Die vierte Synodalversammlung

Die Kirche der Zukunft

Das Ringen um die Zukunft der Kirche geht in die vierte Runde: Vom 8. bis 10. September findet die vierte Synodalversammlung der katholischen Kirche in Deutschland statt. Im Mittelpunkt der Beratungen in Frankfurt am Main stehen die zweite Lesung von neun Texten sowie die erste Lesung von fünf Texten. In der vierten Synodalversammlung könnten Reformvorschläge zum Beispiel zum Zölibat oder zur Neubewertung von Homosexualität final beschlossen werden.

Pavel Jerabek und Arkadius Guzy verfolgen das Geschehen in Frankfurt, sammeln Eindrücke und Statements und berichten aktuell.

Videostatement von Bischof Dr. Gebhard Fürst

Sieben positive, richtungsweisende Entscheidungen

Samstag, 10. September, 15.50 Uhr

Als kräftezehrend beschreibt ZdK-Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp vor der Presse die soeben zu Ende gegangene Synodalversammlung. Es sei viel geschafft worden. Nach Stetter-Karps Worten sei das Wichtigste, "dass die Vertrauensgrundlage da ist". Sie kritisiert erneut Synodale, die "in der Synodalversammlung nicht offen ihre Meinung sagen und dann den roten Knopf drücken" und betont: "Wir geben unser Läuferherz nicht in Rom ab."

Der Co-Präsident des Synodalen Weges, Bischof Dr. Georg Bätzing, dankt "für das durchgetragene Vertrauen". Die Krise sei gemeistert worden durch offene Rede, aber auch durch dreimal kurzfristig anberaumte separate Besprechungen der Bischöfe. Bätzing macht aber auch deutlich: "Wir sind als Bischöfe keine Fraktion." Wie jeder und jede einzelne Synodale seien die Bischöfe in ihrem Abstimmungsverhalten frei.

Kritisch angefragt wird in der Pressekonferenz eine Fixierung auf Mehrheiten, die nicht zu den klassischen Instrumenten von Synodalität gehöre, und eine "moralisierende Form der Debatte". Gefragt wird auch, ob es überhaupt noch Verständnis für das Dilemma derjenigen Bischöfe gebe, die die geltende Lehre vertreten, wenn immer wieder der Vorwurf der Menschenfeindlichkeit in den Raum gestellt werde.

Bätzing verweist auf "sieben positive, richtungsweisende Entscheidungen", die getroffen worden sind und "die das Bild der katholischen Kirche verändern werden". Mit "diesem gepackten Koffer" werde man mehrfach nach Rom aufbrechen. "Wir nehmen Aufträge mit und tragen sie auf den Tisch der Weltkirche, damit dort Änderungen geschehen."

Dienste und Ämter weiterentwickeln

Samstag, 10. September, 14.50 Uhr

Als letzter thematischer Tagesordnungspunkt der vierten Synodalversammlung wird der Handlungstext „Verkündigung des Evangeliums durch Frauen in Wort und Sakrament“ in erster Lesung aufgerufen. In diesem Text geht es unter anderem um Schritte zur Erhöhung des Frauenanteils und zu einer größeren Vielfalt beim Verkündigungsdienst. Es solle auch geprüft werden, "wie vorhandene Dienste und Ämter weiterzuentwickeln sind und welche neuen Dienste und Ämter zu gestalten sind, mit denen die Kirche auf neue Herausforderungen antworten kann". Nach kurzer Aussprache wird der Text mit gut 93 Prozent angenommen und soll bis zur zweiten Lesung noch Präzisierungen und Konkretisierungen erfahren.

„Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt"

Samstag, 10. September, 14.10 Uhr

Ebenfalls in erster Lesung wird der Handlungstext „Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt“ beraten. Der Entwurf fordert, auf deutscher Ebene konkrete Verbesserungen für inter- und transgeschlechtliche Gläubige umzusetzen. So soll es etwa für intergeschlechtliche Kinder (bei unklarer Geschlechtsidentität) ermöglicht werden, den Geschlechtseintrag im Taufregister wegzulassen oder „divers“ einzutragen. "Falls trans- oder intergeschlechtlichen Gläubigen das Sakrament der Ehe verwehrt sein sollte, sollen ihnen Segensfeiern für ihre Partnerschaft offenstehen", lautet eine weitere Forderung an die deutschen Bischöfe. Dem Heiligen Vater empfiehlt der Text, "eine offene, ernsthafte und grundlegende theologische und humanwissenschaftliche Auseinandersetzung zur in Gottes guter Schöpfung vorhandenen Geschlechtervielfalt anzustoßen". Papst Franziskus hatte wiederholt vor einem Negieren der bipolaren Geschlechterdifferenz von Mann und Frau gewarnt.

Der Handlungstext wird in erster Lesung mit 94,5 Prozent der Stimmen angenommen und wird weiter beraten.

Videostatement von Weihbischof Thomas Maria Renz

Nicht-heterosexuelle Priester - "Ihr gehört zu uns"

Samstag, 10. September, 13.24 Uhr

"Es nützt nichts zu hetzen", sagt ZdK-Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp mit Blick auf die noch verbleibende Zeit dieser Synodalversammlung und den Themenüberhang. Nach eingehender Beratung gibt sie eine geänderte Reihenfolge der weiteren Tagesordnung bekannt.

In erster Lesung stellt Fr. Simon Hacker den Handlungstext „Enttabuisierung und Normalisierung – Voten zur Situation nicht-heterosexueller Priester“ vor. Der Entwurf verweist auf die prekäre Lebenssituation nicht-heterosexueller Priester und fordert die katholische Kirche in Deutschland auf, deren Realität anzuerkennen und sich offen zu ihnen zu bekennen, sich ihrer eigenen Diskriminierung nicht-heterosexueller Priester zu stellen und im Dialog mit Betroffenen die Aufarbeitung und Anerkennung zu beginnen. Die Bischöfe und Verantwortlichen in der Priesterausbildung sollen sich dafür einsetzen, "dass das Verbot der Ausbildung und Weihe nicht-heterosexueller Männer auf weltkirchlicher Ebene aufgehoben wird und alle Negativaussagen hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung in amtskirchlichen Dokumenten gestrichen werden".

Nach einer kurzen Aussprache werden einige Änderungsanträge angenommen und der Text mit geändertem Titel („Enttabuisierung und Wertschätzung – Voten zur Situation nicht-heterosexueller Priester“) und über 90 Prozent Zustimmung zur Weiterarbeit in das Synodalforum II „Priesterliche Existenz heute“ überwiesen.

Große Mehrheit für "nachhaltige Synodalität"

Samstag, 10. September, 12.10 Uhr

Der Handlungstext „Synodalität nachhaltig stärken: Ein Synodaler Rat für die katholische Kirche in Deutschland“ wird - nach vorheriger separater Beratung der Bischöfe - von der Synodalversammlung mit großer Mehrheit angenommen: knapp 93 Prozent der anwesenden Synodalen stimmen zu, von den Bischöfen votieren knapp 88 Prozent für die Vorlage. Ein Konflikt entzündet sich zuvor an der Form der Abstimmungen. Mehrere Synodale wünschen eine geheime Abstimmung, um den von Papst Franziskus für Synoden als notwendig angesehenen „geschützten Raum" zu gewährleisten; die Mehrheit der Synodalversammlung entscheidet aber auf namentliche Abstimmung.

Videostatement von Dr. Christian Hermes

Wie geht's weiter mit der Synodalität?

Samstag, 10. September, 9.30 Uhr

Mit einer Diskussion über die Tagesordnung startet die Synodalversammlung in die Beratungen dieses Samstags. Es geht darum, eine Priorisierung der Texte zu finden, nachdem das Programm nicht in dem ursprünglich geplanten Tempo bearbeitet werden konnte.

Bereits in zweiter Lesung wird der Handlungstext „Synodalität nachhaltig stärken: Ein Synodaler Rat für die katholische Kirche in Deutschland“ aufgerufen. Dabei geht es um die Frage, ob bzw. wie die synodalen Beratungen "auf Dauer gestellt werden können", also auch nach dem Ende des Synodalen Weges im Frühjahr 2023 "verlässliche Wege" auf Bundesebene geschaffen werden, sagt Prof. Charlotte Kreuter-Kirchhof bei der Vorstellung des Textes und der Änderungsanträge. Dieser Synodale Rat würde dann auch die Texte weiterberaten können, die es bis zum Ende des Synodalen Weges möglicherweise nicht bis zur Beschlussreife schaffen, ergänzt Pater Manfred Kollig. Ein vorgeschlagener Synodaler Ausschuss solle über synodale Strukturen weiterberaten und den Synodalen Rat vorbereiten.

In der Debatte zeigen sich einige Knackpunkte und offene Fragen: der Stellenwert der Hirtenverantwortung der Diözesanbischöfe angesichts der episkopalen Struktur der Kirche; mögliche Doppelstrukturen, etwa mit Blick auf die Gemeinsame Konferenz, in der bereits jetzt Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zusammenkommen; die Frage, ob ein solcher Rat nicht das Zentralkomitee der deutschen Katholiken überflüssig machen würde.

Videostatement von Regina Nagel

Der letzte Sitzungstag

Samstag, 10. September, 8.40 Uhr

Nach dem gelösten Ausgang des gestrigen Tages gehen am heutigen Samstagnachmittag die Beratungen der Synodalversammlung zu Ende. Welche Texte können in der verbleibenden Zeit noch eingebracht werden? Wie wird die Tagesordnung für heute aussehen? Die Mitglieder der Synodalversammlung finden sich nach und nach im Sitzungssaal ein.

Übrigens werden die Ergebnisse der namentlichen Abstimmungen nach und nach bei den entsprechenden Texten auf der Internetseite des Synodalen Wegs veröffentlicht.

Videostatement von Weihbischof Matthäus Karrer

Gemeinsame Mehrheiten

Freitag, 9. September, 20.04 Uhr

Nach der separaten Beratung der Bischöfe gehen der Handlungstext „Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“ und der Handlungstext „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ in der jeweiligen Abstimmung mit deutlichen Mehrheiten durch (wieder gab es Anträge auf namentliche Abstimmungen). Der Handlungstext zur Homosexualität bekommt 92 Prozent Zustimmung der Synodalversammlung und 83 Prozent Zustimmung der Bischöfe. Hinter den Handlungstext „Grundordnung des kirchlichen Dienstes" stellen sich 95 Prozent der Synodalversammlung und 93 Prozent der Bischöfe.

Bischof Dr. Helmut Dieser aus dem Synodalforum „Leben in gelingenden Beziehungen" bedankt sich dafür, "dass wir uns bewegt haben". Denn so sind nach dem Scheitern des Grundtextes immerhin die Handlungstexte durchgekommen. Bischof Dieser spricht von einem großen Schritt, "um die Wirklichkeit, in der wir Kirche sind, anzuerkennen". So geht der zweite Tag der Synodalversammlung gegen 21 Uhr in einer ganz anderen, weil gelösteren, Stimmung zu Ende. Der Antrag, nach dem Abendessen noch weiterzumachen, findet keine Mehrheit. Auch der Antrag, den Sitzungstag am Samstag schon um 8.30 Uhr und nicht um 9 Uhr beginnen zu lassen, fällt durch.

Vielfalt der Lebensführung

Freitag, 9. September, 19.20 Uhr

Die beiden Handlungstexte „Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“ und „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ kommen in die zweite Lesung – trotz der gestrigen Ablehnung des entsprechenden Grundtextes. „Die Synodalversammlung empfiehlt dem Papst, lehramtlich eine Präzisierung und Neubewertung der Homosexualität vorzunehmen“, heißt es im Handlungstext „Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“. Der Handlungstext „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ will die Loyalitätsobliegenheiten von der „Überbetonung von Fragen der privaten Lebensführung“ lösen.

Nach den Redebeiträgen ziehen sich die Bischöfe wieder zu einer gemeinsamen Besprechung zurück. Um 19.40 Uhr geht es wieder weiter.

Videostatement von Diakon Thomas Nixdorf

Erste Erleichterung

Freitag, 9. September, 17.53 Uhr

Nach der Beratung der Bischöfe, in der es laut Bischof Dr. Georg Bätzing um ein Stimmungsbild ging, findet die Sitzung um 17.05 Uhr eine Fortsetzung – mit verschiedenen Anträgen. Nach Änderungsanträgen zum Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ folgt die Abstimmung zum Gesamttext. Das Ergebnis sorgt für Erleichterung: Fast 92 Prozent der Mitglieder der Synodalversammlung und 81 Prozent der Bischöfe stimmen zu (es gab den Antrag auf eine namentliche Abstimmung). Dafür gibt es Applaus.

Bischof Bode richtet ein persönliches Wort des Dankes an seine Co-Vorsitzende im Synodalforum, Prof. Dorothea Sattler. Dann weist er darauf hin, dass sich das positive Votum nun noch bei den Handlungstexten bewähren müsse. ZdK-Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp bekundet den Bischöfen ihren Respekt, dass sie in dieser Frage „diesen Schritt mit uns gegangen sind“.

Das Spektrum der Bischöfe

Freitag, 9. September, 16.35 Uhr

Die Sitzung wird vor der Abstimmung des Grundtextes „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ auf Antrag von Bischof Dr. Georg Bätzing unterbrochen. Die Bischöfe besprechen sich separat im Saal Spektrum. Um 17.05 Uhr soll es dann wieder im Plenum weitergehen.

Die nächste große Debatte

Freitag, 9. September, 15.40 Uhr

Der Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ kommt in die zweite Lesung. Die Generaldebatte soll nach der Erfahrung von gestern genug Raum für eine Aussprache geben, um eventuelle Widerstände im Vorfeld auszuräumen. Dafür ist die Redezeit von einer auf zwei Minuten pro Wortmeldung verlängert worden.

Die Angst vor einem erneuten Scheitern eines Textes und den Folgen hängen deutlich in der Luft. Die Beiträge würdigen die theologische Qualität des Textes. Auf der langen Liste der Rednerinnen und Redner stehen viele Bischöfe. Es wird dabei deutlich, dass einige von ihnen zumindest mit einzelnen Passagen des Textes Probleme haben.

Der Grundtext argumentiert auf etwas mehr als 30 Seiten anthropologisch, historisch, systematisch-theologische und praktisch-theologisch für die Öffnung der Ämter. Bischof Dr. Gebhard Fürst zeigt seine Zustimmungsbereitschaft: „Ich halte es für wichtig, dass wir die Vorlage positiv verabschieden.“ Weihbischof Thomas Maria Renz sagt, er könne dem Grundtext zustimmen, wenn die Zielrichtung ist, nicht das Lehramt infrage zu stellen, sondern eine Anfrage in den weltkirchlichen Kontext zu stellen.

Blick von außen

Freitag, 9. September, 14.10 Uhr

Bischofsvikar Georges Schwickerath von der Schweizer Bischofskonferenz und Marie-Christine Ries aus dem Erzbistum Luxemburg sowie Bischof Dr. Johan Bonny (Antwerpen) geben das Feedback der Beobachterinnen und Beobachter. Schwickerath spricht davon, dass die Texte große theologische Tiefe hätten. „Ihr Weitergehen auf dem Synodalen Weg ist notwendig“, sagt Ries, auch wenn dies manchmal schmerzhaft sei. Bischof Dr. Johan Bonny bezeichnet die Texte des Synodalen Wegs als wertvoll. Er äußert den Wunsch und die Bereitschaft zu Dialog und Austausch.

Aufarbeitung für die Presse

Freitag, 9. September, 13 Uhr

Dass der Grundtext zur Sexualität am Donnerstag nicht die erforderliche Mehrheit bekommen hat, bedauere er auch persönlich sehr, sagt Bischof Dr. Georg Bätzing bei der Pressekonferenz zum Stand der Synodalversammlung. Auf die entsprechende Frage eines Journalisten erklärt er: „Ich denke nicht an Rücktritt. Ich überlasse nicht denen das Feld, die sich nicht bewegen wollen."

Er sowie Dr. Irme Stetter-Karp erklären, dass die Krise durch den nicht vorher offen kommunizierten Widerstand entstanden ist. Was am heutigen Nachmittag mit den weiteren Texten geschehe, „werden wir sehen“, sagt Stetter-Karp. Laut Bätzing wurde gestern in der separaten Beratung der Bischöfe nicht abgefragt, wer gegen den Text gestimmt hat, aber es seien Stimmungsbilder für die kommenden Abstimmungen erhoben worden.

Dr. Beate Gilles, Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, weist darauf hin, dass die 80 Prozent Zustimmung zu dem – letztlich durch das Votum der Bischöfe abgelehnten – Grundtext ein sehr wichtiges Fundament seien. Marc Frings, Generalsekretär des ZdK, fordert, dass Führungskräfte in der Kirche deutlich machen sollten, wo sie stehen.

Videostatement von Sr. Nicola Maria Schmitt

Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche

Freitag, 9. September, 11.45 Uhr

Prof. Dorothea Sattler und Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück) stellen den Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ vor, der zur zweiten Lesung ansteht. Zentrale Frage sei, ob theologische Argumente gegen die Berufung von Frauen zur amtlichen Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi sprechen, sagt Sattler. In dem Grundtext wird die Frage nach dem Zugang von Frauen zum sakramentalen Amt in den Kontext der grundlegenden Erneuerung der Ämtertheologie gestellt. Die Frage nach der Christus-Repräsentation sei von der Frage nach der natürlichen Ähnlichkeit mit einem Mann zu unterscheiden. „Jesus Christus ist gegenwärtig, wenn Menschen in seinem Geist handeln.“ Konturen einer geschlechtergerechten Kirche zeigten sich dort, „wo sich alle als eine Gemeinschaft von Gleichgestellten in der Nachfolge Jesu verstehen: In ihr gibt es keine Diskriminierung und kein Machtgefälle durch Statusfragen“, heißt es in dem Text.

Hintergrund ist die Erklärung von Papst Johannes Paul II. 1994, dass die Kirche "keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben". Bischof Bode skizziert sein Bild von einem lebendigen Lehramt, wonach der „Baum der Lehre“ nicht nur aus den Wurzeln und dem Stamm bestehe, sondern auch aus der lebendigen Krone. Bischof Prof. Peter Kohlgraf als Mitglied der Antragskommission wirbt für ein offenes Gespräch und regt eine neue Form der Kommunikation auch auf weltkirchlicher Ebene an. Die Aussprache zu diesem Grundtext wird auf den Nachmittag vertagt.

Weiter in der Tagesordnung

Freitag, 9. September, 11.24 Uhr

Nach einem Antrag zur Geschäftsordnung müssen die Mitglieder der Synodalversammlung entscheiden, ob es mit der vorgesehenen Tagesordnung weitergehen soll oder nicht. Für eine Änderung der Tagesordnung stimmen nur rund 28 Prozent. Daher folgt - wie geplant - die Beratung zum Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“.

Bericht zur Aufarbeitung und Aufklärung des sexuellen Missbrauchs

Freitag, 9. September, 10.15 Uhr

Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier) trägt als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes seinen Bericht vor. Seit der letzten Synodalversammlung galt das besondere Augenmerk unter anderem der Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des Leids und auch dem Thema Fortbildungen sowie der Weiterentwicklung der Interventionsordnung. Überdiözesane Fortbildungen seien nun verstetigt und würden mindestens einmal jährlich angeboten, regelmäßig auf Aktualität hin überprüft und bei Bedarf angepasst, sagt Ackermann. Er gibt auch einen Überblick zum Stand der Unabhängigen Aufarbeitungskommissionen; in 20 von 27 (Erz-)Diözesen seien die Mitglieder für die Unabhängigen Aufarbeitungskommissionen bereits benannt oder haben ihre Arbeit aufgenommen.

Der Sprecher des Betroffenenbeirats bei der Deutschen Bischofskonferenz, Johannes Norpoth, kritisiert in seinem Statement den „Webfehler dieses Konstrukts Synodaler Weg“, der „in der fehlenden strukturellen und stimmberechtigten Einbindung von Betroffenen“ liege. Er fordert die Synodalen auf, auf dem Weg der Reformen „mutig und mit Haltung voranzugehen“.

Betroffenheit hallt nach

Freitag, 9. September, 9.45 Uhr

In einer kurzen Aussprache zu den Eröffnungsstatements wird noch einmal der vergangene Abend verarbeitet. „Ich schäme mich für diese Bischofskonferenz“, sagt der Stuttgarter Stadtdekan Dr. Christian Hermes. Einzelne Wortbeiträge sind emotional und zeigen die anhaltende Betroffenheit. Forderungen nach namentlicher Abstimmung werden gestellt. Auch die Sinnhaftigkeit der gemeinsamen Eucharistiefeier wird mehrmals angezweifelt.

Es folgen Geschäftsordnungsanträge zur Auslegung der Geschäftsordnung.

Wie mit der Krise umgehen?

Freitag, 9. September, 9 Uhr

Nach dem „EinHalt“, Gebet und Besinnung zum neuen Tag, geben Bischof Dr. Georg Bätzing und ZdK-Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp für das Präsidium ihre Einschätzung zur Lage des Synodalen Weges. „Die Situation ist nachhaltig eine Krise“, sagt Bätzing. Für die Bischöfe erinnert er an eine „dreifache Verantwortung“: für den Prozess und das Gelingen des Prozesses, für den Grundtext und für die Menschen. Die Bischöfe hätten sich darauf verständigt, den Grundtext, der ein Ergebnis des Synodalen Wegs sei, zur Weltbischofssynode, zum Ad-limina-Besuch in Rom und in die Bischofskonferenz mitzunehmen. Das Abstimmungsergebnis sei auch eine "Anfrage an die Bischöfe, wie wir leiten".

Stetter-Karp erinnert an "unsere Verantwortung: im Mittelpunkt steht der Mensch". Nach der Enttäuschung gelte es standzuhalten und nicht zu flüchten, auch wenn es manchmal schwer sei. Sie kündigt aber auch an, dass "wir Laien auch Grenzen abstecken" müssten. "Für uns ist die Veränderungsbereitschaft aller ausschlaggebend." Wenn diese Veränderung nicht möglich sei entlang der gemeinsam verständigten Ziele, wenn Transparenz nicht erzeugt werden könne, "dann werden wir eine neue Standortbestimmung vornehmen".

Videostatement von Gabriele Klingberg

Der Tag danach

Freitag, 9. September, 8.05 Uhr

Nach dem Scheitern des Grundtextes zur Sexualität und den getrennten Beratungen von Bischöfen und Nicht-Bischöfen am späten Donnerstagabend geht es in den zweiten Tag der Synodalversammlung. Werden die beiden Gruppen wieder zusammenfinden? Wie wird es auf dem Synodalen Weg weitergehen? Was passiert zum Beispiel mit dem Handlungstext „Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt“ (erste Lesung), der eigentlich ebenfalls vom Synodalforum "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" vorgelegt werden sollte und mit dem etliche Mitglieder der Synodalversammlung persönliche Hoffnungen verbinden. Aus dem Teilnehmerkreis ist zu erfahren, dass es gestern in der getrennten Beratung der Bischöfe angeblich Probeabstimmungen gab.

Vierte Synodalversammlung: Videostatement von Daniel Noa

Enttäuschung und großer Gesprächsbedarf

Donnerstag, 8. September, 18.45 Uhr

„Das ist eine krisenhafte Situation für die Synodalität, die wir seit einigen Jahren üben. Eine riesige Enttäuschung im Raum ist spürbar“, sagt Bischof Bätzing nach der Pause. Er appelliert an die Synodalen, in der Synodalversammlung beisammenzubleiben. Jetzt sei der Punkt, „wo sich’s bewährt“. ZdK-Präsidentin Stetter-Karp fordert die Bischöfe auf, „dass sie zu ihrer Meinung offen stehen“.

Rund 50 Synodale beteiligen sich an der Aussprache; einige bleiben ihr fern. Mehrere Rednerinnen und Redner ringen um Fassung. Bischof Helmut Dieser als Vorsitzender des Synodalforums äußert sich ratlos, „wie ich mit der Autorität meiner Kirche im Rücken jetzt über Sexualität reden soll“. Es dürfe nicht geschehen, „dass das Evangelium Schaden nimmt oder die Verkündigung der Kirche mutlos oder kraftlos wird, weil wir Angst hätten vor den Bindekräften der Tradition, weil Tradition uns nicht fesselt, sondern stark machen muss“.

Schwester Dr. Katharina Kluitmann (Deutsche Ordensobernkonferenz) kritisiert, dass immer appelliert werde: ‚Bleiben wir zusammen‘, „aber es kann doch nicht sein, dass wir Gläubigen dauernd bei den Bischöfen bleiben müssen, aber die Bischöfe bleiben nicht mehr bei uns.“ Auch Pfarrer Christoph Uttenreuther äußert sich enttäuscht, will das Ergebnis aber nicht als Misserfolg sehen: Dass über 60 Prozent der Bischöfe hinter den vorgeschlagenen Reformen stehen, sei ein Teilerfolg. Kritik geübt wird auch am knappen Zeitkorridor – in der Versammlung ist die Redezeit auf eine Minute begrenzt.

Bischof Stefan Oster (Passau) verwahrt sich gegen Unterstellungen, dass Machtinteressen ausschlaggebend für sein Festhalten an überlieferten kirchlichen Positionen seien. Er könne intellektuell und spirituell die Lehre der Kirche bejahen und rechtfertigen und glaube auch, dass sie heilsdienlich ist. Auch wenn er wisse, dass weit über 95 Prozent der Jugendlichen ihre Not hätten, die geltende Lehre der Kirche zu akzeptieren, könne es gelingen, diese so darzustellen, dass sie angenommen wird – „wenn wir in die Tiefe kommen im persönlichen Gespräch“. Wenn sich manche Bischöfe in der Versammlung nicht zu Wort gemeldet hätten, dann vielleicht deswegen, weil sie gespürt hätten, „welcher Druck und welche Emotionalität dahinter ist“. Dr. Matthias Belafi (Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine) mahnt eine kritische Reflexion des Gesprächsklimas in der Synodalversammlung an.

Fast zwei Stunden dauert die Aussprache. Nach dem Abendessen treffen sich Bischöfe und Nicht-Bischöfe gegen 21.30 Uhr zu getrennten Besprechungen, um das weitere Vorgehen in der Synodalversammlung zu beraten.

Sexualität als erster Knackpunkt

Donnerstag, 8. September, 16.40 Uhr

Mit der zweiten Lesung des Grundtextes „Leben in gelingenden Beziehungen - Grundlinien einer erneuerten Sexualethik" starten die inhaltlichen Beratungen der Synodalversammlung. Der Grundtext will "Sexualität als positive Kraft würdigen, die von Gott geschenkt ist", erklärt einleitend Birgit Mock, Vorsitzende des Synodalforums "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft". Sexualität soll als Teil der Identität anerkannt werden. Bischof Dr. Helmut Dieser (Aachen), Vorsitzender des Forums, erklärt: "Wir versuchen, die Zeichen der Zeit zu erkennen." Es geht laut dem Bischof nicht darum, das katholische Erbe zu verlassen oder gar zu zerstören, aber fortzuschreiben.

Die Liste der Rednerinnen und Redner ist bei dem Thema erwartungsgemäß lang. Dann kommen technische Probleme dazu, sodass sich die Abstimmungen über die Änderungsanträge zu dem Text verzögern. Nach 18 Uhr folgt dann die Gesamtabstimmung. Dabei stimmen 82 Prozent der Mitglieder der Synodalversammlung für den Text. Weil aber nur 61 Prozent der Bischöfe für die Vorlage stimmen, ist die erforderliche doppelte Zweidrittelmehrheit nicht erreicht und der Text somit abgelehnt. Die Sitzung wird bis 18.45 Uhr unterbrochen.

Videostatement von Svenja Stumpf

Stimmungsbild bei Aussprache

Donnerstag, 8. September, 15.25 Uhr

Bei der aktuellen Aussprache kommen verschiedene Anliegen und Meinungen der Mitglieder der Synodalversammlung zur Sprache. Ein Thema sticht heraus, auch wenn es nicht Thema des Synodalen Wegs ist, wie Bischof Dr. Georg Bätzing erklärt: die Diskussion über den Lebensschutz. So nimmt Dr. Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und des Synodalen Weges, Stellung zu ihren Aussagen zum §218 und den Rücktrittsforderungen an sie seitens Maria 1.0. Stetter-Karp spricht in diesem Zusammenhang von einer Kampagne gegen sie.

Wortgottesdienst zur Eröffnung

Donnerstag, 8. September, 14 Uhr

Ein stimmungsvoller Wortgottesdienst - der 8. September ist Hochfest Mariä Geburt - markiert den Auftakt der Beratungen der Vierten Synodalversammlung. 202 Synodale sind nach Frankfurt gekommen, neun weitere nehmen digital teil. Im Bericht des Präsidiums äußert sich Bischof Dr. Georg Bätzing "sehr hoffungsvoll, dass die gute Arbeit in den Synodalforen mit den profunden Überlegungen auf der vierten Synodalversammlung zu richtungweisenden Beschlüssen führen wird".

ZdK-Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp erinnert an den 102. Katholikentag in Stuttgart, "auf dem der Synodale Weg nicht nur in vielfältigen Themen und Diskussionen, sondern auch mit einem eigenen Stand auf der Kirchenmeile präsent war". Stetter-Karp unterstreicht nochmals den Anspruch, die Themen und Fragen des Synodalen Weges "nicht abgeschieden unter sich zu diskutieren, sondern sie in den Diskurs der weltweiten Kirche einzubringen".

Videostatement von Weihbischof Dr. Gerhard Schneider

Videostatement von Bischof Dr. Gebhard Fürst

Pressekonferenz zum Auftakt

Donnerstag, 8. September, 13 Uhr

"Wir gehen auf die Zielgerade", sagte Dr. Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und des Synodalen Weges, mit Blick auf die neun Texte, die in zweiter Lesung zur endgültigen Entscheidung anstehen. Bei der Pressekonferenz vor Beginn der Beratungen erklärte sie: Wo die Ziellinie in den Blick komme, könne das Kräfte mobilisieren. Laut Stetter-Karp soll die Ziellinie gemeinsam passiert werden, ohne Gewinner und Verlierer. Und man werde sich nicht von Buhrufen am Rande der Bahn verunsichern lassen.

In der Zwischenzeit sei unglaublich viel gearbeitet worden, erklärte Bischof Dr. Georg Bätzing (Limburg). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident des Synodalen Weges sagte: "Wir müssen uns bewegen." Wie er ausführte, werden die Fragen, die auf dem Synodalen Weg gestellt werden, auch im weltkirchlichen Rahmen gestellt. "Wir sind nicht allein", sagte Bätzing.

Von einem Hoffnungszeichen sprach Prof. Dr. Thomas Söding, Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Er sehe, wie nötig Veränderungen seien, sagte Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Bei den anstehenden Entscheidungen brauche es entsprechende Mehrheiten, auch der Bischöfe.

Bunte Begrüßung

Donnerstag, 8. September, 12.40 Uhr

Vor dem Congress Center haben sich verschiedene kirchenpolitische Gruppierungen postiert - zur Freude der Medienleute. Denn sie bieten mit ihren Forderungen ein buntes Bild und damit gute Fotomotive.

Die letzten Vorbereitungen in Harmonie

Donnerstag, 8. September, 11.10 Uhr

Die Synodalversammlung ist wieder zu Gast im Congress Center Messe Frankfurt am Main. Die Beratungen finden diesmal im Saal "Harmonie" statt. Die letzten Vorbereitungen laufen. Auch im Pressearbeitsraum, dem Saal "Illusion", justiert das Technikteam Ton und Licht für die Pressekonferenz um 13 Uhr.

 

Synodaler Weg

Das Programm und die Texte

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Die dritte Synodalversammlung 3. bis 5. Februar 2022

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Die zweite Synodalversammlung 30. September bis 2. Oktober 2021

Die Redakteure Arkadius Guzy und Pavel Jerabek berichteten von der zweiten Synodalversammlung in Frankfurt am Main.

Die Online-Konferenz am 4./5. Februar 2021

Pressesprecher Gregor Moser berichtete und sprach mit Teilnehmern aus unserer Diözese über ihre Erfahrungen und Einschätzungen.