Pflege

Vom Altenpfleger zum Pflegedienstleiter

Martin Nottebaum. Bild: Heinz Heiss

Über den Zivildienst kam Martin Nottebaum (61) zur Pflege. „Da habe ich gemerkt, dass es mir liegt, mit alten Menschen umzugehen", sagt er.

Martin Nottebaum absolvierte eine Ausbildung zum Altenpfleger, startete dann bei der Pflegegruppe Nord in Zuffenhausen. „Im ambulanten Dienst hat man mehr Freiheiten und mehr Eigenverantwortung im Tun. Das hat mir immer gut gefallen“, sagt er. Mittlerweile ist er Pflegedienstleiter und arbeitet seit 35 Jahren für die Sozialstation Stuttgart. Am 13. Dezember wird er dafür – gemeinsam mit vielen weiteren langjährigen Mitarbeitenden – geehrt.

„Meine längste Beziehung ist die zu meinem Arbeitsgeber“, erzählt Martin Nottebaum schmunzelnd. 35 Jahre ist er nun schon bei der Sozialstation Stuttgart. Wie in jeder Beziehung mit Höhen und Tiefen, mit schönen Erinnerungen und Plänen für die Zukunft. „Als ich angefangen habe, war ich noch Raucher. Manchmal haben mir Patienten Zigaretten geklaut“, erinnert er sich. Gute Kontakte habe er damals zu den Pflegebedürftigen gehabt: „Einmal bin ich mit einem älteren Ehepaar nach Baden-Baden ins Casino gefahren, so etwas wäre heute undenkbar.“

Während man früher so lange bei den Menschen blieb, bis sie zufrieden waren, haben die Pflegekräfte heute festgelegte Zeiten, wie lange sie für welche Aufgabe brauchen dürfen. Und auch sonst hat sich einiges geändert. Beratung beispielsweise spielt eine viel größere Rolle. Weil Fachkräfte fehlen, schult die Sozialstation Angehörige in Theorie und Praxis.

 

Meine längste Beziehung ist die zu meinem Arbeitsgeber.

 

Von 1993 bis 1998 war Martin Nottebaum als Pflegefachkraft in Stuttgart-Ost unterwegs. Nachdem die damalige Leitung einen Autounfall hatte, übernahm er ihre Aufgaben. „Damals war es so, dass Altenpfleger nicht die Leitung eines ambulanten Pflegedienstes übernehmen konnten, aber ich habe mich fachlich zur Leitung qualifiziert und eine Chance, mich zu beweisen, bekommen“, erinnert sich Martin Nottebaum.

Beruflich ging es für ihn als Pflegegruppenleitung weiter die Karriereleiter hinauf. 2007 wurde er mit dem Qualitätsmanagement beauftragt, als Krankheitsvertretung war er weiterhin in den Sozialstationen unterwegs; er kannte die Menschen und Herausforderungen vor Ort. 2016 übernahm er die stellvertretende Pflegeleitung der Sozialstation Stuttgart und hat sich mit seiner strukturierten Arbeitsweise als „Mr. Checkliste“ einen Namen gemacht. Während dieser Zeit baute er beispielsweise die innerbetrieblichen Fortbildungen auf.

Viel Verantwortung, hohe Belastung

Seit 2018 ist Martin Nottebaum nun Pflegedienstleiter. Ein Job mit viel Verantwortung und hoher Belastung. „Ich habe gelernt, Dinge zu delegieren und die Motivation hochzuhalten, auch wenn einem selbst nicht zum Lachen zumute ist“, berichtet Martin Nottebaum. 148 Mitarbeitende sind bei der Sozialstation Stuttgart beschäftigt, 70 Prozent arbeiten Teilzeit, 30 Prozent Vollzeit. „Eine besondere Stärke ist sein Führungsstil. Ihn zeichnen Empathie sowie Kooperations- und Konfliktfähigkeit aus“, sagt Andreas Schardt, Geschäftsführer der Sozialstation Stuttgart.

Diese Fähigkeiten sind gefragter denn je: Was tun, wenn mehrere Mitarbeitende gleichzeitig krank sind und die Pflegebedürftigen nicht angefahren werden können? Martin Nottebaum muss eine gute Pflege gewährleisten und gleichzeitig sich selbst und seine Mitarbeitenden vor Überlastung schützen. Ein Balance-Act. „Früher konnte man Krankheitsausfälle oder schwache Mitarbeiter kompensieren, mittlerweile geht das weniger“, sagt der 61-Jährige. Der Fachkräftemangel ist auch bei der Sozialstation zu spüren.

Projekte begleiten und auf stabile Beine stellen

Erst kürzlich war er bei einer Tour durch Zuffenhausen dabei, dem Stadtteil wo seine Arbeit bei der Sozialstation begann. „Es war schön, die Freundlichkeiten und Wertschätzungen wahrzunehmen. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich mittlerweile zu untrainiert bin, um regelmäßig vor Betten zu knien oder Personen hochzuheben“, berichtet er. Die älteste Mitarbeiterin der Sozialstation ist 70 Jahre alt und mit 15 Prozent angestellt. „Sie macht das gerne und mit viel Herzblut. Wir haben einige Mitarbeiterinnen, die sich bei uns etwas dazuverdienen“, erzählt Martin Nottebaum.

Bis zu seinem Ruhestand will er noch einige Projekte begleiten und „auf stabile Beine stellen“. So will er Menschen ohne formale Pflege-Qualifikation schulen, um die Fachkräfte zu entlasten. „Das Gehalt von Pflegekräften hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, kein Vergleich mehr mit meiner Anfangszeit“, sagt Martin Nottebaum.

 

Ich schätze den katholischen Spirit.

 

Er habe in den vergangenen 35 Jahren immer eine gute Begleitung bei seiner Entwicklung gehabt. „Ich schätze den katholischen Spirit. Wir haben ein sehr gutes Arbeitsklima und sind ein sehr guter Dienst mit einem sehr guten Ruf. Ich bin stolz auf meine Mitarbeitenden und kann es wirklich empfehlen, hier zu arbeiten“, sagt der Pflegedienstleiter.

So wie Martin Nottebaum hat die Sozialstation Stuttgart viele Mitarbeitende, die schon lange mit dabei sind. Sie werden am 13. Dezember für ihr langjähriges Engagement geehrt.

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