Brauchtum

Um Lichtmess ist Hochsaison

Pia Zengerle arbeitet als angehende Wachsziehermeisterin im Familienbetrieb bei Ravensburg mit - Foto: DRS/Waggershauser

Die Wachszieherei Zengerle bei Ravensburg beliefert Kirchen nicht nur zum Fest Darstellung des Herrn mit Kerzen aller Art.

Am Fest Darstellung des Herrn stehen sie in Reih und Glied vor dem Altar, die Kerzen für den liturgischen Gebrauch. Manche wie Klaus Weiß, Basilikamesner in Weingarten, und seine Familie gestalten aus ihnen auch dekorative Kunstwerke. Beim Fest am 2. Februar, das im Volksmund Lichtmess heißt, werden in katholischen Kirchen Altarkerzen, Ewiglichtölkerzen und Opferlichter für den Bedarf des Jahres geweiht und gesegnet. Aber woher kommen die Wachsprodukte und wie werden sie hergestellt? Die Wachszieherei Zengerle im Grünkrauter Industriegebiet Gullen blickt auf eine Familientradition seit 1673 zurück.

Einige hundert Kirchengemeinden in Oberschwaben und darüber hinaus zählt Geschäftsführer Jörg Zengerle zu seinen Kunden. In seinem Betrieb ist gerade Hochsaison - nicht nur wegen Lichtmess. "Unsere Spezialität sind Folien und Wachsplatten, mit denen in dieser Zeit Kommunionkinder ihre Gruppenkerzen verzieren", erklärt der 60-Jährige. "Die liefern wir weltweit", ergänzt seine Tochter Pia. Nach der Wachszieherausbildung studierte sie Betriebswirtschaft. Derzeit bereitet sie sich auf die Meisterprüfung im Ausbildungsberuf vor, um dann in die Firmenleitung mit einzusteigen.

Für die Kirchen nicht ohne Bienenwachs

Das maschinelle Ungetüm in der Fertigungshalle rattert monoton vor sich hin. Der Motor treibt es mit einer Kette an. Das Gerät mit den zwei riesigen zylinderförmigen Spulen ist sichtlich in die Jahre gekommen, aber es läuft zuverlässig. "Ungefähr 260 Meter Docht sind hier aufgespannt", erläutert Pia Zengerle und stellt das Kaliber neu ein. Dieses reguliert den Umfang der künftigen Kerzen, die hier in Endlosschleife über mehrere Bahnen immer wieder durch die geschmolzene Zugmasse geführt werden, bis sie die gewünschte Dicke erreicht haben. "Daher kommt auch die Berufsbezeichnung Wachszieher", verrät die 27-Jährige.

Die Zugmasse enthält neben Paraffin auch zehn Prozent Bienenwachs. Das liegt daran, dass die Kerzen in der Kirche Verwendung finden. Pia Zengerle verweist auf die Opferbereitschaft der Biene. "Das ist für die Tiere eine enorme Arbeit, das Bienenwachs herzustellen", betont sie. Der Lobgesang der Osternacht, das "Exsultet", bezeichnet die von den Bienen bereitete Kerze als Opfergabe der Gläubigen an Gott. Ihr Leuchten soll sich mit dem himmlischen Auferstehungslicht verbinden. Und auch beim Fest Darstellung des Herrn geht es um ein Opfer nach dem biblischen Gesetz des Mose. Es diente gemäß damaligem Verständnis 40 Tage nach der Geburt eines Jungen der "Reinigung" der Mutter.

In der Familie brennt fast immer eine Kerze

Neben den Wachsplatten stellen die Zengerles dünne Opferkerzen, die Gläubige in Sand stecken können, Handkerzen und sogenannte Einsatzkerzen für Ministrantenleuchter selbst her. Außerdem färben sie Stumpenkerzen und verzieren Motivkerzen. Die Rohlinge dafür und die dicken Altarkerzen beziehen sie von Partnerunternehmen. Zuhause brennen in der Familie eigentlich immer Kerzen. "Das gehört dazu bei uns", gesteht Pia Zengerle. Ein besonderer Gänsehautmoment ist es für sie, wenn sie Kirchen wie die Basilika in Weingarten besucht: "Dann zu sehen, dass die Kerzen, die da stehen, von uns sind, das ist natürlich ein tolles Gefühl."

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