Diözesanrat

Wandel und Entwicklung ermöglichen

Abstimmung im Plenum während der Diözesanratssitzung am 7. Oktober 2023 in Ergenzingen. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Ines Szuck

"Stabilität für die Zukunft gestalten": Der Diözesanrat hat die Mittelfristige Finanzplanung der Diözese Rottenburg-Stuttgart bis 2030 beschlossen.

Rückgang der Kirchensteuereinnahmen, damit verbundene Auswirkungen auf die Diözese und wie darauf reagiert werden soll und muss – Schwerpunktthemen, mit denen sich der Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart am Wochenende ausführlich auseinandergesetzt hat. Das Gremium legte dabei die Eckpunkte für eine mittelfristige Finanzplanung fest - unter dem Motto „Wandel und Entwicklung ermöglichen - Stabilität für die Zukunft gestalten“.

Seit Jahren gehen die Mitgliederzahlen der katholischen Kirche zurück. Einerseits auf Grund der demographischen Entwicklung, andererseits steigen die Zahlen der Kirchenaustritte. Der Trend wird sich – so die Aussagen der Fachleute – in Zukunft fortsetzen. Dementsprechend werden auch die Kirchensteuereinnahmen zurückgehen, die eine wesentliche Finanzierungsquelle der katholischen Kirche in Deutschland darstellen. Dieser herausfordernden Situation muss sich auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart stellen.

In seiner Sitzung am 7. Oktober auf der Liebfrauenhöhe in Ergenzingen setzte sich der Diözesanrat deshalb mit genau dieser Thematik auseinander und diskutierte über ein Grobkonzept, das den absehbaren Entwicklungen Rechnung tragen soll.

Mittelfristige Finanzplanung

Unter dem Motto „Wandel und Entwicklung ermöglichen - Stabilität für die Zukunft gestalten“ definiert das Konzept, Eckpunkte für eine mittelfristige Finanzplanung der Diözesanhaushalte 2025 – 2030. Wie diese aussehen, erläuterte Generalvikar Dr. Clemens Stroppel und betonte: „Der genannte Prozess bezieht sich ausschließlich auf den Haushalt der 'Diözese im engeren Sinne'  (also nicht auf die Haushalte der Kirchengemeinden) und sieht vor, bis 2030 die Haushaltsansätze schrittweise um insgesamt 50 Mio. Euro (dies entspricht rund 10 % des Haushaltvolumens des Jahres 2021) strukturell, das heißt dauerhaft abzusenken.“

Auf  Basis der vom Diözesanrat beschlossenen und von Bischof Dr. Gebhard Fürst in Kraft gesetzten Pastoralen Schwerpunkte und den ergänzenden pastoralen Leitlinien des Bischofs werden die Budgets der Hauptabteilungen im Bischöflichen Ordinariat und die nicht budgetierten Bereiche des Diözesanhaushalts entsprechend dem prognostizierten Kirchensteueraufkommen so fortgeschrieben, dass die Aufgabenerfüllung der Diözese auch zukünftig gesichert ist. Notwendige Einschnitte in den Budgets werden durch Budgetreste aus den vergangenen Jahren abgefedert.

Alle diese Prozesse laufen in enger Abstimmung zwischen der Diözesanleitung und dem Diözesanrat – sowohl in dessen Funktion als Kirchensteuervertretung als auch als Pastoralrat. „Die Mitglieder des Finanzausschusses haben mit Mitarbeitenden des Bischöflichen Ordinariats und Vertretern aus Pastoral- und Bauausschuss, sowie Nachhaltige Entwicklung  intensiv diskutiert und gemeinsam Vorschläge erarbeitet“, betonte Werner Krahl, Vorsitzender des Finanzausschusses.

Pastoraler Orientierungsrahmen

Aber auch in Zeiten der Reduzierung muss Weiterentwicklung in der Diözese, den Dekanaten und Kirchengemeinden möglich sein. „Diese mittelfristige Finanzplanung bedarf eines pastoralen Orientierungsrahmens. Es geht in den kommenden Jahren nicht nur um finanzielle Reduzierungen, sondern auch um Entwicklung und Gestaltung zahlreicher Handlungsfelder der Pastoral, der Caritas, der Bildung und der Verwaltung“, unterstrich Diözesanratssprecher Dr. Johannes Warmbrunn und verwies auf die vom Diözesanrat beschlossenen Pastoralen Schwerpunkte für Kirchenentwicklung und die ergänzenden pastoralen Leitlinien des Bischofs, die diesen Orientierungsrahmen bieten. In den Pastoralen Schwerpunkten heißt es:

  • Der einzelne Mensch, sein Leben und sein Glaube stehen im Mittelpunkt kirchlichen Handelns.
  • Engagemententwicklung und zeitgemäße  Ehrenamtskultur sind grundlegend für eine partizipative Kirche.
  • In ihrem pastoralen und diakonischen Handeln vernetzen sich kirchliche Orte untereinander und mit gesellschaftlichen Partnern im Dienst des gesellschaftlichen Zusammenhalts in sozialen Räumen.

Die Suche des modernen Menschen nach einem gelingenden und sinnstiftenden Leben ist eine große Herausforderung für die Kirche. „Es braucht Orte und Möglichkeiten der Begegnung und der Gemeinschaft. Die Liturgie soll als Kommunikation mit Gott und Christus erfahrbar werden und die Kirche dort wirksam sein, wo sie die Menschen am meisten brauchen. Durch ihr pastorales und diakonisches Wirken erbringt die katholische Kirche ihren wesentlichen Dienst für die Menschen. Auch deshalb dürfen sich die Reduzierungen nicht negativ auf das pastorale Personal auswirken“, betonte Bischof Fürst.

Durch die vorausschauende mittelfristige Finanzplanung der Diözesanhaushalte 2025 – 2030 ist es unter anderem möglich, die Finanzierung der Stellen des pastoralen Personals auch zukünftig entsprechend der Stellenplanung dauerhaft zu sichern und betriebsbedingte Kündigungen in den direkt im Diözesanhaushalt verankerten Stellen auszuschließen.

Auswirkungen für die Kirchengemeinden

Die rückläufigen Entwicklungen bei der Kirchensteuer betreffen die Kirchengemeinden in gleichem Maße wie die Diözese im engeren Sinne. Die Auswirkungen werden vor Ort jedoch erst zeitversetzt spürbar werden. Das heißt, die Kirchengemeinden müssen schrittweise mit einer in der gleichen Höhe geringer werdenden Steuerzuweisung rechnen. Deshalb ist für die Kirchengemeinden ebenfalls eine mittelfristige Finanzplanung in entsprechendem Umfang erforderlich. Notwendige Umsetzungsschritte werden durch die jeweils zuständigen Verwaltungszentren begleitet.

Das Ziel, als schöpfungsfreundliche Kirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden, muss dabei im Fokus aller Anstrengungen stehen.

Eine Maßnahme dieses Ziel zu erreichen, ist die Überprüfung des gesamten Gebäudebestands in den Kirchengemeinden. Die Kirchengemeinden konzentrieren sich auf die Räume, die für eine diakonisch-missionarische Kirche der Zukunft wichtig und notwendig sind und beziehen dabei die Kirche an vielen Orten und zivilgesellschaftliche Partner ein.

Es sei jetzt Zeit, dieses Ziel mit ausreichend Personal und Finanzkraft umzusetzen, indem Konzepte und Strukturen der Zukunft für eine schöpfungsfreundliche diakonisch-missionarische Kirche geschaffen werden. „Es geht um eine Kirche, die auch im Jahr 2040 ihren Auftrag erfüllt, die von den Menschen wahrgenommen und geschätzt wird, in der Gemeinwesenarbeit, bei der Kinderbetreuung, in der Altenhilfe, bei der Unterstützung von Menschen in Not und vielen weiteren Diensten“, betonte Weihbischof Matthäus Karrer, Leiter der Hauptabteilung Pastorale Konzeption. Gemeinsam mit Prälat Dr. Klaus Krämer (Leiter der Hauptabteilung Kirchliches Bauen) und Robert Hahn (Leiter der Hauptabteilung Kirchengemeinden und Dekanate) stellte Weihbischof Karrer das Projekt „Räume für eine schöpfungsfreundliche und diakonisch-missionarische Kirche“ und damit ihre Vision von einer Pastoral auf dem Weg zur Kirche der Zukunft vor.

Dem nächsten Bischof wird ein Prioritäten- und Posterioritätenprozess mit der Zielperspektive 2040 („Kirchenentwicklung 2040“), der eine inhaltliche Aufgaben- und Strukturanalyse sowohl für die Diözese als auch für die Kirchengemeinden umfasst, empfohlen.

Beschluss des Diözesanrats

Nach intensiven Diskussionen und Beratungen in Kleingruppen, folgte eine ausführliche Aussprache im Plenum. Im Anschluss wurde darüber abgestimmt. Mit großer Mehrheit beschlossen die Rätinnen und Räte in ihrer Funktion als Kirchensteuervertretung das Konzept für die mittelfristige Finanzplanung 2025 bis 2030 der Diözese Rottenburg-Stuttgart unter dem Motto „Wandel und Entwicklung ermöglichen - Stabilität für die Zukunft gestalten". Bischof Fürst bedankte sich für die große Zustimmung und betonte: „Ich werde die Beschlüsse des Diözesanrats unverzüglich in Kraft setzen.“

Auch Diözesanratssprecher Warmbrunn war sehr zufrieden mit dem Ergebnis: „Ich freue mich, dass der Diözesanrat der mittelfristigen Finanzplanung zugestimmt hat. Neben notwendigen Einschränkungen verschaffen wir uns damit die erforderliche Flexibilität, unsere Diözese mit Mut und Entschlossenheit in die Zukunft hinein weiterzuentwickeln. Als wichtigen Prozess sehe ich die Befassung mit unseren künftig noch benötigten Gebäuden, immer nur in Zusammenarbeit mit den beteiligten Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort und unter dem Aspekt der Bewahrung der Schöpfung.“

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