Ein Ort, an dem man respektiert wird – so empfindet Hamza Aleik aus dem Libanon das neue Eugen-Bolz-Wohnheim der Diözese in Weingarten. „Wir kommen aus verschiedenen Kulturen, aber wir teilen dieselben menschlichen Werte“, sagte der Mechatronikstudent an der Hochschule Ravensburg-Weingarten bei der Einweihung des Neubaus am Freitag vor geladenen Gästen. Er gehört zu den 40 ersten studentischen Bewohner:innen der insgesamt 188 Zimmer – wie auch Elena Keyser. Die frisch gewählte Vertreterin einer Wohngruppe mit je 15 oder 16 Zimmern à zwölf Quadratmetern betonte das starke Wir-Gefühl im Haus, denn studieren sei mehr als schlafen und lernen.
Wohnheim als Ort der Begegnung
Die Begegnung einer bunten Gesellschaft hatte Weihbischof Matthäus Karrer bereits in seinem Grußwort als Ziel des Bauherrn genannt. Dabei wollte die Diözese vor ein paar Jahren aus dem studentischen Wohnen aussteigen, bemerkte der Leiter der Hauptabteilung Pastorale Konzeption. Ihr ist auch die pädagogische Heimleiterin, Pastoralreferentin Tabea Maillet, zugeordnet, die durchs Programm führte. In den Augen des Weihbischofs hat sich die Bemühung im Diözesanrat für den Verbleib im Bereich der Wohnheime und um den Neubau in Weingarten gelohnt - wenn auch mit dem Kompromiss, dass die Einrichtungen sich finanziell selbst tragen müssten.
Bauweise von der Natur abgeschaut
Bevor Karrer um den Segen Gottes für Gebäude, Bewohner:innen sowie Mitarbeitende bat und die Gemeinschaftsräume mit dem Raum der Stille und exemplarisch eine der Wohngruppen mit Weihwasser besprengte, skizzierte Architekt Andreas Cukrowicz aus Bregenz seine Gedanken zum Gebäude. Er bezog sich auf Zitate des Namensgebers, die an der Außenfassade zu lesen sind. Der Katholik und ehemalige württembergische Staatspräsident Eugen Bolz wurde im Januar 1945 von den Nazis hingerichtet. Geradlinigkeit, Konsequenz und Gottvertrauen soll laut Cukrowicz auch die Architektur ausdrücken. Die Holzbauweise auf Stützen sei von der Natur des umgebenden Parks abgeschaut. Über dem schwarz gehaltenen massiven Erdgeschoss prägen hoffnungsvolle Farben die Wohnbereiche.
An den Moment, als die ersten vorgefertigten Zimmermodule am Kran hingen oder als die Bäume für die beiden Lichtinnenhöfe einschwebten, erinnerte sich Johannes Schellinger noch gut. „Sie befinden sich in einem der modernsten und nachhaltigsten Gebäude der Diözese“, erklärte der stellvertretende Abteilungsleiter der Grund- und Bauverwaltung im Blick auf die 2040 angestrebte Klimaneutralität. Das 1963 errichtete Vorgänger-Wohnheim habe starke Mängel und ein nicht mehr zeitgemäßes Raumkonzept gehabt, was eine Kernsanierung nur teilweise hätte beheben können. So sei es nach den Worten Schellingers 2018 zum Neubaubeschluss und 2022 zum Architektenwettbewerb gekommen. Nach dem Rückbau ging 2023 der Bauantrag bei der Stadt ein.
Stadt wünscht zusätzliches Stockwerk
„Dies ist ein guter Tag für Weingarten“, freute sich Bürgermeister Alexander Geiger. Er dankte der Diözese, dass sie für studentischen Wohnraum weiterhin Verantwortung übernehme. Er wünsche sich, dass die Begegnungsmöglichkeiten im Neubau die Verbindung zwischen Studierenden und Stadtgesellschaft verstärkten. Neben Delegationen der Diözesanverwaltung, des Diözesanrats und aller am Bau Beteiligten nutzten auch Vertreter:innen anderer Einrichtungen auf dem Martinsberg sowie einige Nachbar:innen die Gelegenheit, nach einem Stehempfang die Räumlichkeiten zu besichtigen. Vom zusätzlichen vierten Obergeschoss, um das die Stadt gebeten hatte und das noch unbewohnt ist, genossen sie den Blick auf die Basilika und ins Schussental.
Weitere Informationen zum Eugen-Bolz-Wohnheim, zur Bewerbung auf die Zimmer und zum Kontakt mit der pädagogischen Heimleitung.





















