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Rottenburg. Seine Feuertaufe auf der CMT in Stuttgart hat es in der vergangenen Woche mit Bravour bestanden – jetzt steuerte das Demokratie-Mobil der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und der Landeszentrale für politische Bildung seine erste Station außerhalb der Messehallen an. Im Rahmen der Gedenkfeier zum 74. Jahrestag der Ermordung von Eugen Bolz durch die Nazis präsentierte das Team der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft der Diözese das Mobil am heutigen Mittwoch in Rottenburg. Bischof Gebhard Fürst und Oberbürgermeister Stephan Neher nahmen im Anschluß an die Kranzniederlegung für den früheren württembergischen Staatspräsidenten Bolz das Demokratie-Mobil gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern in Augenschein.

Was bedeutet es, in einer Demokratie zu leben? Was brauchen die Bürgerinnen und Bürger, um sich in dieser Gesellschaft wohl zu fühlen? Wie kann sich jede und jeder einzelne für Demokratie einsetzen? - Mit dem vom oberschwäbischen Hersteller Hymer (Bad Waldsee) zur Verfügung gestellten Fahrzeug ziehen die beiden Kirchen mit ihren Partnern zum „Siebzigjährigen“ des Grundgesetzes das ganze Jahr durch Baden-Württemberg, um bei Veranstaltungen und in Schulen mit den Menschen zu den Themen Demokratie und Grundrechte ins Gespräch zu kommen. In Zeiten eines sich immer weiter ausbreitenden Populismus scheint dies notwendiger denn je.

Die Diözese hat bereits 2017 die Initiative „Farbe bekennen! Für Demokratie und eine offene Gesellschaft“ gegründet. Sie wird inzwischen von über 60 zivilgesellschaftlichen Institutionen und Verbänden unterstützt. Politische Parteien wurden auch 2019 aus Neutralitätsgründen als Organisationen und Partner bewusst nicht angesprochen. Ziel der Initiative ist der Einsatz für Demokratie und eine offene Gesellschaft sowie die Besinnung auf die Grundwerte der Verfassung, die am 23. Mai 70 Jahre alt wird.

Für Bischof Fürst ist es klar, dass die Kirche bei diesem Thema Flagge zeigt: „Es führt eine direkte Linie vom aufrechten Demokraten Eugen Bolz in unsere heutige Zeit. Eine offene Gesellschaft, die allen Menschen die gleichen Rechte zugesteht und niemanden ausgrenzt, ist eben nicht selbstverständlich.“  Das Beispiel der europäischen Einigung auf Basis stabiler Demokratien nach dem zweiten Weltkrieg zeige eindrucksvoll, wie aus einem „Kontinent des Krieges ein Kontinent des Friedens“ geworden sei. Deshalb sei es von enormer Wichtigkeit, dass die Einwohnerinnen und Einwohner der EU bei der Europawahl im Mai zu den Urnen gehen, um die Demokratie zu stärken – und „nicht dieses wichtige Projekt den Populisten jedweder Couleur überlassen“.

Wie zuvor schon auf der CMT in Stuttgart konnten die Besucher des Demokratie-Mobiles in Rottenburg Karten vervollständigen mit der Aussage „Demokratie ist…“ und sich an einem Drehrad mit Fragen zum Grundgesetz beschäftigen, außerdem gab es dezidierte Informationen über Eugen Bolz und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten im Dritten Reich. Weitere Termine: Am Samstag, 16. März, gastiert das Mobil im Gemeindezentrum der Evangelischen Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Stuttgart, am Samstag, 4. Mai, bei einer Diskussionsveranstaltung von „pax christi“ mit Kandidaten zur Europawahl 2019 und am Donnerstag, 23. Mai, bei der zentralen Veranstaltung der Initiative „Farbe bekennen!“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Das Demokratie-Mobil kann das ganze Jahr über von Verbänden und Organisationen für Vorort-Aktionen gebucht werden; ab Mitte des Jahres soll es verstärkt in baden-württembergischen Schulen eingesetzt werden. Auf der CMT, so Projektkoordinatorin Hanna Olbrich, sei das Interesse vor allem von Seiten vieler Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiter und Bürgermeister „riesengroß“ gewesen. Und: Die Messe Stuttgart als einer der Logo-Partner hat für das Demokratie-Mobil schon jetzt einen Standplatz bei ihren Herbst-Messen im November angeboten.

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