Weihe

Um für die Menschen da zu sein

Andreas Heupel (links) und Alexander Kramer empfangen die Priesterweihe.

Die beiden Diakone Andreas Heupel (links) und Alexander Kramer werden am Samstag zu Priestern geweiht. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Am 6. Juli werden Alexander Kramer aus Kirchberg an der Iller und Andreas Heupel aus Siegen in der Basilika St. Martin in Ulm-Wiblingen geweiht.

Der Gottesdienst mit Weihbischof Thomas Maria Renz beginnt am kommenden Samstag um 9:30 Uhr.

Die Frage, wie sie zu ihrer Berufung kamen, beantworten die beiden Männer so: „Um für Menschen da zu sein, die sonst niemand im Blick hat“, sagt Alexander Kramer, und Andreas Heupel stellt fest: „Um mit den Menschen auf ihren Lebenswegen Gott zu suchen, durch die Sakramente und durch Gespräche.“

Dabei verlief der Weg zum Priesterberuf für beide nicht gradlinig: Heupel absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Altenpfleger, besuchte im Anschluss das einjährige Propädeutikum am Priesterseminar Paderborn, arbeitete für ein weiteres Jahr als Wohnbereichsleiter in einem Altenpflegeheim und begann dann das Theologiestudium. Kramer leistete seinen Zivildienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Kirchberg, legte eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik ab und arbeitete anschließend mehrere Jahre in diesem Beruf. „Für mich stellte sich dann die Frage, ob ich meinen Techniker und Meister machen oder dem Ruf Gottes folgen sollte“, erinnert sich Kramer an eine Zeit, die, wie er sagt, sehr von innerer Unruhe geprägt war. Dem wollte er auf den Grund gehen und wagte den Schritt zum Theologiestudium und ins Priesterseminar. Der 34-Jährige sagt: „Die mit dieser Entscheidung verbundenen Fragen, bleiben ein stückweit sicher ein Leben lang. Aber ich bekomme viele bestärkende Rückmeldungen aus dem Familien- und Freundeskreis und für mich fühlt es sich richtig an. Ich will Zeugnis geben von der Liebe Gottes, die mich selbst unruhig macht.“

Dabei möchten beide Männer ihre Berufung fest im Jetzt verankert wissen: „Es gibt viele Möglichkeiten, um Brücken von der Lebens- in die Glaubenswelt zu bauen, den Blick zu weiten und so auch mit den Menschen, die nicht zum Sonntagsgottesdienst kommen, in Kontakt zu treten“, sagt Kramer. So baute der 34-Jährige in seiner Studienzeit ein digitales Sonntagswort mit auf: Geistliche Impulse, verbreitet mittels E-Mails, Newsletters, Homepages und Mundpropaganda. „Das kam gut an.“ Heupel gehörte in seiner Heimatgemeinde zu den Initiatoren eines YouTube-Kanals und er experimentierte mit einer Online-Diashow, aus der sich ein Podcast entwickelte. „Die Menschen möchten Flexibilität, Bezug zu ihrer Lebenswelt und die Möglichkeit, Inhalte dann abzurufen, wann und wo es für sie in ihr Leben hineinpasst.“ Es gebe unterschiedliche Wege, das Evangelium in die heutige Zeit auszulegen und zu vermitteln, stimmen beide Männer überein, und Kramer ergänzt: „Traditionsbewusst zu sein, heißt nicht, die kalte Asche zu bewahren, sondern meint die Weitergabe des Feuers. Deshalb schauen wir, von was wir uns verabschieden müssen, und was wir für die Zukunft brauchen.“

Sowohl Heupel als auch Kramer sehen bei all dem auch klar die Herausforderungen, die auf sie zukommen: Wie reagieren auf sinkende Mitgliederzahlen? Wie nah können sie künftig den Menschen noch sein? Wie mit einem Beruf umgehen, in dem vieles schrumpft? „In all dem liegen aber auch Chancen für uns als Kirche“, sagt Heupel. Kleiner zu werden biete gleichzeitig die Möglichkeit, das Evangelium stärker und tiefer zu leben. „Die Gelegenheit, anders zu agieren und darauf aufbauend vielleicht auch wieder zu wachsen.“

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