Seelsorge

Von Mensch zu Mensch

Piber steht am Rednerpult vor den Hinterköpfen der Zuhörer:innen.

Dr. Gabriela Piber, Leiterin der TelefonSeelsorge Oberschwaben-Allgäu-Bodensee, begrüßt die Mitfeiernden im Ravensburger Schörsaal - Foto: DRS/Waggershauser

Die Mitarbeiter:innen der TelefonSeelsorge Oberschwaben-Allgäu-Bodensee leihen seit 40 Jahren den Anrufenden ihr Ohr.

Eigentlich sind sie unsichtbar, die Mitarbeiter:innen der Telefonseelsorge. Wie die Anrufenden bleiben sie anonym. Die Feier zum 40-Jahr-Jubiläum der Einrichtung in der Region Oberschwaben-Allgäu-Bodensee zeigte jedoch, wie viele sich in diesem Bereich engagieren. Zusammen mit Ehemaligen, hauptamtlich Mitarbeitenden, Vorständen, Mitgliedern des Fördervereins und Vertreter:innen ganz unterschiedlicher Kooperationspartner füllten sie den Schwörsaal im Ravensburger Waaghaus. Getragen von den katholischen Dekanaten und evangelischen Kirchenbezirken der Region können Menschen seit 2007 auch per Mail und seit 2009 über Chat Kontakt zur Telefonseelsorge aufnehmen.

Dass es trotz der Nutzung eines Mediums und der zeitlichen Begrenzung um ganz intensive Begegnungen von Mensch zu Mensch geht, machte die Feier auf unterschiedliche Weise deutlich. Auf ihre je eigene Art traten der Autor und Benediktinerpater Martin Werlen und Poetry Slammerin Ines Strohmaier in einen Wortwechsel. Der Schweizer und ehemalige Abt von Einsiedeln leitet die Propstei St. Gerold im österreichischen Großen Walsertal. Die wortgewaltige Poetin stammt aus dem Kleinwalsertal und studiert in der Schweiz. "Leih mir dein Ohr, ich gebe dir meine Geschichte", brachte sie die Telefonseelsorge in Anspielung auf deren Motto auf den Punkt.

Gesellschaft darf Schwache nicht ausgrenzen

Da ist Sieglinde, die meint, dass die Telefonseelsorge ihr Handy repariert - aber auch eine Jugendliche, die mit der Krebsdiagnose ihrer Mutter hadert. Mit ganz anschaulichen Worten zauberte Strohmaier den Zuhörer:innen anschauliche Bilder von Telefongesprächen in den Kopf und bezog sie mit Summen, Schnipsen und Schenkelklopfen aktiv ein. Pater Martin deutete die Begriffe Telefon, Seele und Sorge. "Dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen", zitierte er die Präambel der Schweizer Bundesverfassung. Deshalb dürfe eine Gesellschaft Schwache nicht ausgrenzen, da jede:r durch einen Schicksalsschlag ganz schnell zu ihnen gehören könne.

Wie notwendig die Gesellschaft solche niederschwelligen Hilfsangebote braucht, brachten auch die Jubiläums-Grußworte zum Ausdruck. Weihbischof Matthäus Karrer dankte in seiner Videobotschaft, dass die Telefonseelsorge ein einladendes und sympathisches Gesicht von Kirche zeige. Der württembergische evangelische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl lobte in seinem Video die Erreichbarkeit rund um die Uhr und die Anpassung an die neuen technischen Herausforderungen. Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha äußerte - ebenfalls im Video - seinen Respekt vor der Arbeit, denn Leben sei nicht nur Privatsache.

Ehrung für Mitwirkende der ersten Stunde

Den guten Wünschen zum Jubiläum schlossen sich auf der Leinwand auch Vertreter:innen des internationalen Telefonseelsorge-Kongresses an. Zuvor freute sich Ravensburgs Erster Bürgermeister Simon Blümcke am Rednerpult über die gute Zusammenarbeit zwischen Kirchen und zivilgesellschaftlichen Kräften bei diesem Thema. Theologin und Psychotherapeutin Dr. Gabriela Piber leitet die TelefonSeelsorge seit 15 Jahren. Sie führte durch das bunte Programm mit Worten, Spielszenen und Musik und ehrte am Ende die langjährige Supervisorin Monika Braun. Zwei Mitarbeitende der ersten Stunde erhielten von den Vorständen Bernhard Vesenmayer und Pfarrer Wolfgang Bertl eine Urkunde und die Martinusnadel.

Ausgewählte Stationen aus 40 Jahren TelefonSeelsorge Oberschwaben-Allgäu-Bodensee

  • 1982/83 Die Vorbereitungen beginnen - Dr. Jürgen Blattner wird Mitte Oktober 1983 als erster Leiter der TelefonSeelsorge in Ravensburg eingestellt
  • 1984 Am 15. Dezember starten 60 Mitarbeitende unter den Nummern 11101 oder 11102 zum Ortstarif
  • 1986 startet das Projekt SoS-Jugendberatung (Sprich oder Schreib) von jungen Menschen für Jugendliche
  • 1997 werden die Anrufe regionalisiert und bundeseinheitlich ohne Vorwahl kostenfrei
  • 1997 Gründung des Fördervereins der TelefonSeelsorge Oberschwaben-Allgäu-Bodensee
  • 2000 wurden Handyanrufe kostenfei zugeschaltet - viele Test- und Scherzanrufe von Jugendlichen
  • 2003 bis 2021 Auszeithaus Oberschwaben in Kooperation mit dem Träger der Franziskanerinnen von Reute e.V.
  • 2007 Start der Mailseelsorge
  • 2009 kommt die Chatseelsorge dazu
  • 2017 Umzug in neue Räume
  • 2019 Einführung des KrisenKompass als App
  • 2020 durch Corona in kürzester Zeit Umstellung auf digitale Fortbildung und Supervision

Die Telefonseelsorge ist errechbar

0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 oder 116 123

Bundesweit und kostenfrei

online.telefonseelsorge.de

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