Kirche

"Wichtiges Zeichen der Ökumene"

Der bulgarisch-orthodoxe Metropolit von West- und Mitteleuropa Antonii bei der Vertragsunterzeichnung. Bild: Stadtdekanat Stuttgart

Die katholische Kirche in Stuttgart hat die Kirche St. Bonifatius in Steinhaldenfeld an die bulgarisch-orthodoxe Kirche verkauft.

Die Kirche ist bereits seit sechs Jahren die Heimat der bulgarisch-orthodoxen Gemeinde, die das Gotteshaus seit Oktober 2017 angemietet hatte. Der bulgarisch-orthodoxe Metropolit von West- und Mitteleuropa Antonii, der für den Vertragsabschluss nach Stuttgart gereist war, freut sich: "Es ist die erste Kirche in Deutschland, die wir erwerben konnten. Damit hat die bulgarisch-orthodoxe Gemeinde in Stuttgart einen festen Ort für ihre Gottesdienste und für ihr Gemeindeleben."

Der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes sieht den Verkauf als ein Zeichen der Ökumene. "Wir freuen uns, dass die Kirche als sakraler Ort erhalten bleibt und weiter für Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern genutzt wird. Wir haben in ökumenischer Verbundenheit eine gute Lösung gefunden."

Die Kirche verkauft hat die katholische Gemeinde St. Bonifatius, die das Gotteshaus seit 2016 nicht mehr für ihre Gottesdienste nutzt. Gottesdienstort für die Ortsgemeinde und auch für die polnische katholische Gemeinde ist die größere Thomaskirche, die ebenfalls in Steinhaldenfeld liegt.

 

Die Kirche bleibt als geweihter Ort erhalten, das war dem Kirchengemeinderat und auch den anderen Beteiligten wichtig. Pfarrer Ludwig-Frank Mattes

 

"Wir sind eine Gemeinde mit 850 Katholiken und zwei Kirchen. Angesichts der sinkenden Mitgliederzahlen müssen auch wir unseren Immobilienbestand reduzieren", sagt Winfried Brand, der gewählte Vorsitzende der Kirchengemeinde St. Bonifatius. Den Verkauf an die bulgarisch-orthodoxe Gemeinde sieht auch der leitende Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Ludwig-Frank Mattes als eine gute Lösung. "Die Kirche bleibt als geweihter Ort erhalten, das war dem Kirchengemeinderat und auch den anderen Beteiligten wichtig."

Stadtdekan Hermes spricht von einem wichtigen Schritt: „Als katholische Kirche in Stuttgart sind wir bereits seit mehr als zehn Jahren dabei, unseren Immobilienbestand systematisch zu reduzieren und den tatsächlichen Bedürfnissen der Gemeinden anzupassen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Wir suchen in jedem Einzelfall nach guten Lösungen. Im Fall von St. Bonifatius ist es uns eine große Freude, auf diesem Weg die Ökumene mit den verschiedenen Kirchen der Orthodoxie zu stärken. Ich hoffe, dass die Kontakte bestehen bleiben.“

Gottesdienstbesucher nehmen weite Strecken auf sich

Die bulgarisch-orthodoxe Gemeinde Hl. Kyrill und Methodii feiert bereits seit Oktober 2017 ihre Sonntagsgottesdienste in St. Bonifatius, angeboten werden in regelmäßigen Abständen auch Gottesdienste am Samstagabend. Darüber hinaus finden Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern in der Kirche statt. Allein im vergangenen Jahr feierte die Gemeinde 40 Taufen in der Kirche in Steinhaldenfeld.

Die Gottesdienstbesucher kommen nicht nur aus Stuttgart und der Region, sondern nehmen auch größere Entfernungen in Kauf. Entsprechend ist Vater Sergii Nenov, der bulgarisch-orthodoxe Gemeindepfarrer, nicht nur in Stuttgart, sondern in ganz Baden-Württemberg seelsorgerlich unterwegs und feiert auch an anderen Orten Gottesdienste.

Mit der Übernahme der Kirche sollen im Innenraum neue Ikonen aufgestellt werden. Auch sind bauliche Veränderungen im Kirchenraum geplant, freilich ohne dass zum Beispiel die Reliquien im Altar angetastet werden. Mit dem Verkauf bekommt die Bonifatiuskirche auch einen neuen Namen: Bulgarisch-orthodoxe Kirche der Heiligen Bonifatius, Kyrill und Methodii.

Einweihungsfeier mit dem Metropoliten im nächsten Jahr

Eine größere Einweihungsfeier ist im nächsten Jahr geplant, wenn die Umbauten abgeschlossen sind. Zu diesem besonderen Gottesdienst wird dann auch der Metropolit Antonii wieder anreisen. "Ich freue mich schon sehr auf diese Gottesdienstfeier, zu der wir die orthodoxen Gläubigen aus ganz Baden-Württemberg und natürlich auch die Stuttgarter Katholiken einladen werden."

Der Metropolit ist zuversichtlich, dass die bulgarisch-orthodoxe Gemeinde in der Landeshauptstadt weiter wachsen wird. Er schätzt, dass in Baden-Württemberg derzeit rund 10 000 bulgarisch-orthodoxe Gläubige leben. "Durch die Arbeitsmigration kommen immer mehr Bulgaren in die wirtschaftsstarke Region Stuttgart."

Zur Kirche St. Bonifatius

Die Bonifatiuskirche wurde am 7. Juli 1935 von Bischof Johann Baptist Sproll geweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zweimal getroffen: bei einem Fliegerangriff im April 1943 und einem weiteren im Februar 1944. Wiederaufgebaut werden konnte das Gotteshaus im Jahr 1947 dank der Unterstützung vieler Menschen aus der Gemeinde.

Im Jahr 1956 wurde St. Bonifatius zur selbständigen Kirchengemeinde ernannt, zuvor hatte die Gemeinde zu Hofen gehört. Inzwischen sind St. Barbara in Hofen und St. Bonifatius längst wieder in der Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna vereint, zu der auch die Gemeinden St. Johannes Maria Vianney in Mönchfeld, St. Augustinus in Neugereut, Heilig-Kreuz im Sommerrain, sowie die polnische Gemeinde gehört.

Insgesamt zählt die Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna 7600 Katholikinnen und Katholiken.

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