Gottesdienst

Zu Orgelklängen, Taizésongs und Beatles

Im bläulich beleuchteten Chorraum stellt der Diakon mit Zivilkleidung und Stola die Monstranz auf den Tabernakel. Vor dem linken Seitenaltar sitzt die Band.

Diakon Michael Bächle stellt die Monstranz auf den Tabernakel - Foto: DRS/Waggershauser

Die "Holy Hour" in Wolpertswende gibt Impulse und lässt Zeit zum Nachdenken an verschiedenen Stationen in St. Gangolf.

"Prüft alles und behaltet das Gute." Während Diakon Michael Bächle das Thema des Abends erläutert, schlüpfen die letzten der etwa 40 Mitfeiernden durch das Hauptportal. Im nur von Kerzen erleuchteten Kirchenschiff suchen sie sich eine freie Bank. Der Chorraum hinter Bächle ist mit LED-Strahlern in blaues Licht getaucht. Der Diakon mit Zivilberuf in der Seelsorgeeinheit Westliches Schussental spricht davon, das Gute zu erkennen und festzuhalten sowie Belastendes loszulassen. "Möge diese Stunde Ihnen Kraft, Orientierung und Vertrauen schenken", gibt er den Menschen aus allen Generationen mit für die "Holy Hour", die heilige Stunde.

Nach organisatorischen Hinweisen holt Bächle eine konsekrierte Hostie aus dem Tabernakel und setzt sie in die goldene Monstranz ein. Diese stellt er in eine Nische mitten im Hochaltar und schaltet das Licht an. Während er sich davor auf eine Bank setzt und meditiert, kommen später weitere Gläubige nach vorne und werfen Fürbittzettel in eine Glasschale. Andere lassen sich in der rechten Seitenkapelle von einem Bild inspirieren. Es zeigt einen Menschen beim Ausmisten einer Schublade. Daneben heften sie an einer Tafel unter "kann weg" Stichwörter wie Perfektionismus und schlechte Gewohnheiten. Freundschaften und Hilfsbereitschaft jedoch "soll bleiben".

Musik, Texte und Stille

Diejenigen, die die Dinge lieber in die Hand nehmen, können in der linken Seitenkapelle Stoffe, Watte oder Schmirgelpapier in geschlossenen Kartons ertasten. Das Vorbereitungsteam unterbricht die persönliche Besinnung mit Texten und Impulsen während einer Stille. Geprägt ist die Holy Hour aber ansonsten durch die Musik Während Musiklehrer und Organist Hans Georg Hinderberger nur zweimal zu seinem Instrument auf der Empore hinaufsteigt, begleitet er zusammen mit Perkussion und Gitarre die beiden Sängerinnen am Keyboard. Neben Taizéliedern zum Mitsingen erklingen auch Popsongs mit christlichen Assoziationen wie "Let in be" von den Beatles.

Musizierende und Mitfeiernde kommen nicht nur aus Wolpertswende und der Seelsorgeeinheit. Nadine Weißhaupt, die während ihres Lehramtsstudiums in Musik Gesangsunterricht hatte, brachte ihren Mann aus Meckenbeuren und ihre Eltern aus Ebersbach-Musbach mit. "Die Musikauswahl fand ich heute modern und die Zeit zum Reflektieren tat gut", sagt Dominik Weißhaupt danach vor der Kirche. "Ich finde die Texte und Impulse sowie die Beleuchtung sehr schön", freut sich Jutta Meusburger. Und ihr Mann Wolfgang ergänzt, dass er die Stille genieße. "Einfach nichts denken." Das Team um Bächle und Hinderberger organisierte die Holy Hour nun bereits zum achten Mal - "ein Format, das auch Menschen anspricht, die sonst nicht kommen", wie der Diakon es formuliert.