Kirche

Wehmut und Perspektive

Ein Spezialbagger macht sich an der Chorwand der Kirche in Schwarzenbach zu schaffen - Foto: DRS/Waggershauser

Medienvertreter und Gemeindemitglieder verfolgen den Beginn der Abrissarbeiten an der profanierten Schwarzenbacher Kirche St. Felix und Regula.

Zuerst schubst die Schnauze der Baggerschaufel von außen ein Loch in die Chorwand der Schwarzenbacher Kirche. Dann beißen sich die Zähne des Spezialgeräts wie die eines gefräßigen Drachen durch das Mauerwerk des 1959 fertiggestellten Gebäudes. Vertreter von Zeitung, Radio und Fernsehen richten am Donnerstagvormittag ihre Kameras und Mikrofone auf das Geschehen und verfolgen es gebannt. Michael Schlingmann vom Burg- und Heimatverein Neuravensburg filmt mit seiner Drohne von oben. "Das ist nicht alltäglich", gesteht ein Steinmetz, der mit einer Kollegin auf dem Friedhof arbeitet und unvorhergesehen Zeuge des Schauspiels wird.

Da das Dach akut einsturzgefährdet war und auch andere Gebäudeteile sich als statisch instabil erwiesen, entschied sich der Kirchengemeinderat von St. Felix und Regula nach längerem Ringen für einen Neubau. Neben neuen pastoralen Möglichkeiten in einem flexibel bestuhlbaren kleineren Kirchenraum ging es auch darum, die laufenden Kosten für den Unterhalt längerfristig stemmen zu können. Nach dem bewegenden Abschied und der Profanierung der Kirche am 23. Februar packten viele Ehrenamtliche mit an. Sie zerlegten die Orgel und lagerten die Pfeifen wie auch den Altar und den Ambo ein. Sie rissen die Bänke heraus und räumten die Sakristeien leer.

Der alte Kirchturm bleibt erhalten

Während eine Kindergartengruppe staunend beobachtet, wie der Bagger sich am Dach der Kirche zu schaffen macht, äußern erwachsene Passanten gemischte Gefühle. Ein Gotteshaus sei eben doch etwas Besonderes. Erinnerungen an Trauung, Firmung und Festgottesdienste werden wach. Wer aber hinter die Kulissen blicken konnte, wusste schon länger, wie störanfällig und marode die Technik war. Inzwischen ist der Strom abgestellt. Trotzdem zeigt die stehende Turmuhr beim Baggerbiss gegen 9.30 Uhr fast die richtige Uhrzeit an. Der Turm stammt in wesentlichen Teilen von den Vorgängerkirchen und bleibt - künftig freistehend - erhalten.

Den Turm zu stabilisieren und zu sanieren sei eine der ersten Aufgaben, erklärt Architekt Karl Herter, der den Rückbau begleitet. Währenddessen machen sich Archäologen auf Spurensuche nach Resten der alten Kirchen. Das Gerüst, das die Gottesdienstbesucher:innen in den letzten vier Jahren vor dem gefährdeten Dach schützte, sei erst Anfang der Woche ausgebaut worden und die Abbruchgenehmigung sei gerade noch rechtzeitig eingetroffen, sagt Herter. Im Herbst soll dann der Neubau beginnen und im Frühjahr 2027 abgeschlossen sein. Eine Perspektive, für die auch die Zaungäste trotz Wehmut dankbar sind.

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