Pastoral

Ungarn lernen pastorales Modell kennen

An einer langen Talef im Gemeindehaus Langenenslingen mit Kaffeegeschirr sitzen Gäste und Gastgeber.

Die ungarische Delegation mit (am Tischende von links), Pastoralreferentin Julia Glaser, Pfarrer Klaus Sanke, Diakon Klaus-Jürgen Kauß und IDZ-Geschäftsführer Diakon Jörg Stein sowie Diakon Erik Thouet (ganz rechts) - Foto: Heinrich-Maria Burkard

Eine Delegation des ungarischen Bistums Vác besuchte das Diakon-Ausbildungszentrum in Heiligkreuztal und eine Seelsorgeeinheit.

Ein Pfarrer auf dem Land wohnt mit seiner Haushälterin in einem riesigen Pfarrhaus, betreut nur eine einzige Kirchengemeinde, ist im Dorf auf der Straße ansprechbar und züchtet nachmittags Bienen. Wenn es dieses Idyll überhaupt jemals gegeben hat, ist es längst Vergangenheit. Heute umfasst eine Seelsorgeeinheit meist zwischen drei und zehn Kirchengemeinden, in denen der Pfarrer mit weiteren Priestern, Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten zusammenarbeitet. Die Leitung teilt er sich mit Gewählten Vorsitzenden aus den entsprechenden Räten.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart bekennt sich aus Prinzip zur dieser kooperativen Leitung in der Pastoral. Geschuldet ist sie jedoch auch dem zunehmenden Priestermangel. Der ist in Ungarn noch nicht so extrem wie in Deutschland. Aber auch dort ist absehbar, dass die Zahlen der Priesterweihen deutlich zurückgehen. Umstrukturierungen stehen an. Eine Delegation aus sieben Priestern, einem Diakon und drei Laienvetretern aus dem Bistum Vác waren vergangene Woche in Heiligkreuztal und Umgebung, um die deutsche Situation und die konkreten Lösungen in Württemberg kennenzulernen.
 
Zustande kam der Kontakt zu dem ungarischen Bistum, das sich östlich von Budapest von der slowakischen Grenze im Norden bis zur Landesmitte erstreckt, über das Internationale Diakonatszentrum (IDZ) mit Sitz in Rottenburg. Da sich die ungarische Kirche pastorale Laienberufe finanziell nicht leisten könne, hätten sich die Gäste schwerpunktmäßig für die Ausbildung der Diakone interessiert, erklärt Erik Thouet, Vizepräsident des IDZ und in Heiligkreuztal für die Ausbildung der Ständigen Diakone in der Diözese Rottenburg-Stuttgart zuständig.

Vielfalt der Dienste und der Meinungen

Beim Besuch der Seelsorgeeinheit Langenenslingen stellten IDZ-Geschäftsführer Jörg Stein und Pfarrer Heinrich-Maria Burkard vom geistlichen Zentrum Kloster Heiligkreuztal die Gemeindeleitung und die Mitbestimmung der Kirchengemeinderäte nach dem Rottenburger Modell vor. Neben Pfarrer Klaus Sanke erzählten anschließend auch Kirchenpflegerin Anita Oder, Pastoralreferentin Julia Glaser, Diakon Klaus-Jürgen Kauß und Cornelia Metzger, gewählte Vorsitzende des gemeinsamen Ausschusses, von ihren Tätigkeiten und Aufgaben.

Die ungarischen Besucher, darunter ein Dogmatikprofessor, nahmen viele Eindrücke und Anregungen mit in ihr Bistum. Als es um Themen wie die Reformen im Sinne des Synodalen Wegs, um die Segnung homosexueller Paare und Weiheämter für Frauen, aber auch um den westeuropäischen Umgang mit Putin in den letzten Jahren ging, seien unterschiedliche Positionen in einer sehr offenen Atmosphäre zur Sprache gekommen, berichtet Thouet. Hier sei es wichtig miteinander im Gespräch zu sein und nicht Menschen mit anderer Meinung belehren zu wollen, ergänzt er. In diesem Sinne war das Treffen auch ein Beitrag zur europäischen Verständigung.

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