Beine gestellt, das in der Region sehr gut angenommen wird.

Ein Job in der Landwirtschaft - für mehr Selbstwertgefühl

Am 5. September startete die Reihe mit der Besichtigung des Waldeckhofs, eines Projekts der Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung gGmbH. Gesellschafter ist das Dekanat Göppingen-Geislingen. Ziel der GgmbH ist es, schwervermittelbare Arbeitslose, Langzeitarbeitslose, jugendliche Arbeitslose und Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten in ein arbeits­therapeutisches Beschäftigungsverhältnis aufzunehmen und deren Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu fördern. Insgesamt sind dort derzeit in verschiedenen Projekten 120 Menschen beschäftigt, davon 30 in der Landwirtschaft. Die Beschäftigten erleben ein Selbstwertgefühl und haben eine sinnvolle Tätigkeit.

Sogar der Mist ist Teil des ökologischen Kreislaufs

Etwa 30 Personen nahmen an der Hofexkursion teil. Durchgeführt wurde diese von Projektleiter Christoph Winterling. Der etwa 60 ha große landwirtschaftliche Hof wird nach den Vorgaben der ökologischen Landwirtschaft betrieben, lässt sich jedoch seit mehreren Jahren nicht mehr kontrollieren und zertifizieren. Aus Kosten- und Aufwandsgründen, wie Christoph Winterling erklärte: „Sie setzen für sich dieselben Maßstäbe an, dürfen sich aber nicht bio nennen. Es werden keine chemisch-synthetischen Stoffe in der Produktion eingesetzt, also auch keine Pflanzenschutzmittel und keine synthetischen Dünger, und sie halten sich an die Vorgaben über den Verzicht auf Zusatzstoffe in der Produktion. Die Tiere werden so weit wie möglich von der eigenen Fläche ernährt. Sogar der Mist wird auf der eigenen Fläche wieder ausgefahren, sodass alles ein Kreislauf ist.“

Nur Tiere, die nicht aufgegessen werden, haben einen Namen

Besonders spannend waren für die Besucher:innen die Tiere. Etwa die vom Aussterben bedrohten Limpurger Rinder, die wenig Milch geben, langsam wachsen und daher für konventionelle Landwirtschaft uninteressant sind. „Dafür sind sie robust, können das ganze Jahr im Freien sein und halten die Wiese kurz, auch in einem steilen Tal, das nicht befahren werden kann. Deshalb werden sie auf dem Waldeckhof noch gehalten und gezüchtet. Sie werden geschlachtet und das Fleisch verarbeitet und verkauft,“ klärte Christoph Winterling die Teilnehmer:innen auf. Auch Wollschweine und Gänse leben auf dem Hof. „Bei uns haben nur Tiere, die nicht aufgegessen werden, einen Namen. Zum Beispiel der Ziegenbock „Löffel“, der mit der Flasche aufgezogen wurde und deshalb keine anderen Tiere mag oder die drei Esel, Hakan, Vanessa und Sir Henry, ehemalige Therapietiere, die mindestens 30 Jahre alt sind,“ berichtet Winterling.

Zufriedene Schafe meckern nur, wenn sie ungeduldig auf Futter warten

Der Hauptaugenmerk des Hofes liegt auf der Milchprodukten aus Schafsmilch von ostfriesischen Milchschafen. Der Melkstand und eigene Käserei wurden besichtigt und erklärt. Rebecca Bärtle schwärmt: „Dort ist einiges noch Handarbeit, etwa das Kontrollieren der Qualität der Schafsmilch. Die Produkte werden im eigenen Hofladen verkauft, im Hofcafé und im „Suppentöpfle“ verkocht und verkauft. Rebecca Bärtle schmunzelt: „Während der Führung waren die Schafe gerade so laut am Meckern, dass wir die Führung in den Melkstand verlagern mussten und die Türe schließen mussten, damit man was versteht. Christoph Winterling erklärte uns: „so hören sich Schafe an, die unzufrieden sind! – aber nur, weil sie gesehen haben, dass Futter gebracht wird, sie aber noch nichts bekommen haben.“

Höfe an verschiedenen Orten und mit verschiedenen Schwerpunkten

Auf die anderen beiden Höfe, die am 12. und 19. September auf dem Programm stehen, wurde die keb Göppingen durch Recherchen nach, laut Selbstauskunft, „nachhaltigen“ Höfen im Internet aufmerksam. Rebecca Bärtle erklärt: „Genau diese Beschreibung wollen wir hinterfragen. Es sollten Höfe an verschiedenen Orten und mit verschiedenen Schwerpunkten sein, beispielsweise ein großer Obsthof versus einem Familienbetrieb.“

Blick auf das Klima

Die keb Geschäftsführerin erklärt das Ziel der Hofexkursionen: „Die Landwirtschaft ist ein entscheidender Faktor mit Blick auf das Klima. Wir wollen zeigen: Welche Möglichkeiten gibt es hier, nachhaltiger zu handeln? Was ist leicht umzusetzen, was fällt schwer? Welche Rolle spielt „bio“? Was hat sich in den letzten Jahren verändert? Zu zeigen, wie unsere Lebensmittel produziert werden, kann mehr Bewusstsein wecken für die Arbeit, die dahinter steckt und die Wertigkeit der Produkte. Denn auch auf individueller Ebene haben wir als Verbraucher:innen Einflussmöglichkeiten mit Blick auf das Klima.“

Wer mehr weiß, geht diesen Schritt leichter

Wenn es um die individuelle Ebene geht, orientiert sich die keb Göppingen an den „BigPoints“ vom Kompetenzzentrum nachhaltiger Konsum für Nachhaltigkeit im Alltag, den Faktoren also, die wirklich großen Einfluss darauf haben, den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Einer davon ist „mehr pflanzenbasierte Ernährung“, und meistens damit einhergehend auch mehr bio, regional und saisonal. Eine Idee der Veranstaltungsreihe war daher: Wer mehr weiß über die Hintergründe der Lebensmittel und deren Entstehung, geht leichter diesen Schritt. Rebecca Bärtle geht weiter ins Detail: „Wir wollen einen Blick hinter die Kulissen werfen und konkrete Höfe anschauen und vergleichen. Das Schlagwort „nachhaltig“ wird inzwischen so vielseitig verwendet, oft auch als Marketing-Strategie, dahinter steckt aber ganz Unterschiedliches. Das wollen wir direkt vor Ort sehen und mit den Entscheidungsträgern ins Gespräch kommen.“


Diesen Freitag geht es auf den Hof der Familie Läpple in Hattenhofen. Dort wird es sicherlich ganz anders zugehen. Es gibt nämlich keine Tiere - dafür haben die Teilnehmenden die Chance, die Johannisbeer-Ernte mit dem Vollernter anschauen und die Obstwiesen und Gewächshäuser zu besichtigen.

Hofexkursionen – Nachhaltige Landwirtschaft hautnah

Ein Blick hinter die Kulissen

Herausforderungen und Chancen im Alltag und der Arbeitsweise:
Höfe in unserer Nachbarschaft laden uns ein, vor Ort Fragen zu Umwelt,
Tieren und Ernährung nachzugehen und den jeweils eigenen, spannenden
Ansatz des Betriebes kennenzulernen.

Für folgende Termine kann man sich noch spontan anmelden:


Freitag, 12. September, Obst- & Gemüsebau Läpple Hattenhofen

HIER können Sie sich für diese Hofexkursion anmelden.


Freitag, 19. September, Obsthof Hösch & Mayer in Schlat

HIER können Sie sichfür diese Hofexkursion anmlden.

jeweils 14:30 bis 16:00 Uhr

€ 5,00 je Führung (Kinder frei)
Weitere Höfe sind in Planung für das kommende Frühjahr.

Für mehr Infos schreiben Sie bitte an

Rebecca Bärtle

baertle@keb-goeppingen.de