In Seelsorgeeinheiten der Diözese läuft derzeit die Arbeit in Zukunftsausschüssen des Projekts „Räume für eine Kirche der Zukunft“. Die Kirchengemeinden einer Seelsorgeeinheit stellen die Vertreter:innen der Ausschüsse, deren Ziel es ist, alle nötigen Informationen zu sammeln und aufzuarbeiten, um ihre beheizten, nicht-sakralen Gebäudeflächen um 30 Prozent zu reduzieren und bis 2040 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen.
Eine große Chance
Auch Veronika Rais-Wehrstein aus Nagold ist in ihrer Tätigkeit als Diözesanrätin immer wieder mit dem Projekt befasst. Die ihr bekannten Ausschüsse seien klug zusammengesetzt und mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen gemischt, die auch den notwendigen baulichen Sachverstand mitbrächten, sagt sie und ergänzt: „Wichtig in der Ausschussarbeit ist für mich eine klare Definition, wohin die jeweilige Seelsorgeeinheit und diese Kirche, die uns allen wichtig ist, in Zukunft hinwill. Das muss in der Ausschussarbeit an erster Stelle stehen. Und genau darin sehe ich auch eine große Chance für uns liegen.“ Dabei verweist Rais-Wehrstein auf die Bedeutung dessen, alle Gemeinden einer Seelsorgeeinheit gleichberechtigt in der Ausschussarbeit mitzunehmen und zu beteiligen.
Viele Menschen aus allen Gemeinden aktiv einzubeziehen
Ein Blick auf die Arbeit zweier Zukunftsausschüsse zeigt, wie die Arbeit vor Ort erfolgreich gelingen kann. Nicht weit von Horb entfernt hat so Dorothea Sauter den Vorsitz des zwölfköpfigen Ausschusses in der Seelsorgeeinheit Steinlach-Wiesaz im Dekanat Rottenburg inne. Nach rund einem halben Jahr sollen dort im Januar Entscheidungen getroffen werden. Derzeit gehe es noch darum, den einzelnen Kirchengemeinderäten die vom Ausschuss geleistete Vorarbeit zu präsentieren, beschreibt Sauter den Stand der Dinge. Bei der Frage, mit welchen Optionen das Einsparziel von 30 Prozent der beheizten Flächen zu erreichen ist, sei mit Blick auf die Belegungspläne und die Größe der einzelnen Häuser in ihrer Seelsorgeeinheit schnell klar geworden, wohin der Weg geht, sagt Sauter. Dabei habe es die Vorentscheidung im Zukunftsausschuss gegeben, dass es in Mössingen als Zentrum der Seelsorgeeinheit keine Veränderungen geben soll. Ein für sie ebenfalls zentraler Punkt in dem Prozess ist es, möglichst viele Menschen aus allen Gemeinden aktiv einzubeziehen, um so die nötige Akzeptanz für die vorgeschlagenen Lösungen zu schaffen, sagt Sauter. In der Seelsorgeeinheit Steinlach-Wiesaz seien bereits zehn Prozent des vorgegebenen Mindesteinsparziels durch den Verkauf von Immobilien realisiert. Um die verbleibenden 20 Prozent umzusetzen, gebe es in Anbetracht der Vorentscheidung des Zukunftsausschusses drei Möglichkeiten. „Die favorisierte Option beinhaltet den Verkauf eines weiteren Gebäudes, die rentierliche Vermietung des Obergeschosses eines weiteren Hauses und die kooperative Nutzung einer dritten Immobilie“, sagt Sauter. Hierzu sei bereits eine schriftliche Absichtserklärung mit dem anvisierten Kooperationspartner erarbeitet und verabschiedet worden.
Eine hohe Motivation
Das zweite Beispiel zeigt die Arbeit des Zukunftsausschusses in der Seelsorgeeinheit „Oberes Nagoldtal“ im Dekanat Calw, der im September seine Arbeit nach sieben Monaten bereits erfolgreich beendet hat. Dessen Vorsitz hatte Josef Krknjak aus Vollmaringen inne und er berichtet, dass die 15 Ausschussmitglieder aus allen Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit kamen. „Allen war klar, dass es um ihre Gebäude geht und deswegen gab es auch eine hohe Motivation, mit dabei zu sein.“
Frage nach der Auslastung
Er selbst habe vor den Sitzungen eine Analyse der zur Debatte stehenden Gebäude aufgenommen und sich jedes der 17 Gebäude angesehen. „Die Datenlage zum energetischen Ist-Zustand und auch die zum Bauzustand war anfangs sehr löchrig“, erinnert er sich und zählt die Überlegungen auf, die am Beginn der Arbeit standen: „Wenn 30 Prozent der beheizten Flächen eingespart werden sollen und eine Auswahl erforderlich ist, stellt sich zunächst die Frage nach der aktuellen Auslastung der Häuser und ob diese gegebenenfalls erhöht werden kann. Zudem gelte es, die Kosten einer Sanierung mit dem Ziel der Klimaneutralität zu ermitteln. Und drittens stehe die zentrale Frage im Raum, wie die Nutzung der Gebäude im Sinne der jeweiligen Kirchengemeinde und Seelsorgeeinheit weiterentwickelt werden kann, um so das zweite erklärte Ziel des Prozesses zu erreichen, weiterhin nahe bei den Menschen zu sein. Mitbedacht werden müsse bei all dem auch, dass manche Gebäude unter Denkmalschutz stehen und somit einen besonderen Schutz haben. „Unter dem Gesichtspunkt, welches Gebäude sich sanieren lässt, führen alle diese Überlegungen dann zusammen zu der Erkenntnis, auf welches Gebäude verzichtet werden kann und welches Gebäude ich brauche, um Gemeindearbeit in Zukunft zielführend fortführen zu können“, sagt Krknjak.
Für beide Seiten ein Gewinn
Bei dieser Tätigkeit geholfen habe ihm seine technische Ausbildung und seine Erfahrung beim Hausbau, stellt Krknjak fest und beschreibt die Rolle des Ausschussvorsitzenden als die eines Trainers, der den Prozess hilfreich und unterstützend begleitet und es seiner Mannschaft ermöglicht, erfolgreich ans Ziel zu kommen. Dabei habe es sich für ihn als sehr hilfreich erwiesen, bei den Sitzungen in den einzelnen Kirchengemeinden immer alle Gebäude vor Beginn gemeinsam anzusehen und dann in dem Haus zu tagen, um das es an dem Ort geht. Dadurch seien die im Anschluss präsentierten Analysen für alle einsichtig gewesen und die Entscheidungen wurden so auch von allen mitgetragen. „Mir war es wichtig, dass es nicht direktiv gemacht wird, sondern dass die Gemeinden – wenn man die Sachlage analysiert und bespricht – selbst die für sie beste Lösung finden“, fasst Krknjak zusammen. Krknjak veranschaulicht das an dem in die Jahre gekommenen Glaubenstreff in Hochdorf, von dem sich die Seelsorgeeinheit trennen wollte und bei dem es zu einer „tollen Kooperation“ mit der evangelischen Kirchengemeinde vor Ort kam, die für beide Seiten ein Gewinn sei: Das Gebäude mit dem Glaubenstreff wird verkauft und als Ersatz kann die katholische Gemeinde in Hochdorf künftig die Räume des evangelischen Gemeindehauses nutzen. Gleichzeitig wird die evangelische Kirche im benachbarten Vollmaringen ihre räumliche Präsenz dort aufgeben und dürfe für ihre Gemeindearbeit künftig die Pfarrscheuer der katholischen Kirchengemeinde nutzen. Für Krknjak ist das ein Musterbeispiel gelebter Ökumene und auch für die anderen Gemeinden der Seelsorgeeinheit sei es dank der Arbeit des Zukunftsausschusses zu einvernehmlichen, guten Lösungen gekommen, welche Gebäude verkauft, umgenutzt oder behalten werden sollen. Ein gutes Beispiel für eine Kooperation mit einer Kommune sei dabei die Umnutzung einer Wohnung im Besitz der Kirche zur Erweiterung eines Kindergartens.




