An die Geschosshülse einer Panzerkanone erinnern die Zeitkapseln, die aus den Turmkugeln an der Spitze der Doppeltürme geborgen wurden. Mit einem großen Rohrschneider, der aussieht wie ein überdimensionaler Dosenöffner, rückten Klempnermeister Thomas Mezödi und Florian Geier, Chef der Flaschnerei Stelzer, den beiden Kupferzylindern zu Leibe. Der alte Brauch, Aufzeichnungen und Zeitungsseiten und manchmal auch Bilder, Münzen und andere Gegenstände in Zeitkapseln einzuschließen, um der Nachwelt Informationen über den Zustand der Kirche bei früheren Renovierungen und andere Zeitdokumente zu hinterlassen, sorgte für knisternde Spannung, als sich Mitglieder der Kirchengemeinde und Verteter aus Politik und Stadtverwaltung in der Ignatiuskapelle über dem Chor der Schönenbergkirche versammelten, um den Zeitkapseln eben diese Geheimnisse zu entlocken.
Mit „Salve Regina" ist das größte Dokument überschrieben, das Pater Anton Wölfl aus dem eingerollten Papierbündel der Nordturm-Zeitkapsel entfaltete. In tadelloser Druckschrift informiert das Dokument von August 1929 darüber, dass „zu Gottes und Unserer Lieben Frau vom Schönenberg Ehre [...] unter dem H.H. Pfarrer Karl Reeb vom Schönenberg im Jahre 1928 das stark gefährdete Dachwerk der Kirche gründlich ausgebessert u. das Dach neu gedeckt" wurde. Im folgenden Jahr seien die beiden Türme „angerüstet" worden, um Holz- und Mauerwerk auszubessern und den Putz zu erneuern. Kostenpunkt: 100.000 Goldmark. Fast ein bisschen stolz verkündet die Urkunde auch, dass „trotz grosser Geldknappheit und vernichtendem Hagelschlag in der näheren Umgebung [...] die Mittel bis jetzt durch freiwillige Gaben aufgebracht worden" seien. Auch die ausführenden Firmen sind aufgelistet.






