Junge Menschen sind für die Gremienarbeit in den Kirchengemeinden oft schwer zu finden. Doch in einigen Kirchengemeinden ist es gelungen, junge Menschen unter 27 Jahren als Jugendvertreter:innen in den Kirchengemeinderat (KGR) zu wählen, in dem sie dann oft eine Sonderrolle einnehmen. Aus diesem Grund haben die Jugendreferate Esslingen-Nürtingen, Göppingen-Geislingen und Böblingen zu einem Austauschtreffen für U27-KGRler:innen in die Art Factory in Wendlingen eingeladen.
Gemeinsam mit den beiden Dekanatsjugendseelsorger:innen Stefanie Walter aus dem Dekanat Esslingen-Nürtingen und Philipp Strauß aus dem Dekanat Göppingen-Geislingen bereiteten Anthony Di Paola und Ann-Kathrin Nicolai von der Art Factory ein kreatives Programm zum Austausch und zur Reflexion vor. Die ArtFactory als kreativer Ort wurde dabei von den Initiator:innen bewusst gewählt, um hinaus aus dem Kontext der Kirchengemeinde zu gehen und sich kreativ an diesem Ort inspirieren zu lassen.
In so kurzer Zeit ist bereits viel passiert
Schon bei einer bunten, malerischen Vorstellungsrunde wurde deutlich, wie wichtig es für die jungen Menschen ist, auf Gleichgesinnte zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Sie zögerten so nicht, direkt am Anfang von ihren Erfahrungen im Gremium zu berichten und ihre jeweiligen Situationen zu schildern. In einem ersten Schritt schauten die Teilnehmer:innen auf die vergangenen Monate seit der Wahl im März zurück. Auf dem dadurch entstandenen Zeitstrahl wurde deutlich, wie viel in den verschiedenen Gremien in so kurzer Zeit bereits passiert ist: Konstituierende Sitzung, Tag der Räte, Haushaltsberatungen, Austauschtreffen zum Prozess „Kirche der Zukunft“ oder der Start des Jugendausschusses wurden genannt, aber auch lokale Events wie Patrozinium und Maientag. Erst in dieser gesammelten Menge wurde deutlich: In den verschiedenen Kirchengemeinden ist ganz schön viel los – und es passiert echt viel Gutes.
Besondere Rolle in den Gremien
Bei all dem Erlebten sind junge Menschen oft in einer besonderen Rolle und Funktion in ihren Gremien tätig. Auf einer ausgerollten Tapete durften sich die Teilnehmer:innen anschließend kreativ austoben und sich zu Fragen wie „Was ist deine Rolle im KGR?“, „Was ist deine Motivation für dieses Amt?“ oder „Was feierst du an deiner Kirchengemeinde?“ kreativ reflektieren. Es wurde deutlich, dass die jungen Menschen ihr Engagement in der Kirchengemeinde grundsätzlich als wertvoll erleben, sie aber von außen manchmal doch auch Grenzen spüren. In einem waren sich alle einig: Den Satz „Das haben wir schon immer so gemacht“ haben alle schon zu oft gehört und wollen ihn in Zukunft nicht mehr hören. Auch vom Gefühl „nur Dekoration“ im Kirchengemeinderat zu sein berichtete ein junger Teilnehmer.
Kirche aktiv mitgestalten
Am Ende des Tages steckten sich die jungen Menschen ihre Ziele für die kommende Zeit im Kirchengemeinderat. Die große Motivation der jungen Menschen, ihre Kirche aktiv mitzugestalten, wurde dabei deutlich, denn sie nehmen sich richtig viel vor: Von verschiedenen Ideen für Jugendangebote bis hin zur Verbesserung der Sitzungskultur im KGR war dort vieles dabei. Zum Ende waren sich alle einig: „Alles wird gut: Solange es so engagierte junge Leute wie uns gibt, sieht die Zukunft der Kirche gut aus.“ Sich gegenseitig kennenzulernen, von anderen zu hören und sich gegenseitig zu stärken sind – so war den Wortmeldungen zu entnehmen – dabei aber wichtige Möglichkeiten für junge Menschen, um die Hoffnung darauf nicht zu verlieren und weiterhin motiviert engagiert zu bleiben. Der Wunsch nach einem weiteren Austauschtreffen wurde bei der Verabschiedung aus der Art Factory so auch deutlich spürbar.



