Ordinariatsrätin Karin Schieszl-Rathgeb würdigte die Arbeit als „gelebte katholische Soziallehre“ und als „Ausdruck eines Christentums, das sich nicht abgrenzt, sondern öffnet: Menschen übernehmen Verantwortung – für Verständigung, für Respekt, für das Zusammenleben in einer religiös und kulturell vielfältigen Gesellschaft“. Vor zehn Jahren wurde die Islamberatung seitens der Akademie der Diözese im Verbund mit der Hochschule für Öffentliche Verwaltung Kehl und als Modellprojekt der Robert-Bosch-Stiftung gestartet. Inzwischen wird sie vom baden-württembergischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration gefördert.
Mit der Islamberatung besteht für Kommunen, Bildungseinrichtungen, Wohlfahrtsverbände, kirchliche sowie muslimische Gemeinden und Vereine ein kostenfreies Beratungsangebot. Seit 2015 wurden rund 280 Beratungen durchgeführt, nicht selten entstanden daraus längerfristige Prozessbegleitungen. Inspiriert von dem baden-württembergischen Modellprojekt wurden zudem auch in anderen Bundesländern Islamberatungen entwickelt.
„Der Moscheebau, der öffentliche Gebetsruf, die Frage nach dem Platz von Religion im kommunalen Raum – das alles sind Debatten, die viele Menschen bewegen“, erklärte Schieszl-Rathgeb. Die Stärke der Islamberatung liege darin, dass sie Konflikte nicht zuschütte, sondern aushalte und gemeinsam mit den Beteiligten an tragfähigen Lösungen arbeite. „Zugleich geht es nicht nur um Problemlösung, sondern auch um Qualifizierung: Die Islamberatung stärkt Akteur:innen in Kommunen, Sozialarbeit, Pflege, Bildung und Verwaltung – mit Wissen, mit Dialogkompetenz, mit Handlungssicherheit“, sagt die Ordinariatsrätin und Leiterin der Hauptabteilung "Kirche und Gesellschaft" im Bischöflichen Ordinariat der Diözese. Gleichzeitig gelte: „Dort, wo das Wissen über islamische Glaubenspraxis, über muslimische Verbände, über gesellschaftliches Engagement wächst, dort verschwinden die pauschalen Bilder. Dort beginnt Verständigung. Dort kann Vertrauen entstehen.“
Beim Jubiläum berichteten unter anderen der langjährige Leiter der Islamberatung, Dr. Hussein Hamdan, und Volker Nüske von der Robert-Bosch-Stiftung über die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der Islamberatung. Natascha Garvin (Friedrichshafen/Dornbirn) und Fatma Gül (Stuttgart) informierten über die Bedeutung der Islamberatung für die kommunale Integrationsarbeit. Eine wachsende Herausforderung sei unter anderem die kultur- und religionssensible Pflege muslimischer Menschen und Fragen rundum die muslimische Bestattung.



