Fastenzeit

„Unbedingt leben“

Die Fastenzeit ist eine Einladung, die „Baustellen des Lebens" im Geiste Jesu zu betrachten. Die Baugerüste in der Wiblinger Basilika sind voller Symbolkraft. Foto: Steffel

Wie man im Lassen der Dinge und in bedingungsloser Hingabe „unbedingt“ leben kann, darum geht es beim geistlichen Weg im Dekanat Ehingen-Ulm.

Drei Impuls-Abende und ein kostenfreies Begleitheft bilden den Kern des geistlichen Weges durch die Fastenzeit. Der Einführungsabend am Dienstag, 11. März, 19 Uhr, im Ulmer Bischof-Sproll-Haus, Olgastr. 137, widmet sich der Frage, wie man sich gegen das ständige „man sollte, man müsste, man könnte“ entscheiden und im Geiste Jesu handeln kann. „Dem wachen und offenen Beter ist das Einfache Quell des Lebens, Öl, Wein, Honig. In der Fastenzeit gilt es, unnötige Dinge zu lassen, Undinge zu lassen", heißt es in der Ankündigung des Dekanats mit Bezug auf den tschechisch-brasilianischen Medienphilosophen und Kommunikationswissenschaftler Vilém Flusser (1920-1991), der einmal schrieb: „Undinge dringen gegenwärtig von allen Seiten in unsere Umwelt, und sie verdrängen die Dinge. Man nennt diese Undinge Informationen.“

Über den Maler unter den Musikern

Eine theologisch-musikalische Einführung in Bachs Matthäuspassion geben Kirchenmusikdirektor Volker Linz und Dekanatsreferent Dr. Wolfgang Steffel am Mittwoch, 26. März, 19.30 Uhr, im Marienheim in Ehingen (bei der Stadtpfarrkirche St. Blasius). Schwerpunkt liegt auf der tonmalerischen Dimension der Passion. Albrecht Schweitzer zählte Bach zu den Malern unter den Musikern. Ob in den Worten Jesu, in den Rezitativen der Leidensgeschichte, in den Chorälen und besonderes in den sogenannten Turba-Chören, in denen das Volk spricht, Bach zeigt sich als großer geistlicher, ja psychologischer Deuter und Ausdeuter der Bibel. Ausgangspunkt und gewissermaßen Notenschlüssel für die ganze Passion, die zu einem hingebungsvollen und verschwenderischen Leben unter der Gnade Gottes einlädt, ist die Erzählung der Salbung von Bethanien. Albert Schweitzer schrieb: „Für mich ist Bach der größte Prediger. Seine Kantaten und Passionen wirken eine Ergriffenheit der Seele, in welcher der Mensch für alles Wahre und Einende empfänglich und über das Kleine und Trennende erhoben wird.“

Am Samstag, 5. April, 18 Uhr, ist in der Stadtpfarrkirche St. Blasius in Ehingen die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach zu hören. Mit dem Chor der Stadtpfarrkirche St. Blasius und dem Chor St. Johann aus Sigmaringen stehen hierfür zwei erfahrene Ensembles zur Verfügung. Eintrittskarten zu 30 Euro sind im Pfarrbüro St. Blasius und an der Abendkasse erhältlich.

Entschieden gegen „ja aber, mal schauen, nur wenn“

Der Abschlussabend am Dienstag, 15. April, 19 Uhr, im Saal des Bischof-Sproll-Hauses in Ulm steht unter dem Leitwort „Unbedingt leben in bedingungsloser Hingabe" und widmet sich der Frage, wie man das Zögern in der Hingabe, also ein „ja aber, mal schauen, nur wenn“, überwinden kann. Können wir mit Jesus sprechen: „Nicht was ich will, sondern was du, mein Vater, willst, soll geschehen“? - „In innerer Freiheit zu den Dingen und Undingen und im Ausstieg aus dem engen 'Wenn, dann' gewinnen wir neuen Spielraum und kommen neu mit Gott in Kontakt, ins Gespräch, in Resonanz", ist Steffel überzeugt.

 

Einführungs- und Abschlussabend sind als Hybrid-Veranstaltung geplant, können also auch per Video und Telefon und ohne Anmeldung besucht werden. Das Begleitheft zum geistlichen Weg kann über das Dekanat, Telefon (0731) 9206010, E-Mail: dekanat.eu@drs.de, angefordert werden.

Vergessene Lebensweisen, die Josef lehrt

Unter dem Leitwort „Schweigen, träumen, einfach machen" steht ein Vortrag Samstag, 22. März, 18 Uhr, in der Kirche St. Josef am Berg, Leubeweg 40, in Blaustein-Klingenstein. Dr. Wolfgang Steffel wird im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50. Kirchweihjubiläum der Kirche St. Josef am Berg auf Einladung der dortigen Kirchengemeinde „vergessene Lebensweisen, die der heilige Josef lehrt", erschließen: In der Bibel ist kein einziges Wort Josefs überliefert. Das ermöglicht eine erste Annäherung: Er kannte keine Ausreden, sondern war offen für göttliche Einredungen, nach denen er prompt handelte. Er war wohl ein Mensch mit viel Innenraum, einem besonderen Sensorium aus dem Schweigen, denn dieses weitet Herz und Seele. Die Innenwelt ist heute oftmals verkümmert, verschüttet, verkrustet oder verkalkt, wie es der Psychologe C. G. Jung beschrieb. Wie können wir etwa aus dem inneren Bild-Erleben mitten im Alltag leben? Wie können Träume auf unserem geistlichen Weg mehr Bedeutung erlangen? Dies wird mit Blick auf das große Glasfenster von Gabi Weiss aus dem Jahre 2000 erläutert. Es wird auch gemeinsam gesungen.

Beten: Bereitschaft, sich überraschen zu lassen

Die Ignatianischen Impulse stehen in diesem Jahr unter dem Thema „Die Provokation ignatianischer Gebete": Beten ist Bereitschaft, sich überraschen zu lassen. „Ignatius fordert den Beter in seinen Gebeten heraus. Dies wird bisweilen als Zumutung empfunden. Aber hier betet einer, dem im Leben viel zugemutet und der extrem herausgefordert wurde und der deshalb weiß, wovon er spricht und was er da als Gebet vorschlägt", heißt es in der Ankündigung. „Der Mensch kommt im Leben nicht nur durch Bestätigungen weiter, sondern gerade in der Infragestellung üblicher Denkschemata und Lebensweisen. Glaube wie Gebet sind nicht Wasser auf die Mühlen des Gewohnten, Vertrauten und Gängigen, sondern das Beten unterbricht den Alltag und reißt aus der Gewohnheit. Die Haltung der Ehrfurcht, in der Ignatius lebte, war in besonderer Weise Ausdruck seines 'Wandels in der Gegenwart Gottes'. Ehrfurcht könnte man deuten als Überraschungsoffenheit. Dies am Fest Mariä Verkündigung zu bedenken, ist ideal."

Die fünfteilige Impulsreihe startet am Dienstag, 25. März, 19.30 Uhr, im Bischof-Sproll-Haus, Olgastr. 137, in Ulm und findet hybrid statt. Der erste Abend ist überschrieben: Gib mir, o Herr, Demut und Ehrfurcht voll Liebe zu dir.

Online- und Telefonzugang bei allen Hybrid-Vorträgen

zoom.us/j/8852699290
Alternativ Zugang über www.zoom.us
bei "Einem Meeting beitreten" mit:
Meeting-ID: 885 269 9290, Kenncode: 196365

Außerdem gibt es die Möglichkeit, über Telefon mitzuhören:
Tel.: 0695 050 2596, 069 7104 99222 oder 069 3807 9883
Dann werden Sie zur Eingabe nachfolgender Nummern aufgefordert:
Meeting-ID: 885 269 9290, Kenncode: 196365, jeweils mit Raute-Taste # abschließen

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