Die Kampagne „Politik auf 13 Quadratmetern“ leistet einen sichtbaren Beitrag für mehr politische Teilhabe in Württemberg. Unter Federführung der Hauptabteilung „Kirche und Gesellschaft“ des Bischöflichen Ordinariats der Diözese Rottenburg-Stuttgart richtet sich das Projekt gezielt an benachteiligte und unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen – und bietet so einen Raum, in dem ihre Stimmen gehört werden.
Viele Begegnungen und Gespräche
Derzeit gastiert die Kampagne noch bis zur Landtagswahl am Sonntag, 8. März, im „Begegnungsraum“ der evangelischen Gesellschaft in der Breitscheidstr. 2f in Stuttgart-Mitte und lädt täglich zwischen 12:00 und 14:30 Uhr zum Dialog ein. Nach Aufenthalten in Ludwigsburg, Biberach, Ravensburg, Rottweil, Tuttlingen, Schönaich, Rottenburg, Reutlingen und Böblingen ist Stuttgart die letzte Station ihrer Tour durch die württembergische Diözese, und Kampagnenleiterin Dr. Sarah Köhler, Referentin für Gesellschaftspolitik und Demokratieförderung in der Hauptabteilung „Kirche und Gesellschaft“, stellt fest: „Nach den guten Erfahrungen, die wir in den vergangenen Monaten machen durften, erhoffen wir uns auch in Stuttgart viele Begegnungen und Gespräche mit ganz unterschiedlichen Menschen.“
Vielfalt repräsentieren
Adressiert werde das sogenannte „Unsichtbare Drittel“ der Gesellschaft, sagt Köhler und erläutert, dass dieser Begriff aus einer Studie der gemeinnützigen Organisation „More in Common“ stammt, die in ihrer sozialpsychologischen Forschung darunter Bevölkerungsteile zusammenfasst, deren Angehörige überdurchschnittlich einsam sind und eine große Distanz sowohl zum politischen System als auch zu ihren Mitmenschen empfinden. „In der Einbindung dieses ‚Unsichtbaren Drittels‘ liegt eine zentrale Aufgabe für Politik und Zivilgesellschaft – aber eben auch für uns als katholischer Kirche. Denn ein Gemeinwesen, das nur wenige Menschen wirklich beteiligt, kann langfristig nicht für sich in Anspruch nehmen, die Vielfalt der Gesellschaft angemessen zu repräsentieren“, hält Köhler fest.
Ungezwungene Möglichkeit
Vor diesem Hintergrund bieten sie und die beteiligten Akteur:innen bei „Politik auf 13 Quadratmetern“ eine geschützte, offene und ungezwungene Möglichkeit zum Austausch. „Dabei leitet sich der Name ‚Politik auf 13 Quadratmeter‘ davon ab, dass die wirklich interessanten Gespräche doch meistens zuhause am Küchentisch stattfinden und die durchschnittliche deutsche Küche eine Grundfläche von 13 Quadratmetern hat“, sagt Köhler. Die Kampagne wird an den Standorten von unterschiedlichen kirchlichen, zivilen und gesellschaftlichen Gruppen durchgeführt. Darunter sind unter anderem die Omas gegen Rechts, die katholische Betriebsseelsorge und Erwachsenbildung, der Deutscher Gewerkschaftsbund Baden Württemberg, Regionalbündnisse für Vielfalt sowie Partner:innen aus dem Landesbündnis für Demokratie und Menschenrechte Baden-Württemberg, in dem die Diözese Gründungsmitglied ist.
Riesiges Bedürfnis nach Mitsprache
In einem ersten Schritt wolle es die Kampagne ermöglichen, die gesammelten Meinungen zur Landtagswahl sichtbar zu machen. „Nach der Wahl wird es dann darum gehen, Formate zu entwickeln, die die Menschen neu an der Demokratie teilhaben lassen und zu Veränderungen vor Ort führen können. Wir müssen analoge Wege finden für einen breiten gesellschaftlichen Austausch. Dazu leistet unsere Kampagne einen Beitrag“, sagt Köhler. In den bisherigen Gesprächen sei es beispielsweise darum gegangen, was sich im Lebensumfeld verändern oder was passieren müsste, damit Menschen wieder Vertrauen in die Politik fassen. „Die Antworten werden anonym gesammelt und sollen in den Austausch mit Entscheidungsträgern vor Ort einfließen“, erläutert Köhler und fasst zusammen, dass die seit vergangenem September im Rahmen der Kampagne gemachten Erfahrungen verdeutlichten, dass es einerseits ein „riesiges Bedürfnis nach Begegnung, Beteiligung und Mitsprache gibt“, andererseits jedoch die dafür geeigneten Orte fehlten. „Hier setzt unsere Kampagne an, indem sie Wissen darüber sammelt, welche Angebote von den Menschen konkret gebraucht und nachgefragt werden.“




