Der Bischof zur Corona-Krise

"Mit Ihnen und für Sie": Video-Botschaft des Bischofs

Bischof Dr. Gebhard Fürst, 27. März 2020

Botschaft des Bischofs

Ansprache vom 20. März 2020

Anlässlich der Herausforderungen der Corona-Krise wendet sich Bischof Gebhard Fürst in einer Video-Ansprache an die Gläubigen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Bischof Dr. Gebhard Fürst

Botschaft zur Corona-Krise am 20. März 2020

Liebe Schwestern und Brüder in der ganzen Diözese,

Ich grüße Sie alle in herzlicher Verbundenheit. Das Coronavirus hat uns fest im Griff. Seine Auswirkungen werden immer spürbarer. Jede und Jeder ist auf eigene Weise unmittelbar betroffen. Manche haben Angst. Wir alle sind in Sorge. Wir fragen wie es weitergeht und was noch alles auf uns zukommt.

Als Christen und als Kirche stehen wir vor Herausforderungen ganz eigener Art. In unserem Verhalten und Handeln als Christen sind wir in besonderer Weise in Verantwortung genommen.

Bei allem was wir tun oder nicht tun können, dürfen wir darauf vertrauen: Wir sind gehalten in Gottes Hand. Gott will unser aller Heil. Jede, jeder ist ihm unendlich wichtig.

Diese tröstende Gewissheit im Glauben kann uns aber nicht unserer Pflicht entheben, aufmerksam und achtsam zu leben und das Rechte zu tun. Dazu brauchen wir Kraft, Hoffnung und Zuversicht. Denn, was auf uns zugekommen ist und noch zukommen wird, fordert uns ganz. Ich bin mit Ihnen im Gebet solidarisch verbunden. Gott segne Sie!

Auch über Videobotschaften möchte ich mit Ihnen in Kontakt bleiben. Auch, um Ihnen direkt wichtige Informationen zeitnah weiterzugeben und zu aktuellen Entwicklungen im dynamischen Prozess der Coronakrise Stellung zu nehmen.

Wir haben zwei Krisentelefone eingerichtet. Denn wir erhalten seit einigen Tagen Anfragen von Gläubigen aus der Diözese. Damit Sie möglichst schnell und kompetent Antwort erhalten, sind wir telefonisch unter zwei Sondernummern für Sie erreichbar. Unser Krisentelefon ist ab sofort an Werktagen und tagsüber besetzt. Die Telefonnummern finden Sie auf unserer Homepage.

Dennoch bitte ich Sie: Wenden sie sich – wenn irgend möglich – zuerst an das Pfarramt, Ihren Pfarrer, oder an die hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihrer Kirchengemeinde.

Liebe Schwestern und Brüder!

Viele bedrückt, dass wir gegenwärtig bei uns und weltweit keine Heiligen Messen, keine Gottesdienste feiern und keine Sakramente spenden und empfangen können. Diese Situation ist völlig neu und einmalig in der Geschichte der Christenheit. Dennoch bitte ich Sie um Verständnis für diese einschneidenden Maßnahmen.

Der Krisenstab hat einen Erlass zum Vorgehen in dringenden Notlagen erarbeitet. Dieser Erlass wurde heute an alle Seelsorgerinnen und Seelsorgern versandt. Auf unserer Homepage finden Sie alle Informationen.

Bitte vergessen sie bei all den kleinen und großen Herausforderungen nicht das Gebet. Beten ist eine große Hilfe: persönlich und im Kreis unserer Lieben. Bedenken Sie, dass unsere offenen Kirchen besondere Orte des Gebetes und der Gottesbegegnung sind.

Ein Gebet zur Corona-Krise finden Sie ebenfalls im Internet.

Bei all dem, was nun zu regeln ist, bitte ich Sie die geistliche Dimension des Handelns in unserer Kirche nicht zu vergessen. Sie ist mir bei all dem Regelbedarf und den veränderten Verhaltensweisen sehr wichtig.

Mit Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, bin ich im Gebet, in unserem gemeinsamen Glauben und im Vertrauen auf Gott verbunden.

Am vierten und am fünften Fastensonntag feiere ich im kleinsten, nichtöffentlichen Kreis im Dom St. Martin in Rottenburg Eucharistie. Dieser Gottesdienst wird über Livestream aus dem Dom übertragen. Ich lade Sie dazu ein, mit mir über unsere Homepage diesen Gottesdienst zu feiern.

Auch den Palmsonntag und die Kar- und Ostertage werde ich auf diese Weise feiern. Sie, liebe Schwestern und Brüder, haben so die Möglichkeit, die Liturgie der kommenden Feiertage wenigstens über direkte Übertragungen im Internet mitzufeiern. Für die Kirchengemeinden vor Ort gilt die strikte Einhaltung der Vorgaben der Landesregierung von Baden-Württemberg!

In der gegenwärtigen Zeit ist Mitmenschlichkeit lebensnotwendig. Ich bin sehr froh, aus Gemeinden, von Gemeinschaften und Gruppen vieles zu hören über solidarische Aktionen zur Unterstützung und Hilfe für in irgendeiner Weise bedürftige Menschen.

Liebe Schwestern und Brüder, viele brauchen jetzt Ihren, unser aller Beistand.

Mein Dank geht an die zahlreichen Initiativen in den Kirchengemeinden vor Ort. Ich danke den vielen Ehrenamtlichen, die meist im Verborgenen viel Gutes tun und sich jetzt, wo dies alles viel schwieriger geworden ist, nicht entmutigen lassen. Ich danke Ihnen für Ihre tätige Liebe zum Nächsten. Allen, die in christlicher Nächstenliebe Menschen beistehen, danke ich von Herzen.

Zum Schluss noch eine Bitte! Nehmen Sie am Sonntag Ihr kirchliches Wahlrecht wahr. Mittels Briefwahl können Sie Ihre Stimme abgeben. Mit den Kirchengemeinderäten wählen Sie Menschen, die mit dem Pfarrer zusammen die Seelsorge in Ihrer Gemeinde gestalten und verwalten. Der Kirchengemeinderat vertritt Ihre Anliegen und gestaltet für Sie und mit Ihnen das Gemeindeleben.

Liebe Schwestern und Brüder,

in herzlicher Verbundenheit erbitte ich für Sie den Segen Gottes!

 

Bischof Dr. Gebhard Fürst

Botschaft zur Corona-Krise am 16. März 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

die Entwicklungen bei der Ausbreitung des Coronavirus machen mir – wie sicherlich Ihnen allen – große Sorgen. Gegenwärtig erleben wir eine ganz außerordentliche Situation, wie wir sie in Deutschland, in Europa und weltweit noch nie hatten. Wir alle stehen vor fast unübersehbaren Herausforderungen und müssen jetzt doch handeln. Außerordentliche Situationen erfordern außerordentliche Entscheidungen und außerordentliches Handeln. Als Kirche wollen wir den Menschen gerade in dieser schweren Zeit nahe sein und sie begleiten. Das Gebot der Nächstenliebe, Fürsorge und Barmherzigkeit gegenüber Menschen, die besondere Zuwendung benötigen, leiten unser Handeln weiterhin, gerade in dieser schweren Zeit.

Ich bitte Sie: Vertrauen Sie darauf, dass die Verantwortlichen in der Diözesanleitung und ich selbst uns bestmöglich informieren. Als Bischof nehme ich meine Verantwortung wahr, dass ich und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so kompetent entscheiden und handeln, wie es uns angesichts der sich stets verändernden Lage irgend möglich ist.

In dem von mir eingerichteten Krisenstab, der mehrmals in der Woche tagt, beraten und entscheiden wir gemeinsam, was geschehen muss.

Sie können sich darauf verlassen, dass wir uns bestmöglich und umfassend informieren und kundig machen. Wir werden alles uns mögliche tun, damit auch Sie von uns gut informiert werden.

Ich bitte Sie: Nutzen Sie unsere Kommunikationsplattformen im Internet – www.drs.de – und in den sozialen Medien – vor allem Facebook. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden von uns zusätzlich über E-Mail und das Mitarbeiterportal informiert.

Folgende Maßnahmen hat der Krisenstab heute bereits beschlossen:

Alle öffentlichen Eucharistiefeiern und anderen Gottesdienste sind ab sofort bis zunächst zum 19. April ausgesetzt. Da der Schutz der Gottesdienstteilnehmer und der Priester und Seelsorgerinnen und Seelsorger an erster Stelle steht, wird die Sonntagspflicht ausgesetzt. Ich weiß, welch schmerzliche Erfahrung dies für viele von Ihnen ist. Deshalb bieten wir Gottesdienstübertragungen über Live-Stream an. Die sonntägliche Eucharistiefeier übertragen wir jeweils um 9.30 Uhr aus dem Dom St. Martin live auf drs.de.

Für die Kar- uns Ostergottesdienste entwickeln wir derzeit liturgische Formen und Konzepte für Übertragungen. Zeitnah werden wir Sie darüber informieren.

Leider sehen wir uns auch gezwungen, die Firmgottesdienste und Erstkommunionfeiern, die für April und Mai geplant waren, auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Ich bitte Sie auch um Verständnis, dass derzeit keine Taufen und Eheschließungen stattfinden können. Auch die Hauskommunion und die Krankensalbung müssen wir derzeit leider einstellen.

Gleichzeitig gilt: Die Seelsorge vor Ort muss weitergehen und wird weitergehen! Wenn auch in anderer und eingeschränkter Weise als bisher. Wir als Seelsorgerinnen und Seelsorger sind zum Heil der Menschen auch in ihren Notsituationen zu ihnen gerufen: In dringendsten Ausnahmefällen sind deshalb Taufen in kleinem Kreis und auch Krankensalbung und der Empfang der Kommunion möglich. Auch Beerdigungen werden stattfinden – wenn auch im kleinsten Kreis.

Die Kirchen bleiben als besondere Orte der Gottesbegegnung für das Gebet geöffnet. Unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger werden auch dort für Sie ansprechbar sein.

Am kommenden Wochenende finden in unserer Diözese die Wahlen der Kirchengemeinderäte und Pastoralräte statt. Die Wahllokale bleiben geschlossen. Wir bitten Sie aber dringend: Machen Sie von der Briefwahl Gebrauch! Genaue Informationen über den geänderten Wahlmodus finden Sie ebenfalls bei uns im Internet.

Liebe Schwestern und Brüder, Seelsorge darf nicht einfach abgebrochen werden. Wir sind von unserer Botschaft gerufen, insbesondere für Kranke, Einsame und Schwache dazusein. Ich vertraue auf Ihr geistreiches Handeln und Ihre tätige Nächstenliebe vor Ort.

Schwere Krisen waren bisher stets Anlass näher zusammenzurücken. Die Corona-Pandemie erfordert nun besondere Vorsichtsmaßnahmen. Viele wichtige und liebgewonnene Bedürfnisse und Rituale sind nun außer Kraft gesetzt. Ich bitte Sie: Seien Sie umsichtig im Umgang mit sich und nehmen Sie Rücksicht auf kranke und hilfsbedürftige Menschen in Ihrem persönlichen Umfeld. Halten Sie bitte die staatlich verordneten Schutzmaßnahmen ein. Dazu gehört: soziale Distanznahme. Also: Abstand halten zu anderen Menschen. Vermeiden Sie – wenn möglich – Berührungen. Schütteln Sie zur Begrüßung und zur Verabschiedung nicht die Hand und achten Sie auf eine entsprechende Handhygiene.

Bitte achten Sie aber auch darauf, dass niemand aus dem Blick gerät. Trotz der schwierigen und eingeschränkten Lage sind wir gerade jetzt miteinander im Gebet besonders verbunden als Glieder des einen Leibes Christi. Dabei gilt unsere besondere Aufmerksamkeit denen, die jetzt allein zu Hause sind, gebrechlich, krank oder behindert. Gerade jetzt sind Menschen an Leib und Seele verletzlicher denn je!

Seien Sie versichert, als Bischof bin ich bei Ihnen allen – in Gedanken und im Gebet.

Gebet des Bischofs

Guter und treuer Gott,
wir tragen unsere Sorgen und unsere Ängste vor Dich
und wir bitten in diesen beängstigenden Tagen um deinen Beistand.
Gib uns deinen lebenspendenden Geist,
der sich uns in Jesus Christus gezeigt hat.
Lass uns in deinem Geist erkennen, was richtig ist
und gib uns die Kraft, das rechte entschlossen zu tun.

Lass uns die Schwachen, Einsamen, Kranken,
die Verängstigen und Bedrückten aller Art nicht übersehen.
Hilf uns, dass wir diese Menschen nicht vergessen oder an ihnen vorbeigehen.
Gib uns die Kraft zu helfen und heilsame Begegnungen zu ermöglichen.
Lass sie durch unser Verhalten ihnen gegenüber deinen wirksamen Beistand erfahren.
Durch uns möge Deine Güte und Menschenfreundlichkeit lebendig werden und bleiben.

Das erbitten wir in dieser schweren Zeit von Dir,
guter und treuer Gott.

Amen.

Das Gebet zum ausdrucken und mitnehmen