Die synodale Haltung des „Unterscheidens“ prägt mein Denken nicht nur kirchlich, sondern auch beruflich: Als Sozialarbeiterin habe ich im Studium und in meinen verschiedenen Stellen gelernt, wie wesentlich es ist, Rollen, Verantwortungen und Aufgaben klar zu unterscheiden: In welcher Rolle trete ich auf? Was ist meine Aufgabe – und was nicht? Diese Klärung schärft den Blick.
Auch in kirchlichen Gremien wie dem Diözesanrat oder dem Kirchengemeinderat ist diese Haltung für mich entscheidend. Unterscheiden hilft, sich nicht am Status quo festzuklammern, sondern sich ehrlich zu fragen: Für wen bin ich eigentlich da? Was brauchen die Menschen heute – und was erwarten sie in Zukunft von uns als Kirche? Es geht nicht um Bewahrung um jeden Preis, sondern um Bewegung. Wenn ich weiß, welchen „Hut“ ich gerade aufhabe und welches Mandat damit verbunden ist, ist das möglich. Dann ist Kirche nicht statisch, sondern ein Raum, der offen ist für die Fragen und Zeichen der Zeit.
Zu unterscheiden ist ein Prozess. Er braucht Zeit, Zuhören und den Austausch über die eigene Blase hinaus – mit unterschiedlichen Menschen aus Diözese und Dekanat. Wenn ich ein Mandat habe, geht es nicht um Lobbyarbeit, sondern um das große Ganze und in diesen Dienst muss ich mich stellen.
Als KGR-Mitglied habe ich das auch in unserem Gemeindeentwicklungsprozess erlebt. Wir mussten unterschieden zwischen dem, was bisher möglich war und dem, was auf Dauer nicht mehr möglich ist. Und wir mussten unterscheiden zwischen dem, was wir wirklich brauchen und was vielleicht nicht (mehr). Darin liegt der tiefere Sinn des Unterscheidens – es trennt nicht, sondern führt zum Wesentlichen und macht Kirche glaubwürdig.
Marita Walz, Mitglied des Diözesanrats




