Brauchtum

Wie in alten Zeiten

Erzbischof Gänswein sitzt mit einem roten Rauchmantel in der schwarzen geschmückten Kutsche vor der Basilika.

Festgast Erzbischof Dr. Georg Gänswein nimmt in einer festlich geschmückten Kutsche am Sankt-Georgs-Ritt teil - Foto: DRS/Waggershauser

Erzbischof Georg Gänswein feiert mit den Ochsenhausenern seinen und ihren Patron in Festgottesdienst und Reiterprozession.

Die Freude war nicht nur Pfarrer Sigmund F.J. Schänzle ins Gesicht geschrieben, als der 46. Sankt-Georgs-Ritt nach Aufhebung der Coronabeschränkungen wieder in großem Stil möglich war. Die letzten beiden Jahre zog er mit nur einem Begleiter hoch zu Ross durch die Fluren. Da der Priester im September nach Zwiefalten wechselt, war er letztmals für die Feier verantwortlich. Mit Erzbischof Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses im Vatikan, konnte er einen hochrangigen Prediger und Reliquienträger gewinnen und dankte „dem so hohen Besuch in so einer Kleinstadt wie Ochsenhausen.“

In Gänsweins Predigt beim Pontifikalamt in der St.-Georgs-Basilika ging es nicht um Pferde oder Drachen, wie sie in der Georgslegende vorkommen. Ausgehend vom Lesungstext aus dem Buch der Offenbarung erklärte der im badischen Riedern am Wald aufgewachsene Erzbischof das Bild vom Lamm Gottes. Als der römische Kaiser Trajan sich wie ein Gott verehren ließ, habe der Evangelist Johannes, der Autor des Textes, die Christen damals ermutigt standhaft zu bleiben und sich dem Kaiserkult zu verweigern. Jesus Christus, den das Lamm am Thron Gottes symbolisiere, sei im Gegensatz zum Kaiser gewaltlos, setze sich für die Menschen ein und stehe für ewiges Leben über den Tod hinaus.

Die Pläne Gottes annehmen

Parallelen zu heutigen Machthabern und zum Umgang mit ihnen zog der Gast aus dem Vatikan, rechte Hand der Päpste Benedikt XVI. und Franziskus, dabei nicht. Er griff aber als zweites Bild das von Jesus Christus als dem guten Hirten aus dem Evangelium auf. Ihm zu vertrauen bedeute anzuerkennen, dass sein Horizont weiter sei als unser Denken. „Unsere Lebenserfahrungen sind nur Augenblickserlebnisse“, betonte Gänswein. So könne man nicht gegen Gottes Pläne leben, sondern müsse sie annehmen. Das bedeute aber durchaus auch mitzusorgen und Verantwortung zu übernehmen.

In der wieder ohne Abstände voll besetzten Kirche sang der Kirchenchor in Begleitung von Bläsern unter Leitung von Dekanatskirchenmusiker Thomas Fischer und viele Ministrantinnen und Ministranten säumten den Altar. „Dunkle Mächte droh'n uns allen“, hieß es am Ende im örtlichen St.-Georgs-Lied, das an Gedanken aus der Predigt erinnerte. „Hilf uns streiten, hilf uns siegen, dass wir nicht im Kampf erliegen“, lautete daher die Bitte an den Patron. Als der Sankt-Georgsritt um 12 Uhr mit der Übergabe der Kreuz- und St. Georgsreliquie an Erzbischof Gänswein in der Kutsche begann, ließen sich zumindest die dunklen Regenwolken zum Rückzug bewegen und machten sogar einigen Sonnenstrahlen Platz.

Eindrücke vom Beginn des Sankt-Georg-Ritts

Etwa 400 Reiterinnen und Reiter zogen am Sonntag, 8. Mai, durch die Stadt Ochsenhausen und die umliegenden Fluren. Pastoralreferent Karlheinz Bisch übergab die Kreuz- und St. Georgsreliquie an Erzbischof Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses im Vatikan. Dieser fuhr in der Kutsche zum Busbahnhof, wo er die ersten Gruppen segnete und sich dann mit der Kutsche in die Prozession einreihte. Zahlreiche Musikkapellen begleiteten die Teiterinnen und Reiter.

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