Klima und Schöpfung

 

Das Insektensterben hat längst dramatische Züge angenommen! Höchste Zeit zu handeln! Jeder Einzelne kann dazu beitragen, neue Lebensräume und Futterquellen zu schaffen – so wie wir das mit Solarpanels und der Wiese der Artenvielfalt auf dem Dach des Bischofshauses auch tun. -Bischof Gebhard Fürst-

Bischof treibt Klima- und Artenschutz voran

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart tritt mit allen Kräften dafür ein, die Erderwärmung bis ins Jahr 2100 auf mehr als 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu verhindern. Nur so könne es der Menschheit noch möglich sein, einer nicht mehr kontrollierbaren Erderwärmung zu entkommen, stellte Bischof Dr. Gebhard Fürst am Montag, 3. Juni, anlässlich der Vorstellung der neuen Nachhaltigkeitsleitlinien der Diözese sowie der rund um das Rottenburger Bischofshaus abgeschlossenen Aktivitäten zum Klima- und Artenschutz fest.

Im Zuge der Flachdachsanierung des Hauses wurde dort ein zusätzliches Photovoltaikelement zur Erzeugung von Verbrauchsstrom und zum Betrieb einer Stromtankstelle für das neue E-Auto der „Stabsstelle Mediale Kommunikation“ im Bischofshaus installiert. Aktuell können rund 57 Prozent des Energieverbrauchs im gesamten Gebäude mit dem durch die Sonne erzeugten Strom abgedeckt werden. Zudem erhielt das Dach auf 170 Quadratmetern eine „Wiese der Nachhaltigkeit“ für den Insektenschutz. Dem Artenschutz dienen auch zwei neue Bienenstöcke vor dem Bischofshaus, die von Schülern des St. Meinrad-Gymnasiums in Rottenburg bemalt worden waren und in denen fortan bischöflicher Honig hergestellt wird. Dieses Maßnahmenbündel habe Vorbildfunktion für das gesamte Gebiet der württembergischen Diözese, betonte Fürst.

„Wir Christen müssen die Schöpfung Gottes als Geschenk annehmen und dürfen sie nicht zerstören“, sagte der Bischof und würdigte in dem Zusammenhang das Engagement von Schülern für den Klimaschutz bei den „Fridays for Future“ in Rottenburg, ganz Deutschland und weltweit. „Ich gratuliere der Jugend, dass sie Druck auf die Politik macht“, sagte er. Wolle man die Schöpfung bewahren, müsse es zusätzlich zum Klima- indes auch um den Artenschutz gehen. Der Zweite Schöpfungsbericht auf den ersten Seiten der Bibel sei die Grundmotivation aller Christen zur Bewahrung der Schöpfung. „Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, um ihn zu bebauen, zu pflegen und nicht, um ihn zu zerstören“, sagte Fürst.

Bis ins Jahr 2050 beabsichtige die Diözese, die vollständige Klimaneutralität in ihrem Zuständigkeitsbereich zu verwirklichen. Das bedeutet eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 85 Prozent, verglichen zum Jahr 2015. Im aktuellen Doppelhaushalt haben Diözesanleitung und Diözesanrat für die Umsetzung des bereits 2015 verabschiedeten Klimaschutzkonzepts, auf welchem die Nachhaltigkeitsleitlinien aufbauen, 15 Millionen Euro bis ins Jahr 2020 bewilligt. Seit Jahresbeginn kann dieses Geld abgerufen werden. 12 Millionen Euro aus diesem Haushaltsansatz sind für bauliche Maßnahmen bei energetischen Sanierungen und Neubauten reserviert. Die verbleibenden 3 Millionen Euro stehen für sonstige Maßnahmen bereit. Erst kürzlich wurden 1,4 Millionen Euro aus diesem Topf im Rahmen eines Sofortprogramms freigegeben. Sie sind für Heizungsoptimierungen und für den Heizungspumpen-Tausch bestimmt. Im Lauf des Jahres sollen weitere Projekte folgen. Für die Umsetzung zuständig sind zwei Klimaschutz-Manager, die seit diesem Jahr im Amt sind. Ihre Aufgabenpalette reicht von baulichen Fachfragen bis hin zur Schulung von „Kümmerern“ auf dem Gebiet der Diözese, deren Aufgabe das CO2-Controlling ist.

Bischof Fürst verwies auch darauf, dass die Diözese Rottenburg-Stuttgart sowohl in Württemberg als auch im Rahmen ihrer weltkirchlichen Arbeit seit langem erfolgreich für die Bewahrung der Schöpfung aktiv ist. Jüngstes Beispiel in dem Zusammenhang: Anfang Juli wird in Tettnang die Kirchengemeinde St. Gallus vom Umweltministerium des Landes für ein von ihr aufgebautes Nahwärmenetz auf Holzpellets-Basis ausgezeichnet.

Die Klima-Initiative: Nachhaltige schöpfungsfreundliche Kirche sein

m Jahr 2007 stellte Bischof Gebhard Fürst die Klima-Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart vor.
Mit einem „Solarfonds“ für zinsvergünstigte Darlehen in Höhe von 10 Millionen Euro und einem „Nachhaltigkeitsfonds“ in Höhe von 12,4 Millionen Euro unterstützt sie kirchliche Einrichtungen bei klimaschonenden und energieeffizienten Investitionen. Rund die Hälfte davon ging an Kirchengemeinden. Deren hoher Bedarf an energetischen Sanierungen trug der Diözesanrat mit weiteren Aufstockungen Rechnung: für 2011 und 2012 um jeweils 2,75 Millionen Euro, 2013 um 2 Millionen Euro. Zusätzlichen wurden die Zinseinlagen aus der Clearing-Rücklage der Kirchengemeinden 2013 und 2014 – je 1,3 Millionen Euro – dem Nachhaltigkeitsfonds zugeführt. Bis Ende 2014 haben Kirchengemeinden rund 17,5 Millionen Euro für energieeinsparende Maßnahmen erhalten.

Schon zuvor gab es in der Diözese vielfältige Ansätze zur Bewahrung der Schöpfung. Die Klima-Initiative setzt mit dem Ziel an, dieses Engagement auszubauen und öffentlich ins Bewusstsein zu bringen. Dabei wird eine interdisziplinäre und integrierte Strategie verschiedener zusammenhängender und einander unterstützender Maßnahmen verfolgt.

 

 

Mit der Klima-Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind wir keineswegs auf einen modischen Themenzug aufgesprungen. Sie ist vielmehr Ausdruck unseres Glaubens an Jesus Christus und ebenso Ausdruck unseres Wissens um die globale Solidargemeinschaft der Menschen. In diese Solidargemeinschaft beziehe ich ausdrücklich auch unsere nichtmenschlichen Mitgeschöpfe ein. Im Hinblick auf die Zukunft unserer Erde sind wir eine Schicksalsgemeinschaft. Bischof Gebhard Fürst anlässlich der Verleihung des Franziskus-Preises 2012

Integriertes Klimaschutzkonzept

Anfang 2016 hob die Diözese ihr Umweltengagement auf eine neue Stufe. Ein „Integratives Klimaschutzkonzept“ soll die dafür erforderlichen Maßnahmen im kirchlichen Bereich weiter auszubauen - gefördert durch die „Nationale Klimaschutzinitiative“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).

Im Jahr 2017 legte die Diözese Rottenburg-Stuttgart mit ihrem „Integrierten Klimaschutzkonzept“ einen aktuellen Rahmen für ihre Aktivitäten im Klimaschutz in den nächsten Jahren vor. Die Diözese erarbeitete das Klimaschutzkonzept in enger Kooperation mit der FEST, der "Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft" in Heidelberg. Das Konzept wurde von der „Nationalen Klimaschutzinitiative“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) finanziell gefördert.

Energie- und CO2-Bilanz

Mit dem Klimaschutzkonzept verfügt die Diözese erstmalig über eine Energie- und CO2-Bilanz. Mit umfangreichen Erhebungen und der Hochrechnung bereits erfasster Energieverbrauchsdaten wurde der gegenwärtige CO2-Ausstoß in der Diözese ermittelt. Auf dieser Grundlage konnte sich die Diözese ein Reduktionsziel für ihre CO2-Emissionen geben. Bis zum Jahr 2050 sollen die Emissionen um 85% reduziert werden. Bis Ende 2020 ist die Reduktion der CO2-Emissionen um 15% vorgesehen.

Maßnahmenkatalog

Das Klimaschutzkonzept schlägt einen Katalog von Maßnahmen vor, um die diözesanen Reduktionsziele zu erreichen. Einige dieser Maßnahmen sind bereits umgesetzt oder werden zeitnah angegangen (Stand 05/2019).

Realisierung der Maßnahmen

Zur Umsetzung des Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts stellten die Diözesanleitung und der Diözesanrat im Jahr 2018 15 Mio. Euro zur Verfügung.
Mit 12 Mio. Euro werden Investitionen in Klimaschutz und Energieeffizienz im Gebäudebereich über den Nachhaltigkeitsfonds gefördert. Die Förderrichtlinien des Nachhaltigkeitsfonds wurden entsprechend überarbeitet und ergänzt. Mit weiteren 3 Mio. Euro werden weitere Maßnahmen in der Diözese finanziell gefördert. Förderrichtlinien für diese Bereiche werden in Kürze veröffentlicht.

Zur Umsetzung der Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts wurden bereits zwei Klimaschutzmanager eingestellt. Im Rahmen der Förderung unseres "Klimaschutzmanagements" werden die zwei Stellen der Klimaschutzmanager - genauso wie das Klimaschutzkonzept selbst - von der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes gefördert.

Klimaschutzkonzept der Diözese Rottenburg-Stuttgart [PDF]

Details zur Förderung durch die Nationale Klimaschutzinitiative

KSI: Erstellung und Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzepts der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Das Klimaschutzkonzept der Diözese und die Umsetzung des Konzepts durch zwei Klimaschutzmanager werden gefördert durch die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.

Förderkennzeichen:
Förderung des Klimaschutzkonzept: 03K01966, Laufzeit: 01.12.2015 bis 31.05.2017
Förderung des Klimaschutzmanagements: 03K08742, Laufzeit: 01.02.2019 bis 31.01.2022

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert das Bundesumweltministerium seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen und Bildungseinrichtungen.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
Projektträger Jülich (PtJ)

Sympathie für „Fridays for Future“-Demonstrationen

In einem Brief an seine Mitarbeiter bittet Bischof Fürst darum, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Lesen Sie hier das ganze Schreiben:

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kirchengemeinden, Organisationen, Einrichtungen und Diensten unserer Diözese,

aus Anlass der „Fridays for Future“-Demonstrationen am kommenden Freitag möchte ich meine Sympathie für die Bewegung der Jugendlichen zum Ausdruck bringen und Sie um die Mitwirkung an einer schöpfungsfreundlichen Kirche bitten.

Ausgehend von der Initiative „Fridays for Future“ sind am kommenden Freitag, den 20. September 2019, alle Generationen weltweit aufgerufen, auf die Straße zu gehen und für die Einhaltung des Pariser Abkommens gegen die anhaltende Klimazerstörung ihre Stimme zu erheben.

An diesem Tag finden die Beratungen des Klimakabinetts der Bundesregierung statt. In New York wird einer der wichtigsten UN-Gipfel des Jahres vorbereitet.

Ich betrachte das Engagement gerade der jungen Menschen für den Schutz des Klimas mit Sympathie und ermuntere Sie, dieses Engagement mit Ihren Möglichkeiten zu unterstützen.

Wir Christen sind aufgerufen, gemeinsam mit allen Menschen guten Willens praktische Verantwortung für Gottes Schöpfung in ihrer ganzen Fülle zu übernehmen. Der Klimawandel, der steigende Verbrauch erschöpfbarer Ressourcen, die Umweltverschmutzung und der Rückgang der Artenvielfalt führen uns mit aller Deutlichkeit die Notwendigkeit zu handeln vor Augen.

„Der christliche Glaube bekennt sich zu Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde und zu Christus, der die materielle Welt in sich aufgenommen hat und jetzt als Auferstandener im Innersten eines jeden Wesens wohnt (Laudato Si 221), und zum schöpferischen Wirken des Geistes Gottes in dieser Welt. Die christliche Hoffnung gründet in der göttlichen Verheißung auf Leben in Fülle und Heil. Dieser Glaube und diese Hoffnung sind die christlichen Beweggründe für die Bewahrung der Schöpfung und die Gestaltung einer menschenwürdigen Zukunft in Solidarität mit den künftigen Generationen.“ So steht es in den Nachhaltigkeitsleitlinien unserer Diözese. Die Bewahrung der Schöpfung gehört zum Kernbestand unseres Glaubens. Darum sind wir gefordert als schöpfungsfreundliche Kirche selbst Verantwortung zu übernehmen und Vorbild zu sein.

Bereits im Jahr 2007 haben wir in unserer Diözese eine zunächst auf zehn Jahre angelegte Klimainitiative auf den Weg gebracht. Inzwischen wurde sie zu einer sämtliche Arbeitsfelder einschließenden umfassenden Nachhaltigkeitsinitiative ausgeweitet. Dabei geht es um nachhaltiges Gebäudemanagement ebenso wie um die Themen Beschaffung, Mobilität, regenerative Energien, Biodiversität, Öko-Zertifizierung, Verhaltensmotivation in Pastoral und Bildung und vieles mehr. Derzeit sind wir dabei, unser Klimaschutzkonzept umzusetzen. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben wir ab der laufenden Haushaltsperiode hierfür 15 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ich selbst versuche immer wieder, das Bewusstsein für eine schöpfungsfreundliche Kirche zu schärfen. Dabei setze ich auch immer wieder bewusst Zeichen zur Bewahrung der Schöpfung, zuletzt durch die Anlage eines Biodiversitätsgartens auf dem Dach des Bischofshauses.

In seinem Apostolischen Schreiben „Laudato si“ fragt Papst Franziskus: „Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen? Diese Frage betrifft nicht nur die Umwelt in isolierter Weise, denn es ist unmöglich, das Problem fragmentarisch anzugehen. Wenn wir uns bezüglich der Welt, die wir hinterlassen wollen, Fragen stellen, meinen wir vor allem ihre allgemeine Ausrichtung, ihren Sinn, ihre Werte.“ (LS 160) Der Papst ruft zu einem veränderten Lebensstil auf. Zugleich macht er deutlich, dass individuelles Engagement nicht ausreicht:  „Allerdings ist es zur Lösung einer so komplexen Situation wie der, mit der sich die Welt von heute auseinandersetzen muss, nicht genug, dass jeder Einzelne sich bessert. Die isolierten Einzelpersonen können ihre Fähigkeit und ihre Freiheit verlieren, die Logik der instrumentellen Vernunft zu überwinden…. Auf soziale Probleme muss mit Netzen der Gemeinschaft reagiert werden, nicht mit der bloßen Summe individueller positiver Beiträge.“ (LS 219) Und weiter schreibt er: „Wenn die Bürger die nationale, regionale und kommunale politische Macht nicht kontrollieren, ist auch keine Kontrolle der Umweltschäden möglich. Andererseits können die Gesetze der Gemeinden wirksamer sein, wenn Vereinbarungen zwischen benachbarten Ortschaften bestehen, um die gleiche Umweltpolitik zu unterstützen.“ (LS 179)

In diesem Sinne bitte ich Sie, als Schwestern und Brüder im Glauben und als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Diözese, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen und beispielhaft zu wirken. Ich bitte Sie, in den Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen auf ein entsprechendes Bewusstsein und die Verwirklichung einer schöpfungsfreundlichen Kirche hinzuwirken.

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und grüße Sie herzlich

Ihr

Gebhard Fürst

Bischof

Joachim Drumm: Klimaschutz braucht Mut und eine gemeinsame Zukunftsvision

"Lassen wir uns nicht ängstigen", rief Joachim Drumm, der im bischöflichen Ordinariat für die Umsetzung des diözesanen Klimaschutzkonzepts und der Nachhaltigkeitsstrategie zuständig ist, den vielen Demonstranten bei der zentralen Fridays for Future-Kundgebung vor dem Rottenburger Martinsdom am Freitagmittag zu.

Beim Thema Klimaschutz gebe es kein Wissens- sondern ein Handlungsdefizit, sagte der Leiter der Hauptabteilung "Kirche und Gesellschaft". Deshalb sei es wichtig, positive Leitbilder zu entwickeln und gemeinsam an einer Zukunftsvision zu arbeiten. "Wir brauchen Mut", sagte Drumm und schloss unter Beifall an: "Greta hat das gezeigt und wir sehen, was daraus geworden ist." Er übermittelte auch eine Einladung von Bischof Gebhard Fürst an die Organisatoren der Kundgebung und des sich anschließenden Protestzugs, ihn im Bischofshaus zu besuchen und kündigte an, dass sich der Bischof deswegen bei den Jugendlichen melden werde. Wegen eines Bischofstreffens sei es Bischof Fürst leider nicht möglich gewesen, selbst bei der Fridays for Future-Kundgebung mit dabei zu sein, was er sehr bedauert habe. Drumm versicherte den Aktivisten die "großen Sympathie" des Bischofs.

In den weiteren Ansprachen vor dem Rottenburger Dom reihten sich Vertreter des Organisationsteams, des Rottenburger BUND, der Hochschule für Forstwirtschaft und der Kreuzerfeld-Grundschule. Oberbürgermeister Stephan Neher erinnerte daran, dass jeder Einzelne durch seine Rolle als Konsument eine „riesige Möglichkeit zur Einflussnahme hat“ und rief dazu auf, in dem Protest für die Bewahrung der Schöpfung nicht nachzulassen, denn der werde von der Politik gehört. Der pakistanische Erzbischof Sebastian Francis Shaw, der zurzeit in Rottenburg zu Besuch ist, ergriff ebenfalls das Mikrofon und berichtete, wie seine Heimat durch einen sinkenden Grundwasserspiegel und extreme Hitze vom Klimawandel betroffen ist. Gemeinsam mit Vertretern anderer Religionen arbeite er dort daran, aus Pakistan „ein grünes Land“ zu machen.

„Streik in der Schule, Streik im Betrieb. Das ist unsere Antwort auf Eure Politik“, hatten die Schüler-Organisatoren der Menschenmenge eingangs zugerufen. Und unter diesem Motto begann nach dem Ende der Reden dann auch der Protestzug durch die Rottenburger Innenstadt.  

Kirchliches Umweltmanagement

Schöpfungsgerechtes Handeln in großen Institutionen und Verwaltungen erfordert besondere Maßnahmen. Um es auf eine langfristig tragfähige Grundlage zu stellen, führt die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Projekt „Kirchliches Umweltmanagement“ durch.

Es hat zum Ziel, den Umweltschutz in den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen zu verbessern. Dazu gehören die Entwicklung von Möglichkeiten zum effizienten Umgang mit Energie und Müllentsorgung ebenso, wie die Schonung knapper werdender natürlicher Ressourcen wie Wasser oder Papier.

Tagungshäuser mit europäischem Umweltstandard

„Eco-Management and Audit Scheme“ (EMAS) – mit diesem Umweltaudit-Siegel der Europäischen Union sind immer mehr Einrichtungen der Diözese ausgezeichnet. Seit 2003 setzen die Bildungshäuser der Diözese Rottenburg-Stuttgart – kirchlicher Eigenbetrieb – das umfangreiche Umweltprogramm in mehreren Konvois um. Die Anforderungen umfassen die Einhaltung rechtlicher Bestimmungen, die Entwicklung verbindlicher Ziele und Grundsätze sowie die vollständige Bestandsaufnahme und Bewertung aller Tätigkeiten, die die Umwelt betreffen.

Im März 2016 konnten die letzten drei Einrichtungen ihr Umweltzertifikat in Emfpang nehmen. Damit erfüllen insgesamt 14 Jugend- und Tagungshäuser den EMAS-Standard. Schon das bisherige Ergebnis kann sich sehen lassen. Durch die Umrüstung der Heizungsanlagen auf Hackschnitzel oder Pellets aus nachwachsenden Rohstoffen konnten die CO2-Emmissionen stark reduziert werden, in einigen Häusern sogar auf etwa ein Zehntel der ursprünglichen Werte.

Hiervon profitieren nicht allein die Tagungshäuser. Durch Anschluss an Nahwärmenetze haben an einigen Standorten auch kommunale Einrichtungen und Privatgebäude Zugang zu umweltfreundlich erzeugter Wärme.

Internationales Umweltengagement

Die Bewahrung der Schöpfung ist eine weltweite Aufgabe. Deshalb lenkt die Diözese Rottenburg-Stuttgart beim weltkirchlichen Engagement den Blick auf die ökologische Dimension der Partnerschaftsprojekte. Bei den Kooperationspartnern stößt dies auf reges Interesse. So lud beispielsweise die Regionalen Bischofskonferenz von Kerala Bischof Fürst 2012 nach Indien ein. Dort referierte er vor 130 Bischöfen und Theologen zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Bei dieser Reise besuchten Bischof Fürst und seine Rottenburg Delegation auch die Diözese Muvattupzha, um auf dem Dach eines katholischen Schulzentrums eine Fotovoltaik-Anlage einzuweihen und sich über den Stand anderer nachhaltiger partnerschaftlicher Zusammenarbeiten zu informieren.

Freiwilliges Ökologisches Jahr

Der BDKJ in der Diözese will Jugendliche und junge Erwachsene wieder verstärkt an das ökologische Engagement heranführen. Denn ohne ein Handeln für die Zukunft der Schöpfung wird die junge Generation keine Zukunft haben. So bietet der BDKJ jungen Menschen die Möglichkeit eines freiwilligen ökologischen Jahres (FÖJ). Die Einsatzstellen sind bei kirchlichen und karitativen Einrichtungen, in Jugendhäusern, Bildungshäusern und Klöstern angesiedelt. Auch darüber hinaus setzt sich der BDKJ in der Diözese für den Umweltschutz ein. Für seine entwicklungspolitische Initiative „Klima FairWandeln“ wurde er deshalb 2012 mit den Franziskus-Preis ausgezeichnet.

 

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