Weltkirche

Von Rottenburg nach Addis Abeba

Aus Mitteln der Aktion PRIM ist ein achtstöckiges Wohngebäude in Addis Abeba mit 39 Wohnungen, Gewerbe- und Begegnungsräumen finanziert worden. Die Mieteinnahmen sollen in die Zukunftssicherung äthiopischer Priester fließen. Zur Einweihung traf eine Delegation der Diözese Rottenburg-Stuttgart unter Leitung von Bischof Dr. Klaus Krämer mit Vertretern der Äthiopischen Bischofskonferenz zusammen. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Angelika Sönnichsen

Wie die Aktion PRIM - eine Solidaritätsaktion der Priester - nachhaltig Früchte trägt, zeigt die letzte Station der Projektreise von Bischof Krämer.

Der Wind trägt Staub über die Straßen von Addis Abeba, eine Stadt im rasanten Wandel: Neben kleinen Häusern aus Wellblech stehen moderne Wolkenkratzer und Wohngebäude, die auch in jeder westlichen Großstadt stehen könnten und die nachts farbenfroh erleuchtet sind. Restaurants und Cafés laden zum Verweilen ein. Nur einen Straßenzug weiter sind die Straßen unbefestigt und unbeleuchtet. Ziegen stehen an der Kreuzung und warten auf ihren Verkauf. Die Stadt wächst – genaue Einwohnerzahlen gibt es nicht: Zwischen vier und neun Millionen Menschen sollen es sein. Und genau hier, mitten in der Hauptstadt, umgeben von Neubauten, liegt ein Grundstück, das für die katholische Kirche in Äthiopien eine besondere Bedeutung bekommen hat.

Denn dieses Stück Land steht am Ende einer Geschichte, die nicht in Addis beginnt, sondern in der Diözese Rottenburg-Stuttgart – und zwar 1973.

Eine Idee aus 1973 – und ein Versprechen, das trägt

Damals startete die „Aktion PRIM“ – Priester helfen einander in der Mission. Seitdem unterstützen Priester der Diözese ihre Mitbrüder in Äthiopien und weiteren Partnerländern durch freiwilligen Gehaltsverzicht oder regelmäßige Spenden. Jahr für Jahr. Verlässlich. Und es schafft Nähe: einen regelmäßigen Austausch, Begegnungen, Briefe, den Kontakt zu den Bischöfen vor Ort. Immer wieder wird dabei auch eine wichtige Ebene sichtbar: die geistliche Verbundenheit.

Rücklagen für „später“ – und ein Schritt in Richtung Zukunft

1995 verändert sich die Idee von 1973: Es kommt ein wichtiger Schritt, leiser, aber entscheidend. Es fällt die Entscheidung, Rücklagen aufzubauen – für den Tag, an dem PRIM nicht nur unterstützt, sondern den Übergang in eine nachhaltige Struktur möglich macht. Über viele Jahre werden dafür Mittel gesammelt: pro Priester jährlich 250 Euro aus PRIM, ergänzt durch Haushaltsmittel der Hauptabteilung Weltkirche. Das Geld landet auf einem Sonderkonto in Deutschland. Gedacht für „später“.

Dieses „später“ ist nun in Addis Abeba angekommen. Der Plan wird konkret.

Wohnraum schaffen, Versorgung sichern

2022 beantragte die Bischofskonferenz, die Rücklagen für den Bau eines Mietobjektes einzusetzen. Bischof Lukas von der Diözese Imdibir, damals noch Generalsekretär der Bischofskonferenz, brachte den Stein ins Rollen – mit einer klaren Perspektive: Die Mieten sollten künftig Unterhalts- und Rentenzahlungen für Priester ermöglichen und mittel- bis langfristig die bisherigen jährlichen PRIM-Auszahlungen deutlich übertreffen. So entstünde eine nachhaltige Zukunftssicherung. Denn in der rasant wachsenden Millionenstadt Addis Abeba fehlt Wohnraum, Mietwohnungen sind knapp.

Ein Haus mit Signalwirkung in Addis Abeba

Nun ist das Mietobjekt Realität geworden: Im Zuge seiner Äthiopienreise weihte Bischof Dr. Klaus Krämer gemeinsam mit den Vertretern der Äthiopischen Bischofskonferenz und heimischen Priestern das achtstöckige Wohngebäude feierlich ein. Mit seinen acht Stockwerken bietet das moderne Wohnhaus insgesamt 39 Wohnungen – mit ein bis drei Zimmern. Für Familien, Paare und Singles. Im Erdgeschoss entstehen Gewerbeeinheiten – eine Bäckerei ist angedacht, ebenso Möglichkeiten, sich zu treffen.

Die Mieteinnahmen sollen zur Erhaltung des Gebäudes und vor allem den äthiopischen Priestern als Zukunftssicherung zugutekommen.

Aus Unterstützung wird Eigenständigkeit

Bischof Dr. Klaus Krämer unterstrich bei der Einweihung dem Blick auf das, was über Jahre gewachsen ist: „In Addis Abeba wird heute sichtbar, was PRIM über Jahrzehnte hinweg geprägt hat: Verlässlichkeit statt kurzfristiger Hilfe, Beziehung statt Distanz – und ein Ziel, das sich erst mit der Zeit erfüllt und dann umso nachhaltiger wirkt. Wir investieren nicht in ein Projekt, sondern in Menschen, die ihren Dienst unter oft schwierigen Bedingungen treu tun. Wenn aus vielen kleinen Beiträgen ein Fundament wird, das trägt, dann ist das mehr als Solidarität: Es ist gelebte Partnerschaft. So wird aus Unterstützung Eigenständigkeit – und aus einem Ort in einer wachsenden Stadt ein Zeichen, dass Kirche Zukunft nicht allein denkt, sondern gemeinsam gestaltet.“

Stimmen aus Äthiopien: Partnerschaft, die stärkt

Der Bischof der Diözese Hawassa, Bischof Merhakirstos, sagte während der Einweihungsfeier: „Die anhaltende Solidarität, die in den letzten Jahren für die Unterstützung unserer Priester so entscheidend war, ist ein Eckpfeiler unserer Mission. Dieses neue Projekt, stellt eine echte Weiterentwicklung unserer strategischen Partnerschaft dar. Die visionäre Begleitung durch die Diözese Rottenburg-Stuttgart bei diesem Vorhaben wird eine nachhaltige Einnahmequelle schaffen und damit die weitere Unterstützung unserer Geistlichen und die wichtige Arbeit und Mission der Kirche in ganz Äthiopien sichern. Dieses tiefgreifende Engagement stärkt unsere Kirche in ihren Grundfesten und ermöglicht es uns, uns noch stärker auf den Dienst an unseren Gemeinden zu konzentrieren. Wir sind tief bewegt von Solidarität und Partnerschaft.“

PRIM bleibt konkret – und geistlich verbunden

Im Gespräch mit den Bischöfen vor Ort wird schnell klar: PRIM ist dort keine abstrakte Idee, sondern etwas Konkretes, Nachhaltiges. Schon früh wurde deshalb in Rottenburg darüber gesprochen, wie PRIM langfristig tragen kann. Ein Satz aus dieser Zeit steht bis heute wie eine Überschrift über der Aktion: „Es geht nicht nur um eine Spende, sondern um den Menschen, der den apostolischen Auftrag lebt“, sagte Prälat Mühlbacher 1972.

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