Katholikentag

Weltkirchliche Oase im Stuttgarter Großstadtdschungel

Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Tobias Döpker

Auf dem Stuttgarter Karlsplatz präsentiert und trifft sich die Eine Welt und macht sich gegenseitig Hoffnung.

Beim „Abend der Begegnung“ wird es plötzlich hektisch im Zentrum Weltkirche auf dem Karlsplatz. Polizisten auf Motorrädern fahren vor. Der Bereich vor dem Stand der ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinde wird von Helfenden des Katholikentags mit blauen Seilen abgesperrt. Personenschützer in dunklen Anzügen und mit Knöpfen im Ohr beziehen Stellung. Dann betreten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper, Bischof Gebhard Fürst und ZDK-Präsidentin Irme Stetter-Karp den Platz.

Das deutsche Staatsoberhaupt erweist der ukrainischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern seine Reverenz und setzt damit ein deutliches Zeichen gegen den russischen Angriffskrieg auf das osteuropäische Land. Darin sind sich alle Besucherinnen und Besucher im Zentrum Weltkirche einig und applaudieren dem Staatsoberhaupt. Schon kurz zuvor hatte der Bundespräsident in seiner Rede zur Eröffnung des Katholikentags klar Stellung zum Ukrainekrieg bezogen und sich direkt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewandt: "Beenden Sie Leid und Zerstörung, ziehen Sie Ihre Truppen zurück und verweigern Sie keine ernsthaften Gespräche mit Selenskyj."

Eine Oase im Stuttgarter Großstadtdschungel

Am nächsten Tag ist wieder „Ruhe“ eingekehrt auf dem Karlsplatz. Der kleine Platz in der Innenstadt ist wie eine Oase im Stuttgarter Großstadtdschungel. Mächtige Bäume umschließen den Platz und dämpfen den Verkehrslärm angenehm. Dominiert wird der Karlsplatz von einem mächtigen Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I. in seiner Mitte. Doch das Bildnis des ersten deutschen Kaisers ist mit einem roten Tuch verhüllt. Die nicht unumstrittene Aktion soll ein Zeichen setzen gegen Imperialismus, Kolonialismus und Ausbeutung.

Auf den Stufen vor dem Denkmal entspannen Katholikentagsbesucher in der Sonne und genießen die Livemusik auf der „Eine-Welt-Bühne“. Dort sitzen sechs Männer und spielen auf ihren Ouds persische Weisen aus ihrer Heimat. Eine Frau genießt mit geschlossenen Augen die besondere Atmosphäre auf dem Karlsplatz. Ihre Füße wippem im Takt der Musik.

Ich mag diese gelöste, sympathische Stimmung hier“, sagt Pfarrer Wolfgang Herrmann, Leiter der Betriebsseelsorge in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Das Zentrum Weltkirche ist ein Novum auf dem 102. Deutschen Katholikentag und soll auch das große weltkirchliche Engagement der Diözese unterstreichen. „Hier trifft sich die Eine Welt und die weltkirchliche Szene“, sagt Wolf-Gero Reichert von der Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Das Zentrum biete dabei einen guten Mix aus Ständen der großen Hilfswerke wie Missio, Adveniat oder Renovabis und Präsentationen von lokalen Gemeindepartnerschaften. „Ich freue mich auch, dass dank des Reisekostenzuschusses unserer Diözese auch viele Gäste aus dem Globalen Süden kommen konnten“, sagt Reichert.

Weltkirchliches Zentrum ist ein Gewinn

Eine von Ihnen ist Marie Kia Banga Bizenga, die Generaloberin der Marienschwestern aus der Diözese Matadi in der demokratischen Republik Kongo. Bereits seit 1989 gibt es die Projektpartnerschaft zwischen der Seelsorgeeinheit Eutingen im Gäu und der kongolesischen Diözese. Ein besonderer Schwerpunkt der Projekte liegt auf der Bildung und der medizinischen Versorgung der Menschen. Dabei sind die Marienschwestern sehr aktiv.

Als Schwester Marie Kia Banga Bizenga vor ein paar Tagen in Deutschland angekommen ist, hatte Sie auch mehrere Kilogramm unbehandelte Erdnüsse im Gepäck. Zusammen mit Walnüssen, Cashewkernen und Chiliflocken haben die Mitglieder des Ausschusses Weltkirche diese vor Beginn des Katholikentags geröstet. „Die Nüsse finden reißenden Absatz. Vier von sieben Eimern sind schon weg“, sagt Hans-Peter Teufel, der Vorsitzende des Ausschuss Weltkirche der Seelsorgeeinheit Eutingen im Gäu. Seine Mitstreiterin Hildegard Krämer-Götz ist fast permanent im Einsatz, um die pikante Nussmischung in kleine Papiertütchen abzufüllen. Von der Stimmung auf dem Karlsplatz ist die ehrenamtliche Mitarbeiterin im Ausschuss Weltkirche total begeistert. „Wir haben viele tolle Begegnungen und hier wird permanent getanzt und gesungen“, schwärmt auch Hans-Peter Teufel. Neben ihrem kongolesischen Projekt hat die Seelsorgeeinheit Eutingen im Gäu auch noch eine Partnerschaft mit einer Gemeinde in Uganda. Für unser Engagement bekommen wir im Abschlussgottesdienst am Sonntag ein Teil des riesigen Martinsmantels – stellvertretend für die Weltkirche“, sagt Teufel.

Auch für Wolfgang Herrmann ist die erstmalige Einrichtung eines weltkirchlichen Zentrums auf einem Katholikentag ein Gewinn. „Wir müssen uns als Weltkirche immer wieder gegenseitig befruchten. Wir leben in ganz unterschiedlichen Welten, haben aber einen gemeinsamen Glauben“, sagt der Betriebsseelsorger. Durch den intensiven Austausch auf dem Karlsplatz nähmen viele Menschen positive Eindrücke von Gemeinden aus der ganzen Welt mit. „Das gibt Hoffnung und lässt die Menschen dabeibleiben. Solche Geschichten sollten wir viel mehr erzählen“, sagt der Betriebsseelsorger.

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