Der Liedanzeiger spielt verrückt. Die klemmende Mechanik der Leuchtziffern an der elektrischen Nummernanzeige, die oben schon ein wenig aus der Wand herausragt, steht sinnbildlich für den letzten Gottesdienst in Christus-Erlöser. Auch die Deckenstrahler, die den Altarraum hell erleuchten sollen, haben offenbar ihren Dienst quittiert. Zur Profanierung dieser Kirche, die meine Jugendkirche war, bin ich – obwohl ich schon seit 35 Jahren nicht mehr hier wohne – am Vorabend des Christkönigsfestes nach Botnang gekommen. Die Nachricht von der Entwidmung hat sich auch unter ehemaligen Botnangern schnell verbreitet.
„Jesus Christus ist der Felsen“, ein Lied von Henry Purcell, für das John Rutter eine festliche Choral-Bearbeitung schuf, singt der Kirchenchor zu Beginn. Die Kirche ist fast voll besetzt, als Werner Laub, Leitender Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-West/Botnang und stellvertretender Stadtdekan, und Pater Gregor Kosielski, langjähriger Seelsorger im Stadtteil, mit zahlreichen Ministranten einziehen. Ja, so kannte ich meine Erlöser-Kirche: sonntags immer so voll, dass Herr Lauzana, der Mesner, den großen Ventilator einschalten und die Kirchentüren aufmachen musste, damit die Leute Luft kriegten. Inzwischen ist die Zahl der Katholiken in den großen Siedlungen Laihle und Spitalwald, für die die Kirche 1971 gebaut wurde, deutlich zurückgegangen.








